pächter und wirte geben sich klinke in die hand

Das ändert sich in Freisings Gastro-Szene: Von Café Central bis zum Weihenstephaner

Das Wirte-Karussell in Freising nimmt Fahrt auf: Nachdem Günter Wittmann bereits seinen Abschied vom Löwenwirt erklärt hat, macht nun auch der Pächter des Hofbrauhauskellers Schluss. Sein Nachfolger steht bereits fest. Für ein Lokal am Marienplatz bahnt sich ebenfalls eine Entscheidung an – und auch zum Lindenkeller gibt es Neuigkeiten.

Freising – Es war eine wegweisende Entscheidung, die Harald Schrott im November getroffen hat. Der Pächter des Hofbrauhauskellers wollte nicht mehr Zielscheibe politischer Grabenkämpfe sein. Ob „Links“ oder „Rechts“: Wiederholt war er unter Druck gesetzt worden, eingeladene Redner wieder auszuladen. So zog er es schließlich vor, ab 2017 sämtliche Anfragen für politische Veranstaltungen abzulehnen. Sein Fazit: „Ich habe die Nase voll.“ Da war dem 51-Jährigen noch nicht klar, dass er selbst nur noch bis März im Hofbrauhauskeller sein würde.

Hofbrauhauskeller

Jetzt hat Schrott eine Entscheidung getroffen, die für ihn persönlich noch viel bedeutender ist als das Politiker-Embargo vom November. Er wirft beim Hofbrauhauskeller hin – nach gerade mal eineinhalbjähriger Tätigkeit auf dem Lankesberg.

Wie Schrott dem FT mitteilte, haben gesundheitliche Gründe den Ausschlag dafür gegeben. Der 51-Jährige musste schon 2016 wegen schwerer Krankheit mehrere Monate lang beruflich pausieren. Jetzt will er sich erholen, und das geht in seiner jetzigen Rolle nicht. „Als selbstständiger Wirt hast du einfach viele negative Begleitumstände“, sagt er. Der politische Druck, den er im vergangenen Jahr verspürt habe, sei nur einer der Stressfaktoren. „Aber auch diese Geschichte hat dazu geführt, dass ich mich gefragt habe: Ist es das wert?“ Er hat das für sich mit Nein beantwortet. „Ich habe mich für die Lebensqualität entschieden.“ An diesem Sonntag sperrt er zum letzten Mal den Hofbrauhauskeller auf. Dann gönnt er sich eine Auszeit. Kann sein, dass ihn in sechs Monaten oder in einem Jahr wieder der Rappel packt. Dass er wieder zurück will in die Gastronomie. „Jetzt bin ich aber erstmal weg vom Fenster.“ 

Huber-Weiße

Reinhard Wagner hat nicht allzu lange überlegen müssen. Vor Kurzem sei die Brauerei auf ihn zugekommen und habe gefragt, ob er sich vorstellen könne, den Hofbrauhauskeller zu übernehmen, berichtet der gebürtige Österreicher, der gemeinsam mit seiner Frau Christine seit 18 Jahren das Traditionslokal Weißbräu Huber in der Innenstadt betreibt. „Ich habe zugesagt, weil es für mich eine Herzensgeschichte ist.“

Anfang April möchte Reinhard Wagner oben auf dem Lankesberg eröffnen, dann haben er und seine Frau zwei Wirtschaften zu stemmen. Bange ist dem gelernten Koch und Tourismuskaufmann davor nicht. Ganz im Gegenteil: „Ich möchte aus dem Hofbrauhauskeller eine gute Adresse machen.“ Die Küche dort soll sich an der vom Weißbräu orientieren. Gutbürgerliches aus der bayerischen und der österreichischen Küche wird auf der Speisekarte stehen. Hält er an dem Politik-Embargo im Hofbrauhauskeller fest? Wagner lacht. Dann sagt er: „Meine Frau und ich sind als Wirtsleute herrlich unpolitisch.“

Löwenwirt

32 Jahre lang war Günter Wittmann in Freising als Gastronom tätig – zuletzt in der Aktienschänke und jetzt im Löwenwirt. Jetzt steigen Günter und Beate Wittmann aus – nicht als Gastronomen, aber sie verlassen Freising. Auch Wittmann war wie sein Kollege Schrott für einige politische Veranstaltungen kritisiert worden, Doch das ist nicht der Grund, weshalb er jetzt – wie berichtet – die Kegelhalle in Moosburg übernimmt. Der Löwenwirt muss renoviert werden, was dazu führen würde, dass er dort mehrere Monate lang kein Einkommen erzielen könne. Das könne er sich nicht leisten, betont Wittmann. Die Kegelhalle in Moosburg werde er nun bewirtschaften, „weil das Preis-Leistungsverhältnis“ für ihn als Wirt da besser sei. Einen Nachfolger für das Gasthaus zum Löwen gibt es noch nicht, sagt Wittmann – und geht Ende April „mit einem weinenden und einem lachenden Auge“.

„Kleiner Franzose“

„Adieu“ hat auch das „La Petite France“ gesagt. Inhaber Tanguy Doron hat sich nach Miesbach verabschiedet, wo er mit bayerischer Küche einen Neuanfang starten möchte. Doch lange wird das Lokal am Marienplatz, das einem Tochter-Unternehmen der Spaten-Brauerei gehört, wohl nicht leer stehen. Wie der derzeitige Pächter Reinhard Fiedler mitteilt, soll bald eine Entscheidung fallen, wer das Restaurant samt Kellerlokal übernimmt.

Auf die im Januar erfolgte Ausschreibung haben sich laut Fiedler 30 Interessenten gemeldet. „Jetzt haben sich drei Favoriten herausgeschält“, berichtet er. Um wen es sich dabei handelt, will er noch nicht verraten, mit ein paar Details ist er aber schon mal herausgerückt. So handelt es sich bei den drei Favoriten um einen auswärtigen Bewerber und zwei Freisinger. Einen der beiden Einheimischen kenne man gut. „Der würde aber mal etwas ganz Neues probieren.“

Fiedler betont, dass er lediglich eine Empfehlung abgeben werde. „Die Entscheidung trifft die Spaten-Brauerei. Sie schließt den Vertrag direkt mit dem neuen Pächter ab.“ Der wird dann nicht nur Nachfolger des „kleinen Franzosen“, sondern auch von Fiedler und seinen beiden Partnern Andreas Adldinger und Frank Hager. „Wir würden uns dann aus dem Vertrag rausziehen.“ Beim Furtnerbräu und „Schneiders“ will das Trio laut Fiedler aber weiterhin als Pächter fungieren.

Café Central

Verlassen und leer ist auch das Café Central an der Oberen Hauptstraße 24. Peter Sonnauer hat die traditionelle Kaffeehaus-Stätte verkauft. Was derzeit einen tristen und trostlosen Eindruck macht, könnte und dürfte bald wieder mit Leben erfüllt werden. Mit gastronomischem Leben. Die Augustiner-Brauerei aus München soll das Gebäude gekauft haben, will es nun auf Vordermann bringen und als Wirtschaft im Zentrum von Freising weiter betreiben.

Schafhof

Im zweiten Anlauf hat es geklappt. Joaquin von Dehn hat sich bereits im Herbst 2015 für das Café im Schafhof beworben – und inoffiziell auch den Zuschlag erhalten. Doch dann versäumte es der Bezirk, der für das Europäische Künstlerhaus zuständig ist, den bis Ende April 2016 laufenden Vertrag mit dem aktuellen Pächter-Trio rechtzeitig zu kündigen – ein Fehler, der viele Nerven kostete. Denn die Pächter beschlossen, ein weiteres Jahr zu bleiben – zwölf Monate, in denen der Konflikt zwischen ihnen und dem Leiterischen Künstler Eike Berg eskalierte. Am Ende sprach einer der Pächter, Mathias Franck, sogar ein Lokalverbot an Berg aus.

Von Dehn übernimmt die Bewirtung des Schafhofs am 1. Mai. Bis dahin muss der Bezirk noch einen Konflikt mit den aktuellen Pächtern ausfechten. Es geht um die Ablöse für das Inventar des Schafhofs – ein Betrag, der nach Angaben von Franck im mittleren fünfstelligen Bereich liegen soll. Seinen Angaben zufolge ist der Bezirk vertraglich dazu verpflichtet, das Inventar abzulösen.

Weihenstephaner

Nach aufwändiger Sanierung im Jahr 2010 eröffnet, zunächst vom Gastrobetrieb Schottenhamel bewirtschaftet und ab Mai 2012 dann von Harald Schrott übernommen, ist das Weihenstephaner am Dom jetzt eine Event-Location. Nur für spezielle Themenbrunches und Festivitäten wird die Lokalität vom Bräustüberl-Team versorgt. 

Lindenkeller

Das Spekulieren um die Zukunft des Lindenkellers hat ein Ende: Am kommenden Montag soll verkündet werden, wer Nachfolger von Andreas Eckart wird, dessen Pachtvertrag am 31. März endet. Wie Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher dem FT auf Nachfrage mitteilte, will er im Rahmen eines Pressegesprächs am Montagvormittag die Namen des neuen Pächters verraten. Um wen es sich handelt, und wann die Neuen das Lokal aufmachen, wollte er allerdings noch nicht preisgeben. Informationen unserer Zeitung zufolge ist die Entscheidung zwischen drei Bewerbern gefallen. Wie berichtet, befindet sich ein Trio in der Favoritenrollen: der Kranzberger Caterer Klaus Thermer und die Betreiber des Freisinger Parkcafés als Pächter, Michael Kasper soll als Promoter fungieren. 

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