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Eine Region geht baden: Mit dieser Aktion im Pullinger Weiher im August 2009 kämpften der Bund Naturschutz und dessen Vorsitzender Christian Magerl bei ohrenbetäubendem Fluglärm gegen die 3. Startbahn.

2018 ist Schluss: Christian Magerl kehrt der Politik den Rücken

Unermüdlicher Kämpfer für die Natur

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Sagt man Grüne, meint man Magerl. Sagt man Flughafen- und Startbahn-Abwehrkampf, meint man Magerl. Sagt man Bund Naturschutz, meint man Magerl. Doch ab 2018 ist das anders: Christian Magerl zieht sich zurück. Schluss mit Landtag, Schluss mit BN.

Freising – Manch Kollege aus dem Bayerischen Landtag war ihm ein Beispiel. Ein warnendes Beispiel. Und er hat seine Lehren daraus gezogen. „Man muss den Zeitpunkt, um aufzuhören, rechtzeitig festlegen“, sagt Christian Magerl. Der Mann, der wie kein anderer für Grün, für Airport- und Startbahn-Widerstand sowie für Naturschutz im Landkreis Freising steht, tritt im kommenden Jahr von der politischen Bühne ab: Nach sechs Perioden als MdL im Maximilianeum kandidiert der jetzt 61-Jährige dann nicht mehr. Und nach 36 Jahren als Vorsitzender der Kreisgruppe des BN will er dann auch dieses Amt abgeben. „Ich will noch das bisschen Natur genießen, für das ich so lange gekämpft habe“, sagt Magerl.

Geschafft: 1986 zieht Christian Magerl als Landtagsabgeordneter für die Grünen ins Maximilianeum ein.

1975 Abitur am JoHo, 1984 Promotion und dann gleich der Einstieg in die große, in die Landespolitik: Von 1986 bis 1998 saß Christian Magerl nicht als Grüner, aber für die Grünen im Landtag, setzte dann eine Periode aus, bevor er 2003 – dann auch als Parteimitglied von Bündnis 90/Die Grünen – wieder kandidierte und wieder gewählt wurde. „Und da sitzt er heit no“, um einen berühmten bayerischen Autor zu zitieren.

27 Jahre Landespolitik – das ist dann aber genug. „Kürzer treten“ heißt ab sofort Magerls Devise. Denn – Studium inklusive – 40 Jahre lang mit dem Zug nach München pendeln, „das wird mir nicht fehlen“. Und auch die Fremdbestimmtheit durch Tagungen und Termine in ganz Bayern ist etwas, das ihm nicht abgehen wird. Sitzungen hingegen – auch wenn sie, daran kann sich Magerl noch gut erinnern, bis fünf Uhr früh dauerten – waren ihm in all den Jahren kein Graus. Spaß hat es ihm gemacht, weil er seine Themen sehr frei setzen konnte.

Seine größten politischen Niederlagen? Die Inbetriebnahme des Flughafens im Erdinger Moos 1992 und der derzeit laufende Bau für die Westtangente Freising, zählt Magerl da auf. Und Erfolge in 27 Jahren Opposition? Die fallen Magerl auch sofort ein: „Dass nach über zwölf Jahren die 3. Startbahn noch immer nicht gebaut ist“, nennt er als erstes. Außerdem: Der Transrapid wurde verhindert. Und auch die Marzlinger Spange wurde eingestampft.

Auf all das ist Magerl stolz. Dass er auch diverse Male für das Amt des Landrats und des Freisinger OB kandidiert hat, bereut Magerl nicht. Auch wenn es nie gereicht hat.

So richtig gefuchst hat ihn die Niederlage aber nur, als er 2008 in der Stichwahl gegen den Marzlinger Michael Schwaiger (FW) verlor, der dann seinerseits nach sechs Jahren das Handtuch schmiss. Sein Gefühl damals?: „Zefix!“

Groß-Demo: Im Jahr 2007 prangert Magerl am Odeonsplatz den Drehkreuzwahn der Staatsregierung an.

Die Posten, die man als MdL der Grünen in Bayern ergattern kann, sind rar gesät: Fraktionschef kann man werden oder auch Ausschussvorsitzender im Maximilianeum. Das hat Magerl erreicht, ist derzeit Vorsitzender des Umweltausschusses. Dass er es bis zum Ende seiner „Dienstzeit“ vielleicht noch schafft, dass nicht nur die Donau-, sondern auch die Isarauen Teil eines dritten Nationalparks in Bayern werden, dafür stehen die Chancen nicht so schlecht, verrät Magerl. Es wäre ein weiterer Erfolg des Kämpfers für die Umwelt.

Magerl, der sich bis heute erfolgreich gegen ein Handy und gegen ein Smartphone gewehrt hat, der auch meist noch nach Landkarte und nicht nach „Navi“ fährt, wird ab Herbst 2018 auch eine andere „Landplage“, wie er es nennt, los sein: die Flut an E-Mails, die zu Hektik verleitet. „Und das ist nicht gut“, sagt Magerl und nimmt einen langen Schluck aus seinem Weißbierglas. Wenn früher, so erinnert er sich, etwas dringend war, dann kam es per Eilbrief ins Büro des Abgeordneten – beispielsweise das Einschreiben zum Tod von Franz Josef Strauß.

Wer als Landtagskandidat (und dann eventuell als MdL) in seine Fußstapfen tritt, das werden die Kreis-Grünen wohl im Herbst festlegen. Aussichtsreichster Kandidat dürfte Bezirks-, Kreis- und Moosburgs Stadtrat Johannes „Jojo“ Becher sein, der als persönlicher Referent Magerls schon seit Ende 2013 Maximilianeums-Luft schnuppert. Und das ist keine schlechte Referenz. Denn einen anderen früheren Mitarbeiter Magerls kennt heute in Deutschland fast jeder: Anton Hofreiter, Fraktionschef der Grünen im Bundestag. 

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