Am Standesamt in Allershausen halten sich die Anfragen für Trauungstermine an einem Samstag in Grenzen.
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Am Standesamt in Allershausen halten sich die Anfragen für Trauungstermine an einem Samstag in Grenzen.

Allershausens 3. Bürgermeister würde gerne Eheschließungsbeamter werden

Allershausen bleibt dabei: Sepp Lerchl scheitert erneut und darf nicht trauen

  • vonNico Bauer
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Sepp Lerchl würde gerne Menschen trauen. Doch mit seinem Engagement hat er zum zweiten Mal einen Korb kassiert. Bürgermeister Vaas „langweilt das Thema“.

Allershausen – Josef Lerchl würde gerne Menschen in den Hafen der Ehe begleiten. Aber er darf nicht – trotz des nun schon zweiten Antrags, den er an die Gemeinschaftsversammlung gestellt hat. Wieder wollte er zum Eheschließungsbeamten bestellt werden. Wieder lehnte das Gremium ab – nach einer extrem kontroversen Debatte denkbar knapp mit 5:5.

In der konstituierenden Sitzung der Gemeinschaftsversammlung hatte Lerchl bereits eine Anfrage gestellt, die mit 4:6 Stimmen abgelehnt worden war. Doch Allershausens 3. Bürgermeister (SPD) wollte sich mit der ersten Ablehnung nicht geschlagen geben und unternahm nun den erneuten Anlauf, um in der kommunalen Legislaturperiode bis 2026 Ehen schließen zu dürfen.

„Das Thema langweilt mich so langsam“, sagte der Allershausener Bürgermeister Martin Vaas genervt. Er betonte, „dass wir zu zweit gut zurechtkommen“. Für Eheschließungen stehen der Bürgermeister selbst und die Leiterin des Standesamts, Martina Lohmeier, zur Verfügung. Insgesamt dürfen im Rathaus vier Personen Ehen schließen, wobei die Geschäftsleitung solche Termine nur sporadisch übernimmt, damit die Zulassung nicht erlischt.

Marcus Klose sagte dann auch, dass diese vier Optionen für Allershausen ausreichend seien. Peter Colombo machte deutlich, dass nicht der Antragsteller auf die eigene Berufung entscheidend sei, sondern eines Zeichens aus der Verwaltung bedürfe. Das Rathauspersonal müsse der Gemeinschaftsversammlung signalisieren, dass es weiteren Bedarf für Standesbeamten zur Eheschließung gebe. Colombo machte deutlich, dass dies für ihn nichts Persönliches sei: „Nichts gegen den Lerchl Sepp, aber ich sehe den Bedarf einfach nicht.“

Das Thema langweilt mich so langsam.

Bürgermeister Martin Vaas

Versöhnliche Worte kamen unterdessen von den Paunzhausener Verbandsräten. Friedrich Boos bemerkte, dass die 150 Euro für den eintägigen Kurs finanziell überschaubar seien und wenn der 3. Bürgermeister Freude an dem Ehrenamt habe, könne man das machen. Birgit Kasper wollte zustimmen, „weil wir sonst jede Sitzung den Antrag haben“. Hier folgte der Konter des Allershausener Vertreters Andreas Glück postwendend: „Das Argument ist ja wohl lächerlich.“

Christian Huber, der als Vertretung von Lerchl in der Gemeinschaftsversammlung saß, fand eine weitere Option nicht schlecht: „Durch Corona könnten wir einen Stau an Eheschließungen bekommen.“ Nach überstandener Pandemie könnten mehr Anfragen kommen und da wäre eine weitere Person für die standesamtlichen Hochzeiten nicht schädlich.

Der Paunzhausener Bürgermeister und Vorsitzende der Gemeinschaftsversammlung, Johann Daniel, erinnerte dran, dass er schon einmal in Allershausen als Ehe-Schließer aushelfen musste. Seinerzeit war Bürgermeister Rupert Popp unterwegs und die damalige Standesbeamtin hatte am gewünschten Samstag auch keine Zeit, sodass Daniel seine Planungen ändern musste und die Aufgabe übernahm. Das im Hinterkopf, sei ein weiterer Standesbeamte aus Allershausen schon nicht schlecht. Daniel plädierte auch für Lerchl und versuchte auf die Nachbarn einzuwirken: „Eine Zustimmung zu dem Antrag würde auch zur Befriedung im Allershausener Gemeinderat beitragen.“

Dies bleibt nun aus: 5:5 Stimmen ist keine Mehrheit. Damit gilt der Antrag als abgelehnt. In den nächsten Wochen wird es interessant zu beobachten sein, ob sich Lerchl nach den Ablehnungen mit 4:6 und 5:5 den Beschlüssen fügt oder einen neuerlichen Anlauf unternimmt.

Bisher kein Ansturm auf die Trauungs-Samstage

Für dieses Jahr hatte die Gemeinde Allershausen beschlossen, in den freundlichen Monaten jeweils einen Samstag für Hochzeiten anzubieten. Die Resonanz war überschaubar, wie in der Gemeinschaftsversammlung der Verwaltungsgemeinschaft von Allershausen und Paunzhausen deutlich wurde. Das Angebot der Hochzeitssamstage galt von April bis Juli. Im Rathaus gingen zwei Buchungen ein, wobei die Standesbeamtin Martina Lohmeier und Bürgermeister Martin Vaas je eine Eheschließung übernahmen. Das war die erste Bilanz des Standesamtes zu dem VG-Beschluss vom Februar. Für 2021 liegen derzeit noch keine Anfragen für Trauungen an einem Samstag vor. Die Verwaltung weist auch darauf hin, dass diese Resonanz aber auch mit Corona zusammenhängen könne. Mit einer größeren Anzahl kurzfristiger Anfragen für Trauungen rechnet niemand, weil Lokalitäten für die Feierlichkeiten auch in der Regel ein Jahr im Voraus gebucht werden.

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