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Angekommen im Landkreis ist die AfD bereits: Rund 60 Zuhörer versammelten sich im Löwenwirt. Dort vertrat Bernhard Kranich (stehend, Vize im AfD-Bezirk-Nord) die Ansicht, alle „Blockparteien“ seien unglaubwürdig.

Für Freising und Pfaffenhofen

AfD will einen Kreisverband gründen

Freising - Noch gibt es nur einen „Kreisverband Oberbayern Nord“. Doch die Alternative für Deutschland (AfD) wird demnächst einen „Kreisverband Freising/Pfaffenhofen“ gründen.

Das kündigte am Rande der AfD-Infoveranstaltung zum Thema „Die Asylkrise und der Arbeitsmarkt“ der jetzige Kreisvorsitzende von Oberbayern Nord, Andreas Strixner, an. Dass rund 60 Zuhörer am Freitag in den Löwenwirt gekommen waren, um sich die AfD-Redner anzuhören, zeigt, dass die AfD aber schon vor Gründung des neuen Kreisverbands in Freising angekommen ist. Bernhard Kranich aus Zolling, der stellvertretende Kreisvorsitzende des Bezirks Nord, verkündete eine halbe Stunde lang mit markigen Worten die AfD-These, dass die derzeitige Asylpolitik Deutschland „an den Abgrund geführt“ habe. Kranich sagte im bedauernden Ton, durch die „mehrheitlich von Muslimen ausgeführte Barbarei“ in der Silvesternacht in Köln seien „unsere düstersten Prognosen“ von der Realität übertroffen worden. Es sei Angela Merkels „kaltes, rationales Kalkül, unseren Rechtsstaat ins Chaos zu stürzen - wieso auch immer.“

Die SPD, die Grünen sowieso, die CDU und auch die CSU - für Kranich und die AfD allesamt „Blockparteien“, unglaubwürdig, ohne Konzept und vor allem verantwortlich für die schlimme Lage in Deutschland. Diese Politik, zu der die AfD „die einzige wahre Alternative“ sei, setze sich bis auf die kommunale Ebene fort, so Kranich. Beweis: Für seinen „Heimatbürgermeister“ Max Riegler könnten es ja „gar nicht genug Asylbewerber sein“, die man in Zolling aufnehme.

Das große Aber, wie es Kranich formulierte: Wo soll man all die Flüchtlinge im Landkreis unterbringen, wenn sie erst einmal anerkannt seien? „Für Studenten, Familien und Senioren haben wir keine Wohnungen, für Asylanten dann aber schon?“, fragte Kranich in die Runde der Zuhörer, die ihm immer wieder durch Kommentare und Applaus Recht gaben. Und in Richtung Medien fragte Kranich: „Was soll diese Hetze gegen uns?“ Die AfD sei nicht ausländerfeindlich. Beweis: Strixner sei schon lange in einem Flüchtlingshelferkreis tätig, ein gewisser Willi von der AfD habe sogar eine Frau aus Indien geheiratet, die am Freitag auch anwesend war, und ein Schreiner, der der AfD angehöre, habe ein Entwicklungshilfeprojekt in Ghana ausgebaut. Andererseits sei seine Frau schon einmal im Bus dem Übergriff eines Afghanen ausgesetzt gewesen, so Kranich, und habe nur deswegen - auch auf Anraten der Polizei - keine Strafanzeige gestellt, damit ihr nicht noch Schlimmeres passiere. Er und seine AfD-Kollegen hätten es „satt“, dass deutsche Frauen und Kinder auf den Straßen nicht mehr sicher seien.

Zum eigentlichen Thema des Abends hatte man den AfD-„Fachmann“ eingeladen: Alexander Merz, Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens, stellvertretender AfD-Kreisvorsitzender in Augsburg-Land und stellvertretender Schriftführer des AfD Landesverbandes Bayern. Seine These: Der deutsche Arbeitsmarkt brauche hochqualifizierte Kräfte, die Asylbewerber und Flüchtlinge seien aber zu mindestens zwei Dritteln ohne Bildungs- und Berufsabschluss. Zuwanderung könne also den Mangel an Fachkräften beheben? Da sei man „angelogen“ worden.

Andreas Beschorner

Kommentar von Andreas Beschorner

Immerhin: Stramme deutsche Pünktlichkeit kann man der AfD nicht bescheinigen. Mit fast einer halben Stunde Verspätung begann der Auftritt der Rechtspopulisten am Freitagabend. Ja: Rechtspopulisten. Denn das, was Bernhard Kranich, der Vize-Chef von Oberbayern Nord aus Zolling, vom Stapel ließ, waren genau jene unreflektierten, dumpfen Parolen, die den Hass auf Flüchtlinge, Asylbewerber, Migranten und Asylanten – für die AfD eh alles mehr oder weniger dasselbe – schüren sollen. Dazu noch die Schilderung von dem, was man angeblich am eigenen deutschen AfD-Körper erlebt hat – fertig ist eine doch leicht braune Gesinnungssuppe. Dabei wäre es gut, wenn die strammen AfD’ler lernen würden, dass es „Syrer“ heißt und nicht „Syrier“. Aber das ist für Menschen eher zweitrangig, die sich köstlich über den Versprecher des Referenten amüsieren, der rein versehentlich alle 63,3 Prozent der Flüchtlinge, die dem Islam angehören, als „Islamisten“ und damit als potenzielle Terroristen bezeichnet. Ach, wie lustig? Nein. Spätestens da sollte einem das Lachen vergehen. Und dass es keine Proteste gab? Auch da kann einem das Lachen vergehen.

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