900 Euro Geldstrafe für Hobby-Fischer

Keine Gnade für Schwarzfischer

Allershausen - Mit einer Anklage wegen Fischwilderei hat es der Freisinger Amtsrichter, Michael Geltl, auch nicht alle Tage zu tun. In die Untere Glonn bei Allershausen hatte ein 47-Jähriger unerlaubterweise seine Angel getaucht. Mitglieder des hiesigen Fischereivereins erwischten den Aushilfsarbeiter im April dieses Jahres.

Mit einer Anklage wegen Fischwilderei hat es der Freisinger Amtsrichter, Michael Geltl, auch nicht alle Tage zu tun. In die Untere Glonn bei Allershausen hatte ein 47-Jähriger unerlaubterweise seine Angel getaucht. Mitglieder des hiesigen Fischereivereins erwischten den Aushilfsarbeiter im April dieses Jahres.

Als die Polizei den Mann am 16. April aufforderte, seine Angel aus dem Flüsschen zu entfernen, war dem Angeklagten kein einziger Fisch den Haken gegangen. Das Equipment des in Allershausen lebenden Hobby-Fischers ließ zu wünschen übrig. „Die Angel war von eher windiger Qualität“, bekannte Richter Geltl. Das Mitgefühl darüber hielt sich bei den Mitgliedern des Fischereivereins in Grenzen.

Für 20 000 Euro hatte der Verein im Vorjahr Fischlein in der Glonn ausgesetzt. Das Vergnügen, die mittlerweile prächtig geratene Beute zu angeln, sollte Vereinsmitgliedern vorbehalten sein. Wie die Staatsanwaltschaft in dem Prozess vor dem Amtsgericht Freising mitteilte, verfügte der 47-Jährige über kein Fischereiausübungsrecht. Weder einen Angel- noch einen Fischereischein vermochte der Rumäne nachzuweisen. Offenbar hatte ein Vereinsmitglied den 47-Jährigen außerdem bereits im Februar beim Schwarzangeln beobachtet. Bevor der Mann unerkannt verschwinden konnte, fotografierte er ihn. Darüberhinaus stellte sich heraus, dass der unter anderem wegen Körperverletzung und Diebstahl fünffach vorbelastete Angeklagte zuletzt im Jahr 2014 wegen Fischwilderei zu einer Geldstrafe verurteilt worden war. Seinerzeit hatte er offenbar etwas an den Haken bekommen. „Für den kleinen Fisch“, beklagte er sich, der zudem für drei Leute hätte reichen sollen. Nachgerade lächerlich erschien die Strategie, die sich der Mann für den Prozess zurecht gelegt hatte. Radebrechend deutete er an, nicht zu verstehen, weshalb er fürs Angeln bezahlen hätte sollen. Vorgebliche Sprachschwierigkeiten – der Mann stammt aus Rumänien – nahm ihm das Gericht aber nicht ab. „Sie sind seit sechs Jahren im Land“, stellte der Vorsitzende Richter fest. Der Angeklagte ist mit einer Deutschen verheiratet; sein Sohn studiert.

In den Akten wäre zudem vermerkt, wenn der 47-Jährige im Verlauf des Ermittlungsverfahrens einen Dolmetscher benötigt hätte. Nachvollziehbar erscheint, dass der Fischereiverein kein Interesse daran hat, wenn die letztjährig ausgesetzten Fische anderweitig abgefischt werden. Als ein Mitglied des Vereins den Angeklagten seine Rute auswerfen sah, holte er Verstärkung. Grundsätzlich sind Mitglieder des Fischereivereins berechtigt, Fischer in ihrem Hoheitsgebiet zu kontrollieren. Sicherheitshalber zu Dritt rückten sie dem 47-Jährigen an jenem Nachmittag auf die Pelle. Mangelnde Deutschkenntnisse hin oder her – allein der Verurteilung aus 2014 wegen hätte dem Angeklagten klar sein müssen, ohne Papiere nicht angeln zu dürfen. „Fischen ist mein Hobby. Wenn ich verspreche, dort nicht mehr zu angeln...“, bot er dem Gericht in makellosem Deutsch einen Deal an. Richter Geltl ließ sich darauf nicht ein und verurteilte ihn zu einer Geldstrafe über 900 Euro (60 Tagessätze zu 15 Euro).

Andreas Sachse

Rubriklistenbild: © dpa

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