Im Gespräch mit Pfarrer Hermann Schlicker – „Es geht nur mit vereinten Kräften“

Allershausens Pfarrer: Durchhalten ist das Gebot der Stunde

  • Andreas Beschorner
    vonAndreas Beschorner
    schließen

Allerheiligen wird still. Gräbersegnungen sind abgesagt. Aber nicht nur am 1. November spüren die Seelsorger die Einschränkungen durch die Pandemie. Ein Pfarrer erzählt.

Allershausen – Das Allerheiligen des Jahres 2020 wird nicht sein wie in all den Jahren zuvor. Aber nicht nur dieses Hochfest leidet unter der Corona-Pandemie, nicht nur am 1. November spüren die Gläubigen die Folgen der Regelungen, zu denen Covid-19 zwingt. Das Freisinger Tagblatt hat bei Pfarrer Hermann Schlicker, dem Leiter des Pfarrverbands Allershausen-Kirchdorf-Hohenkammer, nachgefragt. Wie lebt und wirkt es sich als Seelsorger in diesen Zeiten? Und was ist sein Appell an die Menschen?

Allerheiligen ist der Tag, an dem den Verstorbenen gedacht wird. Wegen Corona bleibt es heuer am 1. November still auf den Friedhöfen.

Allerheiligen ist für viele Menschen ein wichtiger Tag. Wie wird die Gräbersegnung in Ihrem Pfarrverband ablaufen, Herr Pfarrer Schlicker? Wie wird die Zusammenkunft vieler Menschen verhindert?

Bereits Mitte September haben wir, vor allem der Pfarrverbandsrat, aber auch die einzelnen Pfarrgemeinderäte sich die Köpfe darüber zerbrochen, wie wir das Thema „Gräbersegnung an Allerheiligen und Allerseelen“ am vernünftigsten angehen. Letztendlich hat dann das Pastoralteam den Entschluss gefasst, dass wir vor allem auf die Eigenverantwortlichkeit der Friedhofsbesucher setzen, dass wir Maskenpflicht vorschreiben, dass auf allen Filialkirchenfriedhöfen eine Kurzandacht im Freien stattfinden soll, dass auf den Pfarrkirchenfriedhöfen die Gräbersegnung erst am Allerseelenabend platziert wird, und, und, und …

„Die Hoffnung nie aufgeben“: So lautet Pfarrer Schlickers Appell. 

Der „Lockdown light“ gilt eigentlich ab 2. November. Gibt das Ihrer Entscheidung Recht, die Friedhofsumgänge mit so vielen Menschen abzusagen?

Mit Erreichen der 100-er-Marke der Inzidenzrate stand für mich der Entschluss fest, die vom Pfarrverband organisierten Zusammenkünfte von Menschenansammlungen abzusagen. Die Veranstaltungen auf den Pfarrkirchenfriedhöfen waren ja ohnehin erst für den 2. November angesagt, wären also bereits in den Lockdown light gefallen.

Haben Sie persönlich Verständnis für die strengen Regelungen?

Diese Frage beantworten die steigenden Infektionszahlen. Ich selber halte mich strikt an die Regelungen und erwarte dies auch von den Menschen um mich herum.

Gottesdienste dürfen nach bestimmten Vorgaben noch abgehalten werden. Wie läuft das in Ihrem Pfarrverband?

Den Umständen entsprechend gut: Wir haben die Gottesdienstangebote am Sonntag aufgrund der günstigen Umstände erweitern können, sodass sich die Besucherzahlen entzerren. Wir sind nach wie vor fleißig dabei, die Gottesdienstteilnehmer zu registrieren. Wir wünschen uns, dass sich alle, die einen Gottesdienst besuchen möchten, im Laufe der Woche zuvor in den Pfarrbüros telefonisch oder per E-Mail anmelden. Wir desinfizieren die Bänke nach jedem Gottesdienst, achten auf das Tragen des MNS und haben seit Kurzem den Gemeindegesang eingestellt. Wer dafür kein Verständnis aufbringen kann, hat die Möglichkeit, Gottesdienste in den verschiedensten Medien mitzufeiern. Das ist sicher alles nicht toll, doch: Besondere Zeiten erfordern besonderes Verhalten.

Briefe, E-Mails und Telefonate sind wohlgemeinte Ansätze, doch können sie einen persönlichen Besuch nicht ersetzen.

Pfarrer Hermann Schlicker

Verstehen Sie die Kritik und das Unverständnis darüber, dass viele andere Dinge verboten, Gottesdienste aber weiterhin erlaubt sind?

Ich verstehe in diesem Zusammenhang die Kritik aus der Ecke der Gastronomie und Hotellerie sehr gut. Sie sind genau diejenigen, die in den letzten Monaten in Richtung Hygieneschutzmaßnahmen mitunter sehr viel getan haben. Dass die Regelungen jetzt sie besonders treffen, bedauere ich außerordentlich.

Seelsorge basiert auf persönlicher Begegnung. Das war schwierig und wird jetzt wieder schwierig. Wie haben Sie sich auf diese Situation eingestellt?

Das ist und bleibt schwierig: Briefe, E-Mails und Telefonate sind zwar wohlgemeinte Ansätze, doch können sie einen persönlichen Besuch nicht ersetzen.

Wie sind die Reaktionen der Gläubigen auf all das, was wegen Corona derzeit nicht möglich ist?

Die meisten Gläubigen sind sehr verständnisvoll. Am Anfang der Pandemie hätte mich der Eine oder Andere aber schon zum Ungehorsam anstiften wollen. Das war, als es hieß, dass wir überhaupt keine Gottesdienste mehr feiern dürfen.

Wie schützen Sie sich selbst vor einer Infektion?

Ich halte mich an die vorgegebenen Maßnahmen, nicht nur zum Schutz meiner selbst, sondern zum Schutz derer, denen ich begegne.

Welchen Appell haben Sie als Geistlicher an die Menschen, dass in dieser schweren Zeit die Gesellschaft nicht gespalten wird? Was ist aus Ihrer Sicht das – christliche – Gebot der Stunde?

Durchhalten, sich an die Vorgaben halten, hoffen, dass wir aus dem Schlamassel bald herauskommen. Die Hoffnung nie aufgeben! Persönlich halte ich mir immer meine Eltern und Großeltern, die zum Teil nicht nur einen, sondern zwei Weltkriege erlebt und erlitten haben, vor Augen. Covid-19 ist zwar schlimm, aber ein Krieg wäre schlimmer! Der Weg heraus aus dieser Geißel der Menschheit geht nur mit vereinten Kräften. Christliches Handeln heißt für mich: Gemeinsam gegen die Widerstände arbeiten.

Lesen Sie auch: In Freising ist der Grippe-Impfstoff ausgegangen. Die Ärzte warten auf Nachschub.

Rubriklistenbild: © epd

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare