Bereitschaftsdienst wird neu organisiert

Ärztereform im Landkreis Freising von heute auf morgen

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Landkreis - Weil es im nördlichen Landkreis zu wenig Ärzte gibt, ist die Bereitschaftsdienstgruppe Nandlstadt/Zolling zum 1. März aufgelöst worden. Die dort beheimateten Ärzte werden benachbarten Dienstgruppen zugeordnet. Die Reform soll die Betroffenen entlasten – und sorgt doch für Ärger.

Ob nachts oder an Wochenenden, an Ostern oder Weihnachten: Niedergelassene Ärzte sind verpflichtet, Bereitschaftsdienst zu leisten. Um die Belastungen, die zusätzlich zur 50-Stunden-Arbeitswoche entstehen, in erträglichem Rahmen zu halten, sieht es die Bereitschaftsdienstordnung der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) vor, dass eine Dienstgruppe aus mindestens 15 Ärzten bestehen muss.

Davon aber konnten die Hausärzte im Bereich Nandlstadt/Zolling zuletzt nur träumen. Ihre Bereitschaftstruppe bestand gerade mal aus zwölf Teilnehmern. „Die KVB weiß seit mindestens einem Jahr darüber Bescheid, dass wir unterbesetzt sind“, berichtet Dr. Anton Freilinger, der seine Praxis in Au hat. „Aber monatelang ist nichts geschehen.“

Bis jetzt. Wie die KVB mitteilt, wurde der Ärztliche Bereitschaftsdienst im Landkreis Freising zum 1. März neu strukturiert. Die Dienstgruppe Nandlstadt/Zolling ist Geschichte. Die Arztsitze Au, Nandlstadt und Rudelzhausen wurden Mainburg zugeordnet. Haag, Langenbach und Zolling gehören künftig zu Freising/Kranzberg. „Die Ärzte waren unzumutbaren Dienstbelastungen ausgesetzt, sodass sich der Ärztliche Bereitschaftsdienst in der bisherigen Konstellation nicht mehr aufrechterhalten ließ“, heißt es in dem KVB-Schreiben. „Zudem ist für junge Mediziner auch die hohe Frequenz im Bereitschaftsdienst ein schwerwiegendes Argument gegen die Niederlassung in eigener Praxis.“ Das soll sich mit der Reform ändern.

Während die Presse informiert wurde, hat Freilinger von der KVB kein Schreiben zur Neuorganisation erhalten. „Ich habe bisher nur mündlich auf eigene Anfrage hin Andeutungen bekommen“, berichtet er. „Schriftlich bin ich über die Planungen bis heute nicht informiert worden.“ Seine Kritik an der KVB: „Ein ganzes Haus voll hochbezahlter Angestellter ist nicht fähig, innerhalb eines Jahres eine Lösung hinzubekommen. Und wenn es endlich so weit ist, wird es den Ärzten nicht offiziell mitgeteilt. Das ist armselig.“

Immerhin: Für die Ärzte im nördlichen Landkreis bedeutet die Umstrukturierung eine Entlastung. Bisher war im Bereich Nandlstadt/Zolling jede Praxis einmal alle 14 Tage, jeder Arzt einmal pro Monat im Bereitschaftsdienst, sagt Freilinger. „Das wird weniger. Aber dafür müssen die Bereitschaftsärzte künftig längere Fahrzeiten zu Hausbesuchen in Kauf nehmen.“ Seine Befürchtung: Dass man in der Dienstgruppe Mainburg nicht glücklich sein dürfte. Denn dort war man mit rund 20 Ärzten bisher gut versorgt. Jetzt aber müssen diese bis nach Pfettrach fahren.

„Der Radius wird sicher sehr groß“, sagt Dr. Hans Maier, Obmann der dortigen Dienstgruppe. „Aber wir sind gesetzlich dazu verpflichtet, es mitzumachen, und deshalb gibt es da keine Diskussionen.“ Maier ist im Gegensatz zu Freilinger über die Änderungen informiert worden – am 29. Februar. „Ein Tag Vorlaufzeit ist nicht gerade üppig. Aber es wird keine Lücke in der Versorgung geben – auch wenn es mal eine Viertelstunde länger dauern kann, bis der Arzt zum Hausbesuch kommt.“ In dringenden Fällen müsse ohnehin der Notarzt gerufen werden.

Die KVB räumt ein, dass sich künftig weitere Wege für Arzt und Patient ergeben könnten. „Doch die Alternative wären erhebliche Lücken in der Bereitschaftsdienstversorgung gewesen.“

Rubriklistenbild: © dpa

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