Drei Frauen am Tisch
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Studien angefordert, mit Experten gesprochen, Wissen generiert: Jennifer Reinhard und Tanja Göbel-Nowak (v. l.) aus Allershausen wissen, wovon sie sprechen, wenn sie sagen: Luftfiltergeräte sind ein unverzichtbarer Baustein im Kampf gegen die Pandemie.

Klare Worte Im Tagblatt-Gespräch: Lüften allein reicht einfach nicht aus

Allershausener Mütter fordern: Luftfiltergeräte anschaffen - und zwar jetzt!

  • Andrea Beschorner
    VonAndrea Beschorner
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Zwei Mütter aus Allershausen haben sich monatelang intensiv informiert. Fazit und Forderung: Luftfiltergeräte müssen her, und zwar so schnell wie möglich.

Allershausen - Aus der Sorge um die Gesundheit der Kinder ist der Wunsch nach zusätzlichen Schutz in Schulen und Kitas vor Ansteckung mit Corona-Viren während der Pandemie immer mehr gewachsen. Mittlerweile stellen zwei Mütter aus Allershausen stellvertretend für viele Eltern die konkrete Forderung an die Verantwortlichen, tätig zu werden. Für sie ist klar: Das alleinige Lüften reicht nicht aus. Luftfilter für alle Einrichtungen müssen her. Und zwar schnell.

„Die Sachlage ist so klar, klarer könnte sie nicht sein. Wir verstehen nicht, warum nicht endlich gehandelt wird.“ Jennifer Reinhard und Tanja Göbel- Nowak aus Allershausen sind ratlos. Wieso der Landkreis Freising nicht längst Luftfiltergeräte für alle Schulen angeschafft hat, können die beiden nicht nachvollziehen. Und auch nicht, wieso nicht alle Schulleiter mit der Forderung an die Sachaufwandsträger herantreten – eben den Landkreis Freising oder aber, bei Grundschulen, die Gemeinden. Die beiden Frauen stellen die Forderung nach Luftfiltergeräten jedoch nicht, ohne sich davor umfassend informiert zu haben. Nicht ohne das fundierte Wissen, „dass Luftfilter ein wichtiger und unumgänglicher Baustein für den Schutz unserer Kinder sind“.

Nach monatelangen Recherchen eine Expertin in der Sache

„Jennifer Reinhard ist mittlerweile eine Expertin auf dem Gebiet der Luftfiltergeräte. Das, was sie sich an Wissen angeeignet und an Expertenmeinungen eingeholt hat, haben im Landkreis sicher nicht viele“, sagt Tanja Göbel-Nowak über die Mitstreiterin.

Es war Ende 2020, mitten im zweiten Lockdown, als Jennifer Reinhard angefangen hat, Kontakt zu Professoren aufzunehmen. „Ich habe mir Studien schicken lassen, mich eingelesen, Kontakt zu verschiedenen Elterninitiativen hergestellt.“ Dabei hatte sie immer zwei Dinge vor Augen: Was kann man tun, um die Gesundheit der Kinder bestmöglich zu schützen? Und: Wie können Schulschließungen verhindert werden?

Der Gesundheitsschutz für die Kinder auf diesem Weg stehe schon deshalb an erster Stelle, „weil es für unter Zwölfjährige keinen zugelassenen Impfstoff und für Kinder zwischen zwölf und 17 Jahren keine Empfehlung der STIKO gibt“, sagt sie. Durch die aktuellen Hygienevorschriften an Schulen seien weder Kinder noch Lehrer bestmöglich geschützt. Und: Sobald die meisten Erwachsenen irgendwann geimpft seien, wären die Jüngsten die einzig verbleibende Zielscheibe des Virus, zitiert Reinhard einen Epidemiologen.

Fazit aller Recherchen: Lüften reicht nicht aus

In ihren umfassenden Recherchen sind die beiden Frauen aus Allershausen immer wieder zum selben Schluss gekommen: Das alleinige Lüften, das ständig amtlicherseits als ausreichend propagiert wird, reicht nicht aus, da der Begriff Lüften aufgrund vieler nicht kalkulierbarer Einflussgrößen nicht definierbar ist. „Natürlich ist es ein wichtiger Baustein. Aber wenn ich mich heute ans Steuer meines Autos setze, sage ich auch nicht, der Gurt reicht aus, auf einen Airbag verzichte ich, den brauch ich nicht“, verdeutlicht Tanja Göbel-Nowak, wie wichtig mehrere Bausteine sind. „Konkret sind das Lüften, Luftfiltergeräte und – ebenfalls sehr wichtig – Plexiglastrennwände.“

Ein weiterer Vorteil – gerade in der kalten Jahreszeit: Wenn mobile Luftfilter in den Klassenzimmern eingesetzt werden, müsse man nur noch zur Frischluftzufuhr und damit zur Reduzierung des CO2-Gehalts lüften. Das Virus werde durch den Luftfilter herausgefiltert. Wieso das Lüften als alleiniger Heilsbringer gehandelt wird, verstehen die beiden ohnehin nicht. „Es ist Fakt, dass kein Luftaustausch stattfindet, wenn zwischen innen und außen nur ein geringer Temperaturunterschied und zudem Windstille herrschen – die Viren verbleiben dann, trotz geöffneter Fenster, im Raum.“ Auch das hat sich Reinhard von Experten bestätigen lassen, legt dem FT im Gespräch die entsprechenden Studien vor.

Mehrere Studien belegen Wirksamkeit von Luftfiltergeräten

Die Wirksamkeit von Luftfiltergeräten sei in mehreren Studien belegt, wie etwa in jener von Prof. Dr. Christian Kähler von der Bundeswehruniversität München, mit dem Jennifer Reinhard in engem Austausch steht. Und auch Prof. Dr. Joachim Curtius von der Goetheuniversität in Frankfurt habe die Wirksamkeit in einer Studie nachgewiesen.

Mit dem Umweltbundesamt stehen die beiden ebenfalls in Kontakt, haben hier die Lüftungssituation eines Freisinger Gymnasiums anhand eines Fotos der geöffneten Fenster überprüfen lassen. Im Ergebnis ist das Amt zu dem Schluss gekommen, „dass diese Art der Lüftung hier nicht ausreichend ist“.

Das Fazit der Frauen: „Nicht wie die Stadt Freising in einem Zeitungsartikel behauptet, die mobilen Luftfilter bieten Scheinsicherheit, sondern das Lüften tut das.“ Mit ihrem Wissen ist Jennifer Reinhard sowohl an den Landrat als auch an die Stadt Freising herangetreten. Sogar Angebote habe sie bei Fachfirmen eingeholt, die belegen, dass die Wartungskosten in Höhe von 1000 Euro pro Gerät, wie sie seitens des Landratsamts als Gegenargument genannt wurden, „einfach nicht richtig sind“.

Frust angesichts der Ignoranz der Verantwortlichen

Reinhard und Göbel-Nowak hätten sich gewünscht, mit so viel Wissen, so vielen wertvollen Informationen, die sie vorlegen können – und das auch getan haben – auf mehr Interesse seitens der Verantwortlichen zu stoßen. Stattdessen aber habe die eine Seite sich immer auf die andere herausgeredet. Die Kinder der beiden Frauen besuchen eine Freisinger Schule. Die Schulleiterin habe die Zuständigkeit auf die Sachaufwandsträger geschoben, von deren Seite habe man aber gehört, dass die Schulleiter sich geschlossen gegen solche Luftfiltergeräte ausgesprochen hätten – weil zu laut, zu wartungsintensiv und und und.

„Umfragen bei den Eltern hingegen sagen, dass 96 Prozent der Eltern an unserer Schule für Luftfiltergeräte sind“, bekräftigt Tanja Göbel-Nowak, die zudem beklagt, dass auch die Schülerinnen und Schüler ob dieser Ignoranz seitens der Verantwortlichen frustriert seien. „Die verstehen das schon als Signal, nicht wichtig genug zu sein, um für sie Geld auszugeben.“ Und die Eltern stünden fassungslos vor der Tatsache, dass die Gesundheit der Kinder im Landkreis Erding offenbar mehr wert sei als im Landkreis Freising, wie Tanja Göbel-Nowak betont. Der Nachbarlandkreis habe nämlich bereits alle Schulen mit solchen Geräten ausgestattet.

Hoffen , dass doch noch etwas passiert

Nun hoffen die beiden, dass die Erkenntnis noch rechtzeitig eintritt, nicht ohne Luftfiltergeräte ins neue Schuljahr starten zu können. „Die Sommerferien stehen vor der Tür, und der Landkreis Freising wäre, falls der Beschluss doch noch fallen sollte, nicht der einzige, der Geräte bestellt.“ Dass das viel Geld kostet, ist den beiden bewusst. „Aber wir stecken mitten in einer Pandemie, dann müssen wir eben andere Dinge hinten anstellen. – Es geht um die Gesundheit unserer Kinder.“

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