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Blankes Entsetzen bei den Gewerbetreibenden in Allershausen, die sich zu einer Krisensitzung im Hotel Villa Rosa getroffen haben (v. l.): Dieter Raster und Rupert Pichler (Villa Rosa), Josef Hermann (Autohaus Hartl), Heinrich Scheib vom Getränkemarkt sowie Michael Hermann vom Autohaus. 

Vollsperrung der Autobahn-Anschlussstelle Allershausen 

Allershausener Hoteliers klagen: „Das kommt dem nächsten Lockdown gleich“

  • Andrea Beschorner
    vonAndrea Beschorner
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Die Hotel- und Gaststättenbetreiber ächzen noch immer unter den Auswirkungen der Corona-Krise. Und schon kommt in Allershausen der nächste Schlag: Die Autobahn-Anschlussstelle ist in den Sommerferien voll gesperrt. Damit werden die Hoteliers und andere Gewerbetreibende in die nächste Krise geschickt. 

Gertrud Huber vom Hotel Huberhof Allershausen „Jetzt haben wir gerade die Coronakrise halbwegs überwunden, nun trifft uns der nächste Schlag, der uns ohne Vorwarnung präsentiert wird. Warum hat uns die Gemeinde nicht früher informiert? Meine Hoffnung sind jetzt unsere treuen Stammkunden.“

Allershausen – Als Rupert Pichler nach Monaten der Zwangspause endlich die ersten Buchungen entgegennehmen konnte, war er nach langer Zeit wieder zuversichtlich. Zusammen mit seinem Ehemann Dieter Raster führt er das Hotel Villa Rosa in Allershausen. Seit dem Lockdown im März sind die Umsätze um mindestens 60 Prozent eingebrochen, wie Pichler erzählt. Einzig ein paar Monteure, die weiter auf den Baustellen in der Nähe arbeiten durften, seien geblieben. Doch die Freude über das Ende des Lockdowns währte nur kurz. Am Wochenende folgte der nächste Hammer, von dem die beiden per Zufall erfuhren. Pichler ist im Internet auf eine Mitteilung der Autobahndirektion Südbayern gestoßen: Für die Dauer der Sommerferien werde die Autobahnanschluss-Stelle Allershausen komplett gesperrt. Ein Schock.

Vom Corona-Lockdown direkt in den nächsten Ausnahmezustand

Armin Obermeier Wirt vom gleichnamigen Gasthaus „Ich bin verzweifelt: Jetzt hat uns die Pandemie schon einen 30-prozentigen Umsatzverlust gebracht, jetzt ist ein weiterer Einbruch für unsere 13 Angestellten in Kurzarbeit zu erwarten. Die Mehrwertsteuerverringerung ist da geradezu lächerlich und verpufft.“

Für das Hotel Villa Rosa kommt das dem nächsten Lockdown gleich: „Wir hatten von Mitte März bis August 100 Prozent Stornierungen von Reisenden. Wenn ich den Gästen nun mitteile, dass sie 25 Kilometer Umweg für einen Zwischenstopp in unserem Haus fahren müssen, dann werden sie absagen und sich eine Unterkunft direkt an einer Autobahnausfahrt suchen“, befürchtet Rupert Pichler. In dem kleinen Hotel an der Münchner Straße mit zehn Betten übernachten zum einen Urlauber auf der Durchreise. „Wir haben Gäste aus Dänemark, Schweden, Holland, Belgien, die auf ihrer langen Reise bei uns einen Zwischenstopp einlegen.“ Das Klientel macht 50 Prozent der Übernachtungsgäste aus. Die andere Hälfte sind Handwerker aus anderen Bundesländern oder aus dem Ausland, Monteure, die sich wegen der Nähe zur Autobahn in Allershausen einquartieren. „Die Firmen brauchen eine verkehrsgünstige Lage, damit sie schnell auf der Baustelle sind.“ Wenn das nicht mehr gegeben sei, fürchten die Inhaber des Hotels auch hier Stornierungen. „Das wäre der Supergau!“ Die Folge wäre, dass er sein ganzes Personal weiterhin in Kurzarbeit schicken müsste.

Als Rupert Pichler am Sonntag von der Vollsperrung erfuhr, machte er seinem Ärger in einem Facebook-Post Luft: „So geht’s nicht! Wir als Anlieger haben bis heute keinerlei Informationen, wie die Zufahrten geregelt werden. Uns als Hotelbetreiber trifft das mit voller Wucht . . .“ Auch Thomas Scheib, der Inhaber des Hotels an der Glonn in unmittelbarer Nähe der Villa Rosa, unterzeichnete den Post. Die beiden bekamen umgehend Zuspruch – auch von anderen Gewerbetreibenden an der Münchner Straße.

Die Gemeinde Allershausen ist nicht zuständig

Manuel Mück Inhaber der Esso-Tankstelle Allershausen „Ich kann den weiteren Geschäftsverlauf noch nicht abschätzen. Aber es wird einen Umsatzrückgang geben. Die Autobahn ist die Lebensader für Tankstellen sowie den Tourismus. Das Personal muss nun Urlaub abbauen, Zweischichtbetrieb wird auf eine Schicht umgestellt.“

Einer, der einen Kommentar dazu schreibt, ist Michael Promberger, Leiter des Technischen Bauamts im Rathaus: „Bitte richtet Eure Anfragen nicht an die Gemeinde, die weder mit der Maßnahme noch mit der Staatsstraße und Autobahnausfahrt etwas zu tun hat“, so Promberger. Zuständig sei die Autobahndirektion Südbayern. Das unterstreicht auch Allershausens Bürgermeister Martin Vaas. „Wir haben keinerlei Einfluss auf die Planungen an der Bundesautobahn.“ Auf Nachfrage bei der Autobahndirektion Südbayern teilte diese jedoch mit, dass für die Prüfung und Festlegung der Umleitungsstrecke, also auch der Prüfung, ob für die Zeit der Sperrung die Behelfsausfahrt genutzt werden könne, das Staatliche Bauamt Freising zuständig sei. „Vieles, was wir an der Anschluss-Stelle der  A 9 durchführen, machen wir im Auftrag des Staatlichen Bauamts Freising“, sagt Katharina Holzapfel von der Autobahndirektion. Zudem handele es sich um eine Umleitung auf der Staatsstraße: Die Strecke lege auch deshalb das Staatliche Bauamt Freising fest.

Schlechte Nachrichten vom Staatlichen Bauamt Freising

Lars Rau Wirt der Schloßstube Allershausen „Wir leben vom Tourismus. Ich fühle mich von der Gemeinde im Stich gelassen, werde mich wohl neu aufstellen müssen. Wie soll man ohne Gäste die Ausgangssperre und den Einkommensverlust ausgleichen. Ein harter Brocken, auch für meine Angestellten.“

Dort nachgefragt, gab es keine gute Nachrichten für die Betroffenen: „Uns ist bewusst, dass die Umleitungsstrecke relativ lang ist – wir haben alles geprüft, eine andere Möglichkeit gibt es nicht“, erklärt Eva Hopfenspirger im Staatlichen Bauamt Freising, zuständig für die Verwaltung und den Unterhalt von Bundes- und Staatsstraßen. Da es sich doch um relativ viele unterschiedliche Maßnahmen handele (siehe Kasten rechts), sei ein Zeitfenster von sechs Wochen ohnehin sehr ambitioniert. Die Behelfsausfahrt, wie sie von Seiten der Gewerbetreibenden ins Gespräch gebracht wurde, sei nicht für eine überörtliche Umleitung ausgelegt. Zudem würde man damit der Seitenstreifenfreigabe in die Quere kommen. Bei allen Abstrichen, die die Betroffenen in Allershausen jetzt machen müssen, betont Hopfenspirger: „Die Sicherheit geht vor.“ Und genau deshalb sei auch eine einseitige Sperre der Ausfahrt nicht möglich, weil sonst die Sicherheit der Arbeiter nicht mehr gewährleistet werden könne. „Wir haben wirklich versucht, die bestmögliche Lösung zu finden – eine bessere gibt es leider nicht“, bedauert Eva Hopfenspirger. Alle Beteiligten seien aber bemüht, die Bauzeit so gering wie möglich zu halten.

Die Kritik von Rupert Pichler indes bleibt: „Wieso hat man uns nicht frühzeitig eingebunden? Wieso werden wir vor vollendete Tatsachen gestellt?“ Er will das alles nicht sang- und klanglos hinnehmen. „Wir sind Geschäftsleute, wir sind auf diese Autobahnauffahrt angewiesen. Wir wollen wenigstens gehört werden!“

Deshalb ist die Anschlussstelle Allershausen für sechs Wochen gesperrt

Die Anschlussstelle Allershausen wird ab Freitag, 24. Juli, 20 Uhr, in beiden Fahrtrichtungen für zirka sechs Wochen für den Verkehr voll gesperrt. Ebenso ist in der Zeit die Staatsstraße 2054 im Bereich der Anschluss-Stelle Allershausen in beiden Fahrtrichtungen nicht befahrbar. Der Grund ist der Komplettumbau der Anschluss-Stelle Allershausen sowie die Fertigstellung der neuen Brücke und der damit verbundene Rückbau der Behelfsbrücke. Im Kreisverkehr in Oberallershausen (Gewerbegebiet Kammerberg), der an die Anschluss-Stelle Allershausen anschließt, stehen die Abfahrten zur Dorfstraße sowie zur Albert-Schweizer-Straße während der Sperrung weiterhin zur Verfügung.

Schlechter Zustand der Brücke und Rechtsabbiegerspur

Wegen des schlechten Erhaltungszustands der Brücke und der damit nicht mehr gegebenen, dauerhaften Verkehrssicherheit wird an der Anschluss-Stelle Allershausen die Brücke der St 2054 über die A9 durch einen Neubau ersetzt. Im Zuge des Brückenneubaus erfolgt auch ein Komplettumbau der Anschlussstelle Allershausen. Zur Harmonisierung des auf die A 9 auffahrenden bzw. des von der A 9 abfahrenden Verkehrs wird unter anderem eine Rechtsabbiegerspur von der St 2054 auf die A 9 in Fahrtrichtung München gebaut sowie eine Ampelanlage installiert. Die Gemeinde Allershausen nutzt die Vollsperrung ebenfalls und erneuert in diesem Bereich die Wasserleitungen. Die Baumaßnahmen an der Autobahnbrücke sowie an der Anschlussstelle werden voraussichtlich Ende September 2020 vollständig abgeschlossen sein. Laut Autobahndirektion Südbayern ist eine Vollsperrung unumgänglich. Die Arbeiten und den Zeitraum der Vollsperrung habe man bewusst auf die Sommerferien gelegt, da hier mit einem geringeren Verkehrsaufkommen zu rechnen sei. Details zu den weiträumigen Umleitungsstrecken finden sich unter: www.abdsb.bayern.de/imperia/md/content/stbv/abdsb/aktuelles/pm/2_pm20_42.pdf.

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