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Gerade auch auf einem Naturland-Hof ist trotz Maschinentechnik vieles Handarbeit. Dafür – und für auf dem Hof produzierte Lebensmittel generell – ist die Wertschätzung nach Ansicht von Ralf Huber zu gering.

FT-Serie „Landwirtschaft und die Pandemie“ (Teil 3)

„Müll ist mehr wert als Lebensmittel“: Landwirt kritisiert Gesellschaft

Öko-Landwirt Ralf Huber sieht die Corona-Krise auch als Chance. Dann sei aber auch die Gesellschaft gefordert. 

Allershausen Auch während der Corona-Krise waren Bio-Produkte gefragt. Eine große Veränderung im Arbeitsauflauf hat der Öko-Landwirt Ralf Huber aus Allershausen mit seinem Naturland-Hof daher nicht bemerkt – außer, dass er aufgrund der Ausgangsbeschränkungen viel mehr Zeit zum Arbeiten gehabt hat. Er sieht in der Krise auch eine Chance für eine Art Rückbesinnung auf alte Werte – und auf mehr Miteinander. Ganz konkret liebäugelt Ralf Huber mit einem Hofladen für regionale Produkte.

Ökologischer Wechsel

Bereits seit den 90er Jahren kümmert sich Huber um sein Öko-Getreide: Auf 180 Hektar wachsen Weizen, Roggen, Dinkel, Mais, Soja und noch zahlreiche andere Getreide-Sorten. Der Vater hat früher noch eine Kälbermast betrieben, nach dem Östrogen-Skandal wollte der Großabnehmer Hipp aus Pfaffenhofen einen ökologischen Wechsel. „Der hat uns zwar dann nach einem Jahr gekündigt, aber wir sind halt dabei geblieben“, erinnert sich Huber in der Rückschau. Der Erfolg war nicht gleich gekommen, aber gerade in den vergangenen Jahren lief es jetzt doch ganz gut.

„Ausgelachte Spinner“ sind heute Mainstream

„Früher“, so der 53-Jährige, „sind wir ausgelacht worden als Spinner, jetzt ist es Mainstream.“ Das Umdenken der Menschen habe mit den Eiern als Top-Produkt veränderter Kaufgewohnheiten begonnen und dringe jetzt langsam auch in andere Bereiche vor. „Lustig“ findet Huber vor allem eines: „Öko gibt es ja eigentlich schon viel länger als das Andere.“ Denn: Schon anno dazumal habe man, wie er jetzt auch, mit Kalk gedüngt anstatt mit allen möglichen synthetischen Mitteln.

Zudem rückt Huber auch gleich eines der gängigen Klischees eines Biobauernhofs zurecht: „Das sind ganz normale Betriebe, da läuft niemand mit Jesus-Klapperl herum.“

Huber träumt von Hofladen mit regionalen Produkten

Auch er selbst achtet beim Einkauf auf regionale und ökologische Produkte, etwas anderes kommt ihm nicht ins Haus. Dabei ärgert ihn die geringe Wertschätzung von Nahrungsmitteln im Allgemeinen: „Müll ist mehr wert als Lebensmittel.“ Seiner Meinung nach sollten auch Milch und Fleisch teurer werden, um eine gute Wertschätzung im Preis abzubilden.

Die Corona-Krise hat den Naturland-Hof von Ralf Huber aus Allershausen vor allem in einem Hinblick tangiert: dass der 53-Jährige noch mehr Zeit zum Arbeiten hatte.

Was Huber gerne erreichen würde: „Etwas gemeinsam auf die Beine zu stellen.“ In einem zentralen Hofladen könnte er sich vorstellen, regionale Produkte anzubieten – auch eigenes Brot backen steht auf seiner Agenda. Dazu würde sich Huber wünschen, eine Bäckerei zu finden, die im größeren Rahmen Produkte anbietet, bei denen regionale Zutaten verwendet werden. Wieder einen Schritt zurückgehen, anstatt immer nur nach vorne.

Auch Firmen wie die Brauerei Weihenstephan in der Pflicht

Huber hat viele gute Ideen, macht sich viele Gedanken. Selbstverständlich wäre für Huber auch, dass Firmen wie Weihenstephan Öko-Gerste aus der Region zum Bierbrauen nutzen würden anstatt billigere importierte Ware. Innovativ zeigt sich Huber aktuell mit dem Anbau-Versuch von THC-freien Hanf zur Samengewinnung, etwa für Müsli-Riegel. Zwar komme „einmal im Jahr die Polizei vorbei“, aber dennoch sieht Huber im Hanf-Anbau eine große Zukunft. Er ist sicher: Der Hanf-Markt wird kommen, wenngleich es für die Ernte, beispielsweise für das Dreschen, noch mehr Erfahrungswerte und spezielle Maschinen bräuchte.

Durch die Corona-Krise deutlich geworden ist für den Bio-Landwirt vor allem die Wichtigkeit des gegenseitigen Helfens und die Rückbesinnung auf gute, ökologische Ware. Denn eines will der 53-Jährige bei dieser Gelegenheit nicht unausgesprochen lassen: „Würden alle, die bei dem Volksbegehren Artenschutz unterschrieben haben, Öko kaufen – dann gäbe es nur noch Öko.“

Richard Lorenz

Lesen Sie auch: Nicht alles läuft ganz rund: Corona bereitet Bauer Georg Schmid Kopfzerbrechen.  „Die Leut’ haben gekauft wie narrisch!“ Gemüsebauer hofft durch Corona auf ein Umdenken. „Instrumentalisieren lassen wir uns nicht!“: Polizeichef appelliert an Bürger.

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