+
Schlechte Nachrichten für Gewerbetreibende hatten (v. l.) Christian Graßl, Martin Vaas und Michael Promberger. 

Kürzer, günstiger oder anders geht‘s offenbar nicht

Es führt kein Weg an der Vollsperrung der Anschlussstelle Allershausen vorbei

  • Andrea Beschorner
    vonAndrea Beschorner
    schließen

Soll sich die Gemeinde Allershausen dafür einsetzen, dass die Anschlussstelle Allershausen nicht voll gesperrt wird? Dieser Frage ist der zuständige Beirat der Kommune nun nachgegangen. Das Ergebnis fiel klar aus.

Allershausen– Zeit, eine endgültige Marschrichtung festzulegen; Zeit, ein paar Dinge klarzustellen: Mit dieser Intention bat am Donnerstag der Allershausener Bürgermeister Martin Vaas den Beirat „Verkehr und Gewerbe“ zu einem spontanen Ortstermin an der Münchner Straße. Fazit: Alles bleibt, wie gehabt.

Hintergrund des Ortstermins war die Vollsperrung der Autobahnanschlussstelle Allershausen während der Sommerferien, die die Emotionen in der Gemeinde aktuell hochkochen lässt. Der Beirat war denn auch vollzählig anwesend: 2. Bürgermeister und Fraktionssprecher der CSU, Manuel Mück, der als Inhaber der Esso-Tankstelle persönlich von der Vollsperrung betroffen ist, 3. Bürgermeister und SPD-Fraktionsvorsitzender Josef Lerchl, PFW-Fraktionschef Andreas Glück, Beirats-Vize Christian Huber (als Hotelier ebenfalls einer der

Betroffenen) sowie die übrigen Mitglieder Friedrich Moser, Max Raith, Christian Bail und Marcus Klose. Martin Vaas war es wichtig, sich die Situation mit dem zuständigen Gremium anzuschauen und endgültig festzulegen, wie es nun weitergehen soll.

Gemeinde will es durchziehen

„Wir haben uns einstimmig und fraktionsübergreifend darauf verständigt, die Maßnahme wie geplant durchzuziehen“, erklärte Vaas gegenüber dem FT. Und das hat, wie es Vaas zusammen mit dem Chef des Technischen Bauamts, Michael Promberger, und Geschäftsleiter Christian Graßl zusammenfasste, „sehr gute Gründe“.

Zunächst war es Vaas aber wichtig, klarzustellen, dass – anders als Gemeinderat Christian Huber in der jüngsten Sitzung behauptet habe – das Gremium sehr wohl rechtzeitig über die Vollsperrung informiert worden war. „Die Mail, die mein Vorgänger Rupert Popp diesbezüglich im April 2019 an alle Gemeinderäte verschickt hat, existiert natürlich noch.“

Gemeinderäte und Bürger informiert

Zudem sei er, Vaas, gerade drei Tage im Amt gewesen, als er in der Allershausener Gemeindezeitung seine Bürger über die Vollsperrung in Kenntnis gesetzt habe. Dass es nun so einen Aufschrei der Gewerbetreibenden wegen der Vollsperrung gebe, könne Vaas freilich nachvollziehen. „Nach Corona jetzt die nächsten Einbußen – natürlich ist das frustrierend.“ Und genau aus diesem Grund habe man als Gemeinde – obwohl nicht zuständig und obwohl man hier sicher nicht das letzte Wort habe – in der Theorie nochmal alles auf den Prüfstand gestellt. Zunächst einmal unabhängig davon, ob die Autobahndirektion und das Staatliche Bauamt ein anderes Ergebnis dann mitgetragen hätten.

„Wenn wir eine neue Autobahnbrücke, neue Wasserleitungen und ein saniertes Teilstück der Staatsstraße 2084 zwischen Mozartstraße und dem Kreisverkehr jenseits der A 9 wollen, müssen wir die Vollsperrung der Anschlussstelle in Kauf nehmen“, erklärt Vaas. „Wenn wir uns jetzt gegen die Vollsperrung entscheiden, dann wird lediglich die Brücke fertig gemacht.“ Aber, wie Promberger anfügt: „Der Zustand der Staatsstraße ist in dem Bereich so schlecht, das gehört über kurz oder lang ohnehin gemacht.“ Am wenigsten Zeit- und Kostenaufwand habe der Ausbau, wenn man ihn jetzt während der ohnehin laufenden Baumaßnahmen „gleich mit macht“. Zudem liegen in der Straße 50 Jahre alte Asbest-Zement-Wasserleitungen, die Vaas als „tickende Zeitbomben“ bezeichnete. „Da kann jederzeit ein Rohr brechen.“ Unverrückbar sei eines: „Wenn wir die Chance jetzt nicht ergreifen, um den Bereich rund um die Autobahnbrücke in sechs Wochen komplett auf Vordermann zu bringen, holt es uns spätestens in ein paar Jahren ein – und dann müssen wir es machen“, erklärt Promberger. Brücken, Straßen, Wasserleitungen – alles Dinge mit einem „Verfallsdatum“. „In dem konkreten Fall haben Brücke, Straße und Leitungen 50 Jahre gehalten – die Zeit, zu erneuern, ist gekommen.“

Der Zeitplan der Autobahndirektion und des Staatlichen Bauamts sei sehr sportlich. Der Verkehr soll aber definitiv zum ersten Schultag wieder fließen. „Wenn wir das jetzt nicht machen, wird es rückblickend, sobald es dann dringend nötig wird, zum Schildbürgerstreich.“ Denn: „Dann wird die komplette Münchner Straße gesperrt. Da reden wir dann nicht mehr von sechs Wochen, sondern von neun Monaten.“ Hat man hingegen den vielbefahrenen Teil an der Anschlussstelle zwischen Kreisel und Mozartstraße bereits gemacht, sind die Einschränkungen während der Sanierung der restlichen Münchner Straße nicht mehr ganz so gravierend.

Abschnittsweise Sperrung nicht möglich

Die Idee von Hotelier Rupert Pichler, die Anschlussstellen abwechselnd drei Wochen Richtung München und drei Wochen Richtung Nürnberg zu sperren, ist laut Staatlichem Bauamt ebenfalls nicht realisierbar. Würde man die Arbeiten nicht in einem Zug erledigen, würde das viel mehr Zeit in Anspruch nehmen – und wesentlich mehr kosten, weil die schweren Maschinen zwei Mal anrücken müssten.

„Da wir weder auf den Ausbau der Staatsstraße noch auf die neuen Wasserleitungen verzichten können, müssen wir an den Plänen festhalten“, fasste es Martin Vaas zusammen. Zum Leidwesen der Hoteliers und Gaststättenbetreiber sowie vieler anderer Gewerbetreibenden. 

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Besonnen zu bleiben, war mir wichtig“ Marzlings Bürgermeister über Start im Lockdown
Seit 100 Tagen ist Martin Ernst Bürgermeister von Marzling. Im Interview spricht er über den Start während Corona und zukünftige Projekte.
„Besonnen zu bleiben, war mir wichtig“ Marzlings Bürgermeister über Start im Lockdown
„Vorsorgepolitik liegt mir sehr am Herzen“: Josef Dollinger zieht erste Zwischenbilanz als Bürgermeister
Nach 100 Tagen im Amt verrät Moosburgs Bürgermeister Josef Dollinger, wie sein Antritt verlief, welche Projekte Priorität haben und welche Pläne er für das …
„Vorsorgepolitik liegt mir sehr am Herzen“: Josef Dollinger zieht erste Zwischenbilanz als Bürgermeister
Nur das Auto gefunden: Senior aus Neufahrn vermisst
Die Polizei fahndet nach einem vermissten Mann. Es handelt sich um einen Rentner aus Neufahrn.
Nur das Auto gefunden: Senior aus Neufahrn vermisst
Nächster Corona-Fall in einem Seniorenheim: Landratsamt in Sorge
Nach dem Marzlinger Seniorenheim ist nun auch eine Betreuungseinrichtung in Neufahrn von Corona betroffen. Das Landratsamt ist in Sorge - und appelliert an die …
Nächster Corona-Fall in einem Seniorenheim: Landratsamt in Sorge

Kommentare