Vor Gericht 

Drogenkurierin aus großer Not

Flughafen/Landshut – Die Geschichte, die eine 52-jährige paraguayische Drogenkurierin lieferte, bot genügend Stoff für ein Krimi-Drehbuch. Das Landshuter Landgericht zeigte sich allerdings wenig beeindruckt – und schickte die Verkäuferin für fünfeinhalb Jahre ins Gefängnis.

Die 52-Jährige war im Juni 2016 aus São Paulo kommend am Münchner Flughafen zwischengelandet. Bei der routinemäßigen Überprüfung ihres Transitgepäcks wurden im doppelten Boden ihres Koffers 2,4 Kilogramm Kokain vom Feinsten gefunden. Der Wirkstoffgehalt lag bei 95 Prozent, so dass der Stoff entsprechend aufgestreckt im Straßenverkauf mindestens eine Viertelmillion Euro gebracht hätte.

Große Angst um Kinder und Enkel

Vor Gericht schilderte die Verkäuferin einen Lebensweg, auf dem sich ein Schicksalsschlag an den anderen reihte. Ihre Eltern, die eine kleine Landwirtschaft betrieben, seien früh gestorben. Sie sei zunächst bei einem Onkel untergekommen, habe mit 16 geheiratet und in der Folgezeit acht Kinder geboren. „Von meinem Mann, der mich und meine Kinder über Jahre hinweg misshandelt hat, habe ich mich 1996 getrennt, ebenso von meinem zweiten Mann, von dem ich noch eine Tochter bekommen habe“, berichtete sie. Zuletzt habe sie als Verkäuferin gearbeitet, ihren Job aber Anfang 2016 verloren und sich sowie eine minderjährige Tochter und zwei Enkel seither mit Gelegenheitsjobs durchgebracht.

Weihnachten 2014 sei eine ihrer Töchter mit einer Enkelin zu ihrem Mann, einem Alkoholiker, nach Brasilien gezogen. Wenige Tage später habe sie die Nachricht erhalten, dass die Tochter verstorben sei. Sie witterte einen Mord und habe dann alles versucht, um wenigstens die Enkeltochter zurückzuholen.

Sie sei deshalb sogar nach Brasilien gereist, habe einen Anwalt und das Konsulat um Hilfe gebeten. Ein Jahr lang habe sie versucht, die Enkelin auf legalem Weg zurückzubekommen. „Ich war verzweifelt, weil mir auch die Anwälte erklärt haben, dass sie ohne Geld nichts tun könnten.“

In dieser schweren Zeit habe sie eine gewisse „Gladys“ kennen gelernt, die habe ihre Geschichte und ihre finanzielle Situation gekannt und ihr einen lukrativen Job angeboten: Sie solle ein „Shampoo“ nach Barcelona bringen. Das sei überhaupt nicht gefährlich. Als Entlohnung seien ihr 5000 US-Dollar in Aussicht gestellt worden. Deshalb sei sie schon von etwas Illegalem, etwa Falschgeldtransport, ausgegangen.

Es war nicht der erste Rauschgiftschmuggel

Staatsanwältin Maria Offenbeck gestand der 52-Jährigen eine gewisse Notsituation zu, beantragte allerdings für den Schmuggel und die Beihilfe zum illegalen Drogenhandel eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren. Verteidigerin Michaela Schmidt-Eberth verwies auf die Bemühungen ihrer Mandantin, Aufklärung über die Hintermänner zu betreiben und warf auch ihre schwierigen wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse sowie die erhebliche Haftempfindlichkeit in die Waagschale. Sie hielt eine Freiheitsstrafe von vier Jahren für ausreichend.

Vorsitzender Richter Markus Kring begründete die fünfeinhalb Jahre vor allem damit, dass die Verkäuferin mit massiv bedingtem Vorsatz gehandelt habe. Immerhin sei sie bereits 2010 einmal in den Niederlanden beim Schmuggel von zwei Kilogramm Kokain erwischt und dort verurteilt worden. 

Walter Schöttl

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