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46-Jähriger wegen 420 000-Euro-Betrugs angeklagt

Ein Schneeball für zwölf Geprellte

Als Verkäufer einer Freisinger Landkreis-Firma hatte der 46-Jährige das volle Vertrauen seiner Bekannten. Das war so groß, dass sie ihm für seine nebenberuflichen „Geschäftsideen“ über 420 000 Euro anvertrauten. Auf Betrug in 27 besonders schweren Fällen lautet jetzt Anklage vor dem Landgericht Landshut.

Freising/Landshut – Laut der von Staatsanwältin Vanessa Fleischer vertretenen Anklage, fasste der damals als Verkäufer in der Firma der Schwiegereltern tätige Angeklagte im Jahr 2012 den Entschluss, potenzielle Geldgeber aus dem Bekanntenkreis für Investitions-Geschäftsideen im Fahrzeug-, Uhren- und Internethandel zu werben. Für deren Geld versprach er hohe Gewinne. So machte er den Bekannten die „Anlagen“ mit verschiedensten Geschichten schmackhaft: Er kaufe in USA VW-Busse und Oldtimer an, um sie in Deutschland weiter zu verkaufen, versprach er. Oder er berichtete von Motorradkäufen in Italien und dem Ankauf eines Schlüter-Traktors. Außerdem täuschte er einen Internethandel mit Autos Modellspielzeugen und Uhren vor. Die Geldgeber kannten die Position des 46-Jährigen in der Freisinger Firma, wähnten sich daher auf der sicheren Seite und ließen sich von den Geschichten blenden: Von Frühjahr 2012 bis Dezember 2013 sammelte der 46-Jährige so von einem Dutzend „Anlegern“ 420 000 Euro ein. An Rückzahlungen flossen nur 50 000 Euro. Der Betrug basierte damit auf dem „Schneeballsystem: Frische Kredite werden für Rückzahlungen verwendet. Den Großteil des Geldes aber hatte der 46-Jährige nicht rückerstattet, sondern für seinen Lebensunterhalt verbraucht.

Bereits im Laufe der Ermittlungen hatte der Angeklagte ein Geständnis geliefert, so dass es auf Initiative von Verteidiger Patrick Schladt zum Prozessauftakt zu Verständigungsgesprächen kam. Letztlich sei dem 46-Jährigen nur bedingter Vorsatz vorzuwerfen: Er habe ja an den Erfolg seiner Geschäftsidee geglaubt.

Staatsanwältin Dr. Fleischer verwies dagegen auf den hohen Gesamtschaden und den langen Tatzeitraum sowie die an den Tag gelegte erhebliche kriminelle Energie. Für sie komme nur eine Freiheitsstrafe mit einer Untergrenze von vier Jahren in Betracht.

Der 46-Jährige erneuerte sein Geständnis vor Gericht. Er beteuerte aber auch, immer gehofft zu haben, alle Darlehen zurückzahlen zu können. In die Bredouille geraten sei er nur, weil er selbst einem Bekannten einen größeren Betrag geliehen und nicht zurückbekommen hatte. Er selbst bedauerte, dass er seine Bekannten geschädigt habe. Es sei nie so geplant gewesen: „Ich war auf Märkten und habe mich informiert, was gerade gut im Handel läuft.“

Den Verdacht von Richter Ralph Reiter, dass sich der 46-Jährige mit dem Geld ein schönes Leben gemacht und eventuell einige Scheine versteckt habe, wies der Angeklagte zurück: „Ich besitze keinen Euro mehr und habe Privatinsolvenz angemeldet.“ Der Prozess wird am Mittwoch mit der Vernehmung der geschädigten Geldgeber fortgesetzt.

Walter Schöttl

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