Zwei Wochen Arrest

19-Jährige ging in Mauern Weihnachtsgeschenke klauen

Mauern - Den Einkaufskorb hat eine 19-Jährige in Mauern gut gefüllt. Gezahlt hat sie nicht. Da sie in der Vorweihnachtszeit 2015 in dem Supermarkt  recht wählerisch vorging, fiel es dem Gericht nicht leicht, Mitgefühl für sie zu entwickeln. Wegen Diebstahls wurde ihr der Prozess vor dem Amtsgericht Freising gemacht.

Den Einkaufskorb hat eine 19-Jährige in Mauern gut gefüllt. Gezahlt hat sie nicht. Da die junge Frau in der Vorweihnachtszeit 2015 in dem Supermarkt recht wählerisch vorging, fiel es dem Gericht nicht leicht, Mitgefühl für sie zu entwickeln. Wegen Diebstahls wurde ihr der Prozess vor dem Amtsgericht Freising gemacht.

Den Straftatbestand des Mundraubs kennt das Gesetz seit 1975 nicht mehr. Schon im 19. Jahrhundert erachtete man eine Bestrafung für das „Entwenden von Feld- und Gartenfrüchten“ als unangemessen. Von „Notdiebstahl“ war damals noch die Rede. Daran zu denken, dass die 19-Jährige von Not getrieben ihren Korb mit allerlei Leckereien ge füllt hatte, kam Amtsrichter Boris Schätz jedoch als Letztes in den Sinn.

Die Familie daheim im fernen Rumänien habe sie an Weihnachten mit Süßigkeiten bedenken wollen, ließ die Angeklagte ihre im Flüsterton vorgetragene Erklärung von einer Dolmetscherin übersetzen. Für 107 Euro hatte sie außer sieben Packungen Zigaretten und Hundefutter feinstes Naschwerk zusammengetragen. Hinzu kommt, dass sie praktisch auf den Tag genau acht Wochen zuvor an selber Stelle ebenfalls wegen Diebstahls verurteilt worden war. Seinerzeit feierte angeblich eine Freundin Geburtstag, die beschenkt werden sollte. Ein weiteres Strafverfahren war eingestellt worden.

Wenig Gefallen fand das Gericht an der Einstellung der Angeklagten. Vor vier Jahren aus Rumänien in die Bundesrepublik gekommen, spricht die 19-Jährige noch immer kein Deutsch. Auf die Frage nach Sprachkursen zuckte sie bedauernd mit den Schultern. Sich unter diesen Umständen auf den Wechsel des Kulturkreises und auf das Fehlen sozialer Bindungen zu berufen, schien Richter Schätz nicht angemessen – gerade angesichts von Asylbewerbern, die Sprachkurse mit Handkuss belegen. Schätz ließ deutlich erkennen, an ihrer Integrationsphilosophie zu zweifeln. Auf die Frage des Gerichts, wie sie sich denn ihren künftigen Weg ohne Schulabschluss und bar jeglicher Sprachkenntnisse vorstelle, antwortete die Angeklagte: „Der liebe Gott hilft.“

Eine Woche Dauerarrest beantragte der Staatsanwalt auf zwei Wochen erhöhte der Richter: Sieben Packungen Zigaretten in der Weihnachtszeit, Mozartkugeln für die Lieben daheim – das sei ja relativ rührend, bewege ihn aber kaum. Angesichts der flotten Rückfallgeschwindigkeit ließ er die 19-Jährige wissen, dass sie beim nächsten Mal mit Schlimmerem rechnen müsse: mit sechs Monaten Gefängnisstrafe aufwärts.

Andreas Sachse

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

(Fast) alle ächzen unter der Bruthitze
Freising ächzt unter der Hitze. Im Klinikum reißt seit Anfang der Woche die Versorgung von Kreislaufpatienten nicht ab. Im Baumarkt gibt’s einen Run auf Klimageräte – …
(Fast) alle ächzen unter der Bruthitze
Sie legen den Finger in die Wunde
Hochwasserschutz, Radwegbau und Baugrund für Familien: UBZ-Vorsitzender Karl Toth fordert, dass diese Themen mit mehr Druck vorangetrieben werden.
Sie legen den Finger in die Wunde
Ein „Neubau“ mit bewegter Geschichte
Sie ist eine kleine, aber feine Kirche – und sie hat eine lange Geschichte, die bis ins tiefe Mittelalter reicht: St. Valentin in Altenhausen. Der Nachfolgerbau feiert …
Ein „Neubau“ mit bewegter Geschichte
Unachtsamkeit kostet 4000 Euro
Keine Verletzungen, aber ein Blechschaden in geschätzter Höhe von rund 4000 Euro sind das Ergebnis eines kurzen Moments der Unachtsamkeit eines Mannes aus dem Landkreis …
Unachtsamkeit kostet 4000 Euro

Kommentare