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Mit präziser Nase auf Sprengstoffsuche: Hundeführer Franz Geltinger (2. v. l.) hat in diesem Lager einen Explosivstoff versteckt. Den zu finden, ist für den Deutschen Schäferhund Bandit ein Klacks. Richard Hermann (l.), Leiter der operativen Spezialaufgaben und Organisation, ist zufrieden. 

Vierbeinige Mitarbeiter am Flughafen 

Spürnasen auf Sprengstoffsuche

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Nicht nur Mitarbeiter auf zwei Beinen arbeiten am Flughafen München, auch etliche Hunde sind dort im Dienst. Bundespolizei, Zoll und die Konzernsicherheit der FMG selbst setzen auf die Vierbeiner und vor allem ihren Geruchssinn. Wir haben eine Spürnase und sein Herrchen besucht.

Flughafen– Bandit wedelt aufgeregt mit dem Schwanz. Die Schnauze bewegt sich hin und her. Zielstrebig läuft er auf das Regal zu, schnüffelt – und erstarrt mitten in der Bewegung. Lautlos legt er sich auf den Boden – Mission erfüllt. Nur wenige Sekunden hat der Deutsche Schäferhund gebraucht, um den Sprengstoff zwischen Pappkartons und Kabelrollen aufzuspüren. Zur Belohnung gibt’s dafür von Diensthundeführer und Ausbilder Franz Geltinger ein Leckerli.

Die beiden sind eines von sechs Hundeteams der Konzernsicherheit bei der Flughafen München GmbH (FMG), die am Airport im Erdinger Moos nach Sprengstoff suchen. Ihre Beziehung geht dabei weit über ein Arbeitsverhältnis hinaus. Denn die FMG ist zwar offiziell Eigentümer des Hundes, Besitzer ist jedoch der Hundeführer. Bei ihm lebt das Tier, er ist für es verantwortlich, kümmert sich um Impfungen und Tierarztbesuche. „Der Hund gehört zur Familie“, sagt Geltinger und krault Bandit hinter den Ohren.

Sieben Jahre alt ist der kräftige Schäferhund kürzlich geworden, und damit im besten Spürhundealter. „Ab drei, vier Jahren sind die Tiere nicht mehr so verspielt, haben die nötige Ruhe und Erfahrung, um ihre Arbeit zu erledigen“, erklärt Geltinger. Und sie haben dann noch einige Jahre vor sich, denn erst nach neun, zehn Jahren Dienstzeit werden die Sprengstoffhunde in der Regel in den Ruhestand geschickt, den sie ebenfalls bei ihrem Hundeführer verbringen dürfen.

Angekauft werden die Hunde grundsätzlich, wenn sie etwa ein Jahr alt sind. Eine Vorausbildung in Sachen Sprengstoffsuche haben sie da noch nicht, höchstens eine leichte Grundausbildung. Besonders wichtig aber ist, dass die Chemie zwischen Mensch und Tier stimmt. Eineinhalb bis zwei Jahre dauert die Ausbildung, und trainiert wird jeden Tag. „Das ist eine immense Arbeit, bis der Hund ausgebildet ist“, sagt der Experte.

Dabei wird Gehorsam geübt, aber auch die Bewegungssicherheit des Hundes in den Terminals. „An einem Flughafen gibt es extrem viele Reize, die der Hund ausblenden muss“, erklärt der Leiter der operativen Spezialaufgaben und Organisation, Richard Hermann. Restaurants, Menschenmengen, startende und landende Flugzeuge; Geräusche, Gerüche und optische Eindrücke; Aufzugfahren, Treppen steigen und über durchsichtige Böden gehen – der Hund muss erst lernen, mit alldem umzugehen. Es muss selbstverständlich für ihn werden.

Zugleich muss der Spieltrieb gefördert werden, denn über ihn funktioniert die Sprengstoffsuche: Für den Hund ist sie ein großes Spiel, an dessen Ende eine Belohnung winkt. Sucht der Hund am Anfang der Ausbildung nur sein Spielzeug, kommt im Laufe der Zeit Explosivsprengstoff hinzu, bis die feine Nase vollständig darauf trainiert ist. Aber auch dann heißt es weiterhin: üben, üben, üben.

Und so wartet Bandit geduldig in der Gitterbox im Kofferraum des FMG-Fahrzeugs. Er ist vollkomen entspannt, auch als Geltinger sich für die Suche vorbereitet. Der 54-Jährige, drahtig, die grauen Haare akkurat geschnitten, zieht sich eine gelbe Warnjacke an. Wichtigste Utensilien für die Übung: Leckerli, ein Klicker und ein rotes Gummispielzeug.

Bandit wird aus der Box gelassen und will gleich loslegen. Hört er das konditionierte Kommando aus dem Mund seines Hundeführers, beginnt seine Arbeit. Und dann dauert es nur wenige Sekunden, bis er das Stück Sprengschnur gefunden hat, das Geltinger zuvor mit Gummihandschuhen ausgerüstet in einem Lager auf dem Flughafengelände versteckt hat.

Im Gegensatz zum Anzeigeverhalten bei Drogenspürhunden legt sich Bandit still und leise auf den Boden. „Die passive Anzeige durch Hinlegen, Hinsetzen und Einfrieren ist zwingend erforderlich. Man weiß ja nie, ob ein potenzieller Zünder nicht auf Bewegungen oder Geräusche reagiert“, erklärt Geltinger. Im Ernstfall würde Bandit deshalb auch ganz leise mit dem Gummispielzeug quasi aus dem Gefahrenbereich gelockt, bevor weiterführende Maßnahmen eingeleitet werden. Im Training aber benutzt Geltinger, der in Paunzhausen im Kreis Freising lebt, einen Klicker. Hört er den Klick, weiß Bandit: Die Suche war erfolgreich, zur Belohnung wird gespielt.

Die Vierbeiner bei der Konzernsicherheit sind durchweg Deutsche Schäferhunde. „Mit ihnen haben wir die besten Erfahrungen gemacht. Sie sind gelehrig, ausdauernd, ruhig und erledigen ihre Aufgaben gut“, erklärt Geltinger.

Der Einsatz der Sprengstoffspürhunde ist am gesamten Flughafencampus sehr gefragt: Die Vierbeiner kontrollieren dabei nicht nur etwa Flughafenlieferungen, für deren Kontrolle der Flughafenbetreiber unter anderem gemäß § 8 Luftsicherheitsgesetz (LuftSiG) zuständig ist, sondern auch Luftfracht im Auftrag der Airlines (§ 9 LuftSiG). Ebenso kann es vorkommen, dass Gepäck von Fluggästen auf Anordnung der zuständigen Behörde kontrolliert werden soll (§ 5 LuftSiG). „Das ist deutschlandweit an einem Flughafen einmalig“, erklärt Hermann. Pro Tag ist jeder Hundeführer im Schnitt vier- bis fünfmal im Einsatz. Beim Gepäck von Fluggästen wird aber nur dann aufs Spürnäschen der Konzernsicherheit gesetzt, „wenn uns die Behörden anfordern“, so Geltinger.

Dazu kommen besondere Einsätze wie bei der Sicherheitskonferenz, wo die Teams verstärkt bei der Kontrolle von Gepäck gefordert sind und auch Fahrzeuge überprüfen, die in den Sicherheitsbereich fahren. „Ein Highlight war, als wir zum G 20-Gipfel in Hamburg angefordert wurden“, erzählt Geltinger. Zwei Hundeführer samt Hunden haben dort Fahrzeugkolonnen kontrolliert und waren mit SEK, GSG 9 und dem Einsatzkommando Cobra aus Österreich in die Einsatzpläne eingebunden. Eine Mission, die Geltinger so schnell nicht vergisst.

Und auch als am Flughafen Leipzig eine große Frachthalle eröffnet hat, wurden die Teams vom Münchner Airport angefordert. „Die Halle war beim Bau öffentlich und wurde nach Fertigstellung zum Sicherheitsbereich. Und der musste eben abgesucht werden“, sagte Hermann und erklärt, warum man bundesweit auf die Teams der Konzernsicherheit vom Münchner Airport setzt: „Unsere Staffel genießt einen sehr guten Ruf.“

Dass der Hund für die Sprengstoffsuche geeignet ist, das muss er immer wieder aufs Neue beweisen: Jedes Jahr stehen drei Prüfungen an, die von den jeweils zuständigen Behörden zertifiziert werden, damit die Teams weiterhin für alle drei Paragrafen eingesetzt werden dürfen.

Zudem besuchen sie die zentrale Diensthundeschule der Landespolizei in Herzogau, wo sie in Zusammenarbeit mit dem LKA und den dortigen Spezialausbildern die jährliche Prüfung an TATP-Echtstoff ablegen: Die Hunde sind dann nicht nur auf gewerbliche, organische und militärische Sprengstoffe geschult, sondern auch auf so genannte Selbstlaborate – und damit auch auf solche Sprengstoffe, die besonders häufig benutzt werden.

Die Suchhunde bei der FMG erhalten nur die Spezialausbildung auf Sprengstoffe, nicht aber eine sogenannte Schutzdienstausbildung, wie sie beispielsweise Polizeihunde haben. Streicheln sollte man die Tiere, wenn man sie zum Beispiel im Terminal sieht, trotzdem nicht einfach so. „Fremde Hunde fasst man grundsätzlich nicht ungefragt an“, erklärt Geltinger.

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