Zwei Häuser im Rohbau mit Gerüst, dahinter steht ein Kran.
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Wann im Eggenberger Feld Süd in Allershausen auch endlich gebaut werden kann, steht noch in den Sternen. Der Bürgermeister hat eine vorsichtige Prognose gewagt.

Eggenberger Feld Süd: Gründe für die Verzögerung

Einheimischenmodell Allershausen: Bewerber drängen auf Infos - „Es geht um so viel Geld“

  • Andrea Beschorner
    vonAndrea Beschorner
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Wieso geht im Allershausener Neubaugebiet „Eggenberger Feld Süd“ nichts vorwärts. Seit Monaten warten die Bewerber auf die Vergabe der Grundstücke. Jetzt tut sich was.

Allershausen – 81 Bauparzellen umfasst das Baugebiet Eggenberger Feld Süd in Allershausen. Die Erschließungsarbeiten sind abgeschlossen. Und dennoch herrscht hier Stillstand. Obwohl der Bedarf riesig ist. Obwohl dutzende Menschen auf glühenden Kohlen sitzen: nämlich diejenigen, die sich für ein Grundstück im Einheimischenmodell beworben haben. Einige von ihnen haben sich ans FT gewandt, um ihre Not zu schildern. „Es geht um so viel Geld“, sagt etwa eine Betroffene. Eine Bitte schicken sie alle dem Gespräch mit dem FT voraus: Sie möchten anonym bleiben: „Wir wollen hier keinem etwas Böses unterstellen, aber wir hätten einfach kein gutes Gefühl dabei, wenn wir hier öffentlich die Gemeinde kritisieren, von der wir ja abhängig sind, von der wir ein vergünstigtes Grundstück zugeteilt bekommen wollen.“

Das sind Zuschüsse in Höhe eines Jahreseinkommens, die einem da durch die Lappen gehen.

Ein Allershausener, der auf der Liste der Einheimischenmodell-Bewerber steht

Viele der Bewerber haben im Jahr 2015 bei der von der Gemeinde initiierten Bedarfsanalyse erstmals Interesse an einem Grundstück im Einheimischenmodell bekundet. Eine Familie ist damals gleichzeitig an einem Grundstück auf dem freien Markt dran. „350 Euro hätte da damals der Quadratmeter gekostet“, erinnert sich die Mutter. Viel Geld. Und deshalb entscheiden sie sich damals dagegen, wollen lieber auf eine günstigere Bauparzelle im Einheimischenmodell warten. Dass mehr als fünf Jahre ins Land ziehen werden, damit rechnet die junge Familie damals nicht. „Wenn wir jetzt Glück haben und den Zuschlag für ein Grundstück bekommen, zahlen wir um die 450 Euro pro Quadratmeter – das ist schon sehr ärgerlich.“ Sie bereuen es sehr, damals nicht auf dem freien Markt „zugeschlagen“ zu haben.

Vergabe der Flächen im Frühsommer anvisiert

In der Bürgerversammlung 2019 sagte der damalige Bürgermeister Rupert Popp, dass im Frühsommer 2020 die Grundstücke vergeben werden könnten. „Wir hatten wieder Hoffnung, dass wir so zumindest diverse Fördermöglichkeiten wie Baukindergeld, Baukindergeld Plus, Eigenheimzulage und auch die aktuell geltende Mehrwertsteuersenkung in Anspruch nehmen können“, erzählt die Bewerberin. Doch der Termin verstreicht, ebenso demnächst die Fristen für die Zuschussprogramme, von denen zum Jahresende hin einige auslaufen. „Das sind Zuschüsse in Höhe eines Jahreseinkommens, die einem da durch die Lappen gehen“, sagt einer der Bewerber frustriert. „Das muss man sich erst mal leisten können.“

Welchen Vorwurf sie der Gemeinde konkret machen? „Der Punkt, der so viele Menschen interessiert, wird im Gemeinderat nie öffentlich diskutiert, man bekommt einfach nichts mit“, kritisieren die Bewerber. Die Tatsache, dass sich eine Erbengemeinschaft nicht einigen kann, habe man freilich gehört. „Aber trotzdem könnte uns die Gemeinde ja mal sagen, ob wir noch im Rennen sind, oder ob es eher schlecht aussieht“, finden alle. Denn dann, so sagt einer der Bewerber, hätte man sich schon lange nach einem anderen Grundstück umsehen können. „Zeit ist hier tatsächlich Geld – die Grundstückspreise steigen und steigen.“

Genau an diesem Punkt hängen die Zukunftspläne der Familie eines weiteren Bewerbers. „Wenn wir kein Grundstück im Einheimischenmodell bekommen, müssen wir uns ganz woanders etwas suchen – irgendwo, wo man sich noch ein Grundstück leisten kann. Und das wird dann sicher nicht im überteuerten Landkreis Freising sein.“ Sollte es so kommen, würde das wichtige Pläne der Familie durchkreuzen. Denn eigentlich wollte die junge Mutter wieder anfangen zu arbeiten – was nur möglich ist, weil die Großeltern am Ort leben. „Wenn wir wegziehen müssen, hat sich das erledigt. Und wenn nicht beide Elternteile arbeiten, wird es wohl auch nichts mit einem Eigenheim“, beschreibt der Familienvater das Dilemma.

Weil sie bis zur Vergabe der Grundstücke so viel Geld wie möglich sparen wollten, ist eine weitere Familie in eine relativ kleine Mietwohnung gezogen. „Wir sind zu fünft, es war wirklich als Übergangslösung gedacht.“ Diese Übergangslösung dauert nun schon einige Jahre an. Ein Kritikpunkt sei auch, dass die Gemeinde Allershausen nie kommuniziert habe, wie viele Grundstücke im Einheimischenmodell zur Verfügung stehen. „Wir wissen, dass wir um die 100 Mitbewerber haben. Nicht zu wissen, wie viele Grundstücke es eigentlich gibt, macht die Zitterpartie noch größer.“

Martin Vaas: „Uns waren die Hände gebunden.“

Bürgermeister Vaas (FW) hat gute Nachrichten

„Ich kann verstehen, dass die Menschen ungeduldig sind. Aber uns sind die Hände gebunden“, betont Bürgermeister Martin Vaas auf FT-Nachfrage. Dennoch hat er gute Nachrichten für einen Teil der Bewerber. „Allen, die die Kriterien nicht erfüllen und die bereits aus dem Rennen sind, haben wir vor einigen Wochen abgesagt.“ Sprich: Wer bist dato nichts gehört hat, hat noch immer die Chance auf ein Grundstück. Und in der Sitzung am Dienstag steht das Eggenberger Feld Süd mit einer Bebauungsplanänderung auf der Tagesordnung: So will man 30 Reihenhaus-Parzellen in den Plan aufnehmen, die ebenfalls im Einheimischenmodell zur Verfügung stehen sollen. Somit hätte die Kommune 20 Bauparzellen für Einfamilienhäuser und eben 30 Reihenhausparzellen zu vergeben. „Mit diesen geänderten Plänen würden dann insgesamt 50 Bewerber zum Zug kommen.“ Aktuell liegen – nachdem man bereits 32 Kandidaten abgesagt hat – noch 66 Bewerbungen vor. „Ob alle 66 nach wie vor an ihrem Antrag festhalten, wissen wir nicht“, sagt Bürgermeister Martin Vaas. Aber im schlimmsten Fall müsste man nach dem aktuellen Stand der Dinge 16 Bewerbern absagen. Hätte die Gemeinde sich nicht für die Reihenhauslösung entschieden, wären insgesamt lediglich nur 28 Grundstücke zur Verfügung gestanden.

Die Gemeinde Allershausen wird keine Grundstücke auf dem freien Markt verkaufen, sondern alles, was im Einheimischenmodell weitergegeben werden kann, auch weitergeben.

Bürgermeister Martin Vaas

Aber wieso hat die Gemeinde keine Wasserstandsmeldungen an die Kandidaten herausgegeben? Und wieso kam es letztlich zu diesen monatelangen Verzögerungen? Grundsätzlich, so Vaas, hätte man mit der Vergabe der Grundstücke schon viel früher beginnen wollen, hätte dies noch passieren sollen, als sein Vorgänger Rupert Popp noch im Amt war. Aber erst waren es die Grundstücksverhandlungen, die einem Abschluss im Weg standen. Im Februar 2020 sei nun diese Erbgeschichte dazugekommen. „Und da waren uns die Hände gebunden.“ Denn im vorgeschriebenen Prozedere könne kein Schritt übersprungen werden: Grundstückseigentümer, die ihre Flächen in so ein Baugebiet einlegen, müssen, sobald die Umfangsgrenzen festgelegt sind, bestätigen, dass sie damit einverstanden sind. Weil man aber innerhalb der Erbengemeinschaft, hinter der eine Vielzahl von Personen steht, nicht wusste, wem welches Grundstück gehört, und das Ganze vor Gericht ging, war damit das Verfahren zunächst eingefroren. Zwischenzeitlich ist man aber, so Martin Vaas, so weit, dass die Umlagepläne fertig und an die Einlieger – also die Grundstückseigner – verschickt worden sind. Diese müssen bis Dienstag zugesagt haben. Im gesamten Gebiet sind es acht Eigentümer – darunter die Gemeinde und die Erbengemeinschaft – die sich in allen Schritten einig werden müssen. „Das ist schon eine Hausnummer“, sagt Vaas.

Nun läuft bis Ende Dezember die vierwöchige Einspruchsfrist. „Sollten diese vier Wochen ohne Einspruch verstreichen, könnten wir Anfang Januar die Flächen ins Grundbuch eintragen lassen und – so Gott will – Ende Januar zur Vergabe schreiten.“

Was Martin Vaas den Bewerbern noch versichern will: „Die Gemeinde wird keine Grundstücke auf dem freien Markt verkaufen, sondern alles, was im Einheimischenmodell weitergegeben werden kann, auch weitergeben.“ Nur die Fläche, auf der der Kindergarten entstehen soll, steht den Einheimischen nicht zur Verfügung.

Den Ärger, weil die Menschen so lange in der Luft hängen, kann Vaas verstehen. Aber: „Ich konnte keinem mehr sagen, weil ich nicht mehr wusste.“

Manuel Mück (CSU) möchte die Grundstücke schnellstmöglich vergeben.

Schnell vergeben will die Grundstücke auch 2. Bürgermeister Mück (CSU)

„Jeder von den Gemeinderäten wird auf unterschiedlichen Wegen kontaktiert und nach dem Sachstand im neuen Baugebiet gefragt“, weiß auch 2. Bürgermeister Manuel Mück. Doch wenn in der Erbsache Fristen seitens der Gerichte eingehalten werden müssen, komme es zu Verzögerungen, „auf die die Gemeinde leider keinen Einfluss nehmen kann“. Dass jeder Tag Geld kostet, „das ist uns bewusst“. Schon allein deswegen sei es das Interesse der Gemeinderäte, „dass die Grundstücke so schnell wie möglich vergeben werden und gebaut werden kann“.

3. Bürgermeister Lerchl (SPD) holt Ideengeber mit ins Boot

Dass die Bauwerber, die nicht zum Zug kommen, informiert wurden, ist einer Initiative des 3. Bürgermeisters Sepp Lerchl und seines CSU-Gemeinderatskollegen Leonhard Held zu verdanken, wie Lerchl auf FT-Anfrage hin berichtet. „Die Vergabe erfolgt nach einem klar definierten Punktesystem, und wir haben daher darauf gedrängt, eine Rangliste der Bauwerber zu erstellen, um es der Gemeinde zu ermöglichen, diese zu informieren.“ Zudem liege es der SPD am Herzen, das Auslaufen von Fördermitteln für Bauwillige zu verhindern. „Gemeinsam mit der SPD-Fraktion aus Kranzberg haben wir die Gemeinderäte in unseren Orten überzeugen können, mit zwei Petitionen eine Verlängerung des Baukindergeldes und des Baukindergeldes Plus einzufordern.“ Zwischenzeitlich wurde das Baukindergeld seitens der Bundesregierung bis zum 31. März 2021 verlängert. Lerchl hofft, dass auch die bayerische Staatsregierung sich diesem positiven Beispiel für das Baukindergeld Plus anschließen wird.

Sepp Lerchl (SPD) hat auf mehr Informationen für die Bewerber gedrängt.

Im Zuge der Erschließung war auch immer wieder ein Investor für das Baugebiet Eggenberger Feld Süd im Gespräch. Den Kontakt zu ihm habe ebenfalls Sepp Lerchl hergestellt, wie er selbst erzählt. „Der hat der Gemeinde schnell neue Ideen und Optionen aufgezeigt, etwa die mit den Reihenhäusern“, so der SPD-Gemeinderat. Des Themas habe sich, nachdem Lerchl den Kontakt hergestellt hatte, Bürgermeister Martin Vaas persönlich angenommen. Die Ideen aus dieser Zusammenarbeit sollen in der Sitzung am Dienstag durch eine Bebauungsplanänderung festgezurrt werden. Vaas betont: „Ein Investor wird in dem Baugebiet allerdings nicht auftreten.“ Vielmehr sei es in den Gesprächen um Impulse für die finale Realisierung des Baugebiets gegangen.

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