Millionenpoker um Kultkneipe

Droht dem Abseits doch der Abriss?

Freising - Die Lage im „Abseits“ spitzt sich zu. Der Pachtvertrag endet am 31. Dezember. Den Betreibern der Kultkneipe läuft die Zeit davon. Die Bemühungen um einen Erhalt, sprich um einen Kauf, drohen zu scheitern. Es ist von Kalkül die Rede.

Verhandlungsführer und Abseits-Aktivist Norbert Bürger macht aus seiner Enttäuschung keinen Hehl. Nach mehreren Gesprächen mit Klaus Keller, dem Hausverwalter von Eigentümer Graf Guy von Moy, hat er den Eindruck gewonnen, „dass der blufft“. Der Musiker und Kabarettist Bürger vermutet eine „Hinhaltetaktik“. Mehr noch: Er spricht davon, dass von Moys Immobilienfirma „Dach und Fach“ das Grundstück am Herrenweg aufteilen und die Gebäude abreißen lassen will, obwohl zumindest der Dachstuhl denkmalgeschützt sein soll.

Bürger und die Initiative zum Erhalt des Neustifter Traditionslokals haben schon seit längerem einen privaten Investor an der Hand, der das Lokal gerne kaufen und erhalten würde. Kein Wunder, denn, wie jetzt bekannt, wurde handelt es sich einen der beiden Abseits-Wirte: Bürger bestätigt, dass Michael Eggerstorfer die Immobilie zusammen mit seinem Vater kaufen möchte. Die Chancen standen zwischenzeitlich nicht schlecht, wie Norbert Bürger betonte. Jedenfalls habe man seitens „Dach und Fach“ Interesse bekundet. Nur über den Preis sei man sich noch nicht einig gewesen, was Bürger eine Zeit lang für normal empfunden hat. Das Gebot Eggerstorfers von zirka einer Million Euro sei Keller zuletzt aber dann doch zu wenig gewesen, wie Bürger gegenüber dem FT erklärte. Plötzlich sei von einem anderen Interessenten die Rede gewesen, der 1,5 Millionen geboten haben soll. Gleichzeitig habe man aber durchblicken lassen, dass man das Grundstück aufteilen und doch beides – Kneipe und Wohnbebauung – in Einklang bringen könne. „Das hat mich stutzig gemacht, denn bis dahin hieß es, dass das gar nicht geht“, erklärte Norbert Bürger. Ein Architekt könne sich die Sache einmal anschauen und prüfen, ob das geht, habe man ihm beim letzten Gespräch gesagt. Eine Teilung des Grundstücks und zusätzliche Wohnbebauung im direkten Umfeld widerstrebt Eggerstorfer jedoch. „Weil er Ärger mit den neuen Nachbarn befürchtetet", erklärt Bürger.

Ihm komme die ganze Sache inzwischen „komisch vor“, sagt Bürger. Dass bei dem ganzen Hin und Her Kalkül von „Dach und Fach“ dahintersteckt, hält er nicht für ausgeschlossen. Denn ein Abriss und eine Verwertung des Grundstücks würde seiner Meinung nach dem Denkmalschutz widersprechen. „Ich frage mich jetzt, ob das so leicht geht, denn das wäre ja dann wohl illegal“, urteilt der Mitinitiator des Abseits-Chors. Man hat eigens ein Ensemble ins Leben gerufen, eine Reihe von Auftritten hingelegt und mehrere tausend Unterschriften für den Erhalt des Abseits gesammelt.

Alexander Fischer

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