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Kontrolle am Flughafen München.

Am Flughafen

Wieder Krankheitsfälle: Sprengstoff-Kontrollgeräte unter Verdacht

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München - Geruchsbelästigungen, Atemwegserkrankungen, Hautreizungen – schon wieder gibt es rätselhafte Krankheitsfälle unter dem Sicherheitspersonal am Flughafen München. Alles deutet auf ein altbekanntes Problem.

Eine Krankheitswelle bei der staatlichen Sicherheitsgesellschaft am Flughafen München (SGM) hatte im Herbst die Belegschaft verunsichert. Zeitweise gab es bis zu 200 Erkrankungen – und das alles wegen einer neuen EU-Sicherheitsvorschrift. Die EU macht es dem Flughafen zur Auflage, neue Sprengstoffsuchgeräte zu verwenden. Dabei wird mit Wischpads über Kleidung und Gepäck der Passagiere gestrichen. Der Papierstreifen wird dann in den Detektor gesteckt, der in wenigen Sekunden auch geringste Spuren von Sprengstoff anzeigen kann. Soweit die Theorie. In der Praxis dünsteten die Geräte sowohl des Typs Quantum Sniffer und Itemiser 4DX stark aus. Die Staatsanwaltschaft Landshut ermittelte.

Seit vergangenem Donnerstag, so berichten Mitarbeiter, sind die Itemiser 4DX wieder in Betrieb. Die Staatsanwaltschaft Landshut, die die Geräte beschlagnahmte hatte, hatte sie freigegeben und die SGM hat sie nach einer Karenzzeit nun wieder an den Kontrollschleusen der Terminals aufgestellt. Nicht an allen offenbar, wohl aber zum Beispiel am Modul G im Terminal 2, aber auch am Terminal 1. Dafür werden die offenbar veralteten Geräte des Typs Egis III, die ersatzweise aufgestellt wurden, abgebaut.

Prompt häufen sich nun wieder die Beschwerden. Zwei Mitarbeiter wandten sich deshalb an unsere Zeitung und berichteten über neue Gesundheitsprobleme. Der Verdi-Gewerkschaftssekretär am Flughafen, Ulrich Feder, weiß von zehn Krankheitsfällen seit vergangener Woche. „Einen Mitarbeiter hat’s ganz schwer erwischt“, berichtet er. Er vermutet, dass der Flughafen es mit den Kontrollen übertreibt. „Die Geräte laufen mit einer Intensität, die zu hoch ist.“

Der Freisinger Landtagsabgeordnete der Freien Wähler, Benno Zierer, hat gestern eine Landtags-Anfrage zu den erneuten Krankheitsfällen gestellt. Er will unter anderem wissen, wie viele Tests mit den Geräten im Verlauf eines Tages durchgeführt werden und ob es Vorgaben vom Hersteller dazu gibt – er hegt wie Feder ebenfalls die Vermutung, dass die hohe Kontrolldichte Ausdünstungen bei den Geräten verursacht.

Die Regierung von Oberbayern als vorgesetzte Behörde des Luftamts Südbayern bestätigt den Einsatz der Kontrollgeräte. „Die Wiederinbetriebnahme beider Gerätetypen läuft gerade“ – beider Gerätetypen, also auch des Sniffers, der im Herbst zuerst aus dem Verkehr gezogen worden war. Für die SGM-Mitarbeiter habe es sechs Informationsveranstaltungen gegeben. Dabei ging es auch um ein Gutachten Münchner Mediziner, die die Krankheitsfälle vom Herbst als „sick-building-Syndrom“ bezeichnet hatten. Überspitzt gesagt werden dabei harmlose Alltags-Symptome mit einer unterstellten Schadstoffbelastung in Verbindung gebracht – mit der Folge, dass sich der Mitarbeiter schließlich krank fühlt. Gegenüber unserer Zeitung haben die Betroffenen dieses Gutachten stets vehement zurückgewiesen und auf ärztliche Atteste verwiesen. Die Regierung hält das Gutachten indes für „überzeugend“. Von neuen medizinischen Problemen sei nichts bekannt.

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