Kurioser Fall vor Gericht

A92: Motorrad-Testfahrer wurde zum Raser, weil ihm kalt war

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Auf der A92 ist ein Motorrad-Testfahrer mit seiner Maschine rechts und links an Autos vorbei gejagt. Vor Gericht gab der Mann nun einen kuriosen Grund für die Raserei an.

Moosburg – Als Supersportler werden jene Motorräder bezeichnet, die auf maximal sportliches Fahren getrimmt sind und andere Ausstattungsmerkmale wie Komfort kaum berücksichtigen. Eine solche Maschine wollte ein 57-jähriger Testfahrer eines Motorradherstellers am Spätnachmittag des 17. Februar mit nach Hause in den nördlichen Landkreis Freising nehmen. War doch für den folgenden Tag eine Vorführung geplant. Dass seine Fahrt auf der Autobahn A92 bei Freising von der Polizei jedoch gestoppt wurde, lag am halsbrecherischen Fahrstil des Mannes. Für diesen musste sich der 57-Jährige nun vor Gericht verantworten: Hatte er doch Einspruch gegen den ihm zugestellten Strafbefehl eingelegt: Wegen Gefährdung des Straßenverkehrs war er zu einer Geldstrafe über 2400 Euro (60 Tagessätze zu 40 Euro) und zwölf Monaten Führerscheinsperre verdonnert worden.

Seinen Anwalt ließ der Testfahrer ausholen und erklären, über den Winter recht ordentlich an Gewicht zugelegt zu haben. Die Schutzkleidung sei zudem beim Waschen eingelaufen. Als er sich das Motorrad-Dress übergestreift habe, sei die Montur gerissen. Obendrein hätten sich keine Schutzhandschuhe bei seiner Ausrüstung befunden. Der Mandant habe daraufhin beschlossen, ohne Handschuhe, aber dafür mit Riss in der Kleidung zu fahren. „Ein folgenschwerer Fehler“, befand Rechtsanwalt Stefan Götzfried. Das Thermometer habe an jenem Tag gegen 17.45 Uhr -1 Grad Celsius angezeigt. „Bei dem Fahrtwind war das für ihn wie -12 bis -21 Grad“, resümierte der Verteidiger.

Der 57-Jährige fuhr auf der A92, wie es ihm passte

Auf Höhe einer Baustelle vor der Ausfahrt Freising-Süd auf der A92 Richtung Deggendorf fiel der Testfahrer dann einer zivilen Polizeistreife auf. Der 57-Jährige überholte Fahrverbots-verdächtig. Unauffällig folgten die Beamten dem Supersportler. Anscheinend fing der Mann nun aber richtig an zu frieren. Der 57-Jährige fuhr, wie es ihm passte – überholte Autos auf der rechten Seite, kratzte vernehmlich an einem Außenspiegel vorbei.

Für die Polizisten war es nun an der Zeit, die Fahrt zu beenden. Zu gefährlich erschienen ihnen die Manöver des Testfahrers. Das Problem: Mit 199 PS, einer Beschleunigung von 0 auf 100 Stundenkilometer in drei Sekunden, auf 200 in 8,1 Sekunden, wäre die Maschine in Nullkommanichts aus ihrem Blickfeld verschwunden. Zumal Polizisten angehalten sind, Verfolgungsfahrten zu vermeiden, wenn andere Verkehrsteilnehmer zu Schaden kommen könnten.

Also ließen die Beamten das Blaulicht aufleuchten und stellten das Signalhorn an. Auf dem Video, das sie seit der Baustelle aufgezeichnet hatten, war eindeutig zu erkennen, dass sämtliche Autos die Warnzeichen bemerkten. Das Blaulicht reflektierte sich deutlich sichtbar an den Verkehrszeichen. Der Testfahrer aber gab nun erst richtig Gas, schlängelte sich durch den Berufsverkehr, raste über den Standstreifen. Erst bei der Ausfahrt Freising-Ost ging er vom Gas.

Das Blaulicht will er nicht bemerkt haben - doch ein Beweisvideo nährt Zweifel daran

Die Behauptung des Mannes, er habe die Warnzeichen nicht wahrgenommen, ließ sich aufgrund des Videos nicht aufrecht erhalten. Sein Argument, die Polizisten wären im Eifer des Gefechts zu dicht auf das Motorrad aufgefahren, hätten den Mandanten gefährdet, zog ebenfalls nicht.

Anwalt Götzfried beschränkte sich fortan darauf, die Schuld des 57-Jährigen zu relativieren: „Der Mandant fror erbärmlich“, warf der Verteidiger ein. Hoffnungslos unterkühlt habe er bloß noch versucht, die nächste Ausfahrt zu erreichen. „Ich wollte nur nach Hause“, gestand der Testfahrer ein.

Nach Ansicht des Videos folgte der 57-Jährige der Empfehlung Götzfrieds und zog seinen Einspruch gegen den Strafbefehl zurück. Das Gericht hatte ihm klar gemacht, mit 60 Tagessätzen am unteren Rand des Möglichen zu liegen. Würde das Gericht zu einem Urteil gezwungen, hätte sich der Testfahrer wohl auf ein merklich schärfern Richterspruch einstellen müssen.

Rubriklistenbild: © dpa

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