Ein Aufnahmeritual für das neue Ehrenmitglied zelebrierten die Allershausener Pfadfinder nach dem Festgottesdienst auf dem Kirchenvorplatz.

Abschied von Pfarrer Heinz Winkler

Einer, der fehlen wird

Dass Pfarrer Heinz Winkler beliebt ist in Allershausen, das wusste man. Aber bei seiner Verabschiedung zeigte sich deutlich: Dieses Verhältnis zwischen Gemeinde und Geistlichem ist etwas ganz besonderes.

Allershausen – Man hatte den Eindruck, jeder wollte dabei sein. Auf dem kleinen Platz vor der evangelischen Kirche in Oberallershausen wimmelte es nur so vor Menschen. Alle festlich gekleidet, schließlich wollte man Pfarrer Winkler noch einmal Respekt zollen für 30 Jahre Pfarrdienst mit Herz und Seele.

Die Kirche war schon lange vor Gottesdienstbeginn bis auf den letzten Stehplatz gefüllt, und weil man sich das vorher schon gedacht hatte, gab es ein Zelt mit Videoleinwand. Und auch da war bald kein Sitzplatz mehr zu ergattern. „Ich bin überwältigt von diesem Andrang“, sagte Winkler zur Begrüßung. Es sei ein Zeichen der Verbundenheit. Und natürlich fällt da der Abschied nicht leicht. Aber: „Es ist gut, wenn ein Abschied nicht zu traurig wird, deshalb möchte ich sie heute mindestens einmal zum Lachen bringen“, sagte er und hatte damit schon der Leichtigkeit ihren Raum gegeben.

Und wahrlich, es wurde gelacht aus ganzem Herzen. Gelegenheit gab es dazu genug, denn in 30 Jahren hatte man viel gemeinsam erlebt.

Dekan dankt für Liebe und Treue

Tiefe Dankbarkeit und großen Respekt drückte Bürgermeister Rupert Popp aus. Und er gab dem Pfarrer die Aufgabe mit auf den Weg, „seine Enkel richtig zu verziehen.“

Solche Erinnerungen hatte zum Beispiel Dekan Jochen Hauer mitgebracht. Er führte die offizielle Entpflichtung des Pfarrers durch. „Danke für deine Liebe und Treue“, richtete er die Worte an „Bruder Winkler“. Er stellte einmal mehr die besonderen Fähigkeiten Winklers als Pfarrer und Seelsorger heraus – und fragte sich nebenbei schmunzelnd, wie Winkler so oft um eine Beurteilung herumgekommen war. „Ich habe selten eine so dünne Personalakte gesehen“, sagte Hauer lachend.

Weggefährten waren an diesem Sonntag zahlreich erschienen – um sich zu bedanken, um sich zu erinnern, um „Lebe wohl“ zu sagen. Darunter zum Beispiel Pfarrer Markus Krusche, Senior des evangelischen Pfarrkapitals im Dekanat Freising. „Es war schön, dass du da warst“, sagte er und in jedem Wort schwang Zuneigung und Herzlichkeit mit. Besonders an die gemeinsamen Wanderungen erinnere er sich gern. Dass Winkler dabei jeden Stein umgedreht habe, war eine Randnotiz, die viele zum Lachen brachte. Denn der Pfarrer gilt als leidenschaftlicher Sammler von Steinen. „Du warst einer, der da war und der sich gezeigt hat“, sagte Krusche weiter und gestand wehmütig: „Das wird uns abgehen.“

Auch Kirchenvorstand Albert Küspert fiel der Abschied schwer: „Es ist kaum vorstellbar, dass sie nicht mehr da sein werden.“ Schließlich sei Winkler eine Institution und habe die Gemeinde geprägt - mit seiner Art, Gottesdienste zu feiern, mit seinem Humor, mit seiner Weisheit und seinem Engagement für die Kirchengemeinde. Damit er Oberallershausen nicht vergesse, überreichte Küspert einen Glasquader mit der Kirche in 3-D eingraviert.

Überhaupt gab es viele Geschenke – alle mit Herz und Bedacht ausgewählt. Der Kirchen- und der Gospelchor zum Beispiel hatte zwei Rosenstöcke dabei – die eine Sorte hieß „Heinz Winkler“, die andere „Gospel“.

Auf eine ganz besondere Art nahmen die Kinder des Pfarres Abschied von der Gemeinde. Sie ließen ihre Erinnerungen an das Aufwachsen als Pfarrerskinder musikalisch Revue passieren. Humorvoll und mit offensichtlicher Freude an vielen, wunderbaren Momenten sangen sie sich durch die vergangenen 30 Jahre. Dieses herzliche „Danke“ an die Gemeinde traf mitten ins Herz. Es gab das ein oder andere Tränchen und viel Applaus.

Erinnerungen an eine schöne Kindheit im Pfarrhaus teilten die Winkler-Kinder auf charmante Art in einem selbst getexteten Lied.

Die Liste der Redner war lang an diesem Nachmittag, darunter Bürgermeister aus den umliegenden Gemeinden, der stellvertretende Landrat Robert Scholz, Vertreter der Johanniter und viele andere Weggefährten. Er selbst war davon tief berührt, strahlte, umarmte. „Weggefährten“ hatte er auch zum Thema seiner Predigt gemacht. Dabei betonte er immer wieder die starke Verbindung, die er mit den Menschen seiner Gemeinde spüre. Deshalb wünschte er sich für die Zukunft: „Lasst uns Weggefährten sein.“ Claudia Bauer

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