Bericht aus dem Gericht 

20-Jährige vor Gericht: Gras ja – aber was war mit Amphetaminen?

Neufahrn – Marihuana konnte man der Angeklagten (20) aus Neufahrn nachweisen. In Sachen Amphetamine lagen aber keine zweifelsfreien Beweise vor – und doch warnte Richter Boris Schätz vor leichtfertigem Umgang damit.

Amphetamin und ein wenig Marihuana soll eine 20-jährige Neufahrnerin im Frühjahr von ihrem Dealer gekauft haben. Die Angestellte war teilweise geständig, ersparte dem Gericht eine aufwendige Beweisaufnahme. Der zwischenzeitig aus der Untersuchungshaft entlassene Dealer war dem Prozess vor dem Amtsgericht Freising ferngeblieben.

Ob es sich bei dem Dealer um den vor geraumer Zeit in Eching festgenommenen Mann handelt, blieb unklar. Der heroinsüchtige Echinger war vor seiner Verhaftung von Drogenfahndern intensiv überwacht worden, Telefone wurden abgehört. Im August war im Amtsgericht gegen einen seiner Kunden (30) verhandelt worden. Von insgesamt 200 Folgeverfahren ist bisher die Rede. Das Verfahren gegen den 30-Jährigen wurde jedoch eingestellt.

Wie dem auch sei, ob es sich um ein und denselben Dealer handelt oder nicht: Selbst wenn der Mann der Ladung zu dem Prozess gegen die 20-Jährige gefolgt wäre, hätte man ihn nicht zu einer Aussage zwingen können, solange sein Prozess nicht abgeschlossen ist.

Die Angeklagte räumte ein, am 11. März ein paar Gramm Gras bezogen zu haben. Die Polizei stellte rund zwei Gramm Marihuana und den Rest einer rauchfertigen Mixtur aus Tabak und Gras fest. Den Erwerb von Amphetamin bestritt sie über ihren Anwalt.

Das Teilgeständnis der Angeklagten bestätigte Ermittlungsergebnisse. Nach Informationen des Gerichts waren die Fahnder im Verlauf der Telefonüberwachung wiederholt auf die 20-Jährige aufmerksam geworden. Anscheinend dokumentieren die Mitschnitte aber lediglich den Erwerb geringer Mengen Marihuanas. Chemische Aufputschmittel waren der Neufahrnerin nicht zweifelsfrei nachzuweisen.

Wie die Jugendgerichtshilfe mitteilte, ist die 20-Jährige während der Schulzeit massiv gemobbt worden. Schwierigkeiten daheim belasteten das Mädchen zusätzlich. Die Eltern trennten sich. Mittlerweile steht die Angestellte mit beiden Beinen im Leben. Die junge Frau ist nur wegen Lappalien vorbelastet. Der Vorwurf lautete 2013 in beiden Fällen auf Missbrauch von Ausweispapieren. Offensichtlich hatte sie mit 15 oder 16 Jahren versucht, sich als 18-Jährige Zutritt in eine Diskothek zu verschaffen.

Das Gericht verurteilte die Neufahrnerin als Erwachsene zu einer Geldstrafe in Höhe von 1000 Euro (20 Tagessätze zu 50 Euro). Die Sache mit dem Amphetamin wurde fallen gelassen. Der Nachweis wäre nur sehr schwer zu führen gewesen. Vermutlich hätte man den Prozess gegen den Dealer abwarten müssen, um ihm eine Aussage ab zu nötigen. Aus Gründen der Prozessökonomie verzichtete das Gericht darauf. Die Angeklagte habe zudem ein Anrecht auf ein beschleunigtes Verfahren.

Richter Boris Schätz entließ die 20-Jährige aber nicht ohne Warnung: „Amphetamin ist totgefährlich.“ Nicht nachvollziehen könne er, wie nachlässig mit der Droge umgegangen würde: „Die Leute wischen über den Flaschenhals, wenn ihnen jemand einen Schluck anbietet, schmeißen sich aber bedenkenlos irgendwelches Zeugs aus einem Keller in Tschechien ein. . .“

Andreas Sachse

Rubriklistenbild: © dpa

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