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Stattlich prägt St. Valentin das Weichbild des Freisinger Ortsteils Altenhausen. Die kleine, aber feine Kirche wurde in den 80er-Jahren grundsaniert.

300 Jahre St. Valentin Altenhausen

Ein „Neubau“ mit bewegter Geschichte

Sie ist eine kleine, aber feine Kirche – und sie hat eine lange Geschichte, die bis ins tiefe Mittelalter reicht: St. Valentin in Altenhausen. Der Nachfolgerbau feiert jetzt seinen 300. Geburtstag. Entsprechend wird am Sonntag, 25. Juni, gefeiert. Kreisheimatpfleger Rudolf Goerge hat aus diesem Anlass in der Chronik des Gotteshauses geblättert.

Altenhausen – Das kleine Dorf Altenhausen gehört zu den ältesten Orten im Landkreis. Schon in der Jungsteinzeit vor rund achttausend Jahren lebten in dieser fruchtbaren Gegend Menschen. Auch die Römer gaben hier ein Gastspiel. Wann Altenhausen gegründet wurde, kann man nicht genau sagen. Erstmals lesen wir in einer Urkunde vom 5. September 772 von „Altunhusir“. Damals übergab der Priester Wolfperht zum ewigen Seelenheil das von seinem Vater Erchanperht geerbte Landgut in Altenhausen „an den Altar der seligen und unbefleckten Jungfrau Maria und zum Grab des heiligen Bekenners Christi Korbinian“. Zu dieser Schenkung gehörte noch eine Kirche, die der Priester Erchanperht zu Ehren des heiligen Valentin erbaut hatte. Dieser Stiftungsakt fand in feierlichem Rahmen im Freisinger Dom in Anwesenheit des Bischofs Arbeo und vieler Zeugen statt. Nach alter Überlieferung soll der heilige Korbinian persönlich die Kirche in Altenhausen zu Ehren des heiligen Valentin von Rätien geweiht haben.

Für die Gläubigen ist die Kirche ein Ort der Gemeinsamkeit – auch bei besonderen Anlässen. Im Jahr 2014 etwa fand die festliche Orgelweihe mit Pfarrer Franz Xaver Huber statt.

Wie die erste Kirche ausgesehen hat, weiß man nicht. Auf dem Hochaltarbild in Altenhausen ist der gotische Bau mit drei Fensterachsen, einem Turm mit Satteldach und einem Friedhof zu erkennen. Diese Kirche war im Laufe der Jahre sehr baufällig geworden. Besonderen Kummer bereitete den Gläubigen im frühen 18. Jahrhundert der kleine Bach, der bei Hochwasser derart anschwoll, dass er die gesamte Kirche und den Hochaltar überschwemmte. Das Mauerwerk war deswegen feucht und völlig marod.

Im Jahre 1717 wurde der Kirchenbau vollendet. Davon zeugt eine Jahreszahl an der Ostseite des Gotteshauses.

Mehrmals begutachtete der Fürstbischof Johann Franz Eckher „in hechster Persohn“ die Schäden an dem Kirchlein. Da dieses dem Kirchenfürsten sehr am Herzen lag, ließ er Pläne für eine neue Kirche entwerfen, schickte 50 000 Ziegelsteine und gab eine beachtliche Summe für einen Neubau. Die alte Kirche wurde 1716 abgebrochen und die neue an etwas höherer Stelle errichtet. Baumeister war wohl der Freisinger Hofmaurermeister Dominikus Glasl. Den Stuck schuf der Hofstuckateur Nikolaus Liechtenfurtner. 1717 war der Kirchenbau vollendet, wie die Jahreszahl an der Ostseite der Kirche zeigt. Am 16. Oktober 1718 weihte der Fürstbischof Johann Franz Eckher die neue Kirche zu Ehren des heiligen Valentin von Rätien ein.

Anlässlich der Feierlichkeiten nach der Kirchen-Renovierung war der unvergessene Weihbischof Heinrich Graf von Soden-Fraunhofen 1988 nach Altenhausen gekommen.

Letzterer war in der ersten Hälfte des fünften Jahrhunderts als Wanderbischof ohne festen Bischofssitz in der früheren römischen Provinz Rätien, im Gebiet zwischen Donau und Alpen, Inn und Iller, als Missionar tätig. Sicher lebte er zwischen 430 und 450 in Passau. Vielleicht floh er vor den heranstürmenden Hunnen nach Südtirol, wo er um das Jahr 450 starb und auf der Zenoburg bei Meran in der Gertrudenkapelle bestattet wurde. Sein Gedenktag ist der 7. Januar.

Als der Freisinger Bischof Korbinian um das Jahr 700 auf seiner Romreise in Mais bei Meran von den Wächtern des Herzogs Grimoald aufgehalten wurde, sah er dies als einen Fingerzeig Gottes an. Er war so begeistert von der Schönheit dieser Gegend und der Ruhe dieses Ortes, dass er sich in Kuens im Passertal niederließ. Herzog Grimoald schenkte ihm ein Grundstück, auf dem er ein Landgut errichtete, Weinberge und Obstgärten anlegte. Gleichzeitig versorgte er das Grab und die Kirche des Bischofs Valentin auf der nahe gelegenen Zenoburg. Als Korbinian am 8. September um das Jahr 725/730 in Freising starb, wünschte er, neben dem heiligen Valentin auf der Zenoburg bestattet zu werden. Erst Bischof Arbeo von Freising ließ um 768 die Gebeine des heiligen Korbinian von der Zenoburg nach Freising überführen. Wegen der engen Verbindung zwischen Valentin und Korbinian konnte leicht die Legende entstehen, Korbinian habe die Kirche in Altenhausen zu Ehren des heiligen Valentin geweiht. Er wird vor allem bei Fallsucht (Epilepsie) angerufen. Dies hängt mit der bairischen Aussprache unseres Heiligen „Falentin“ zusammen. Auch bei Kinderkrankheiten sollte der Patron helfen.

Auch in Altenhausen pilgerten die Gläubigen mit ihren Sorgen und Nöten zum heiligen Valentin. Im 18. Jahrhundert befand sich hier eine Schale mit einem Serpentinstein, in der den Kranken gesegnetes Wasser zum Trunk gereicht wurde.


Von den vielen Votivtafeln sind leider nur zwei erhalten geblieben. 1710 stiftete die Bürgerin Maria Danner von Abensberg eine Tafel, weil ihr Kind „der Fraiss andterhalbs Jahr erschreckhlich under worffen gewest“ und geheilt wurde. Eine weitere Votivtafel von 1846 erinnert an die Freisinger Kaminkehrergattin Ursula Peslmüller, deren Kind auf die Fürbitte des heiligen Valentin geheilt wurde.

Die Kirche St. Valentin, die von 1986 bis 1988 saniert wurde, stellt ein lebendiges Zeugnis für die Frömmigkeit der Vorfahren dar und darf als Zeugnis für das Schaffen Freisinger Künstler des Barocks in der Zeit des Fürstbischofs Eckher angesehen werden.

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