Aufgemerkt! Birgit Mooser-Niefanger will nach Berlin und dort unter anderem die dritte Startbahn beerdigen.

Kandidaten-Kür

Mooser-Niefanger: Freisingerin soll für Grüne nach Berlin ziehen

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Sie setzt auf den „Wert grüner Politik“. Und das will sie ab Herbst 2017 auch in Berlin tun: Birgit Mooser-Niefanger, seit Donnerstagabend Bundestagskandidatin von Bündnis 90/Die Grünen im Wahlkreis 214.

Das war doch mal echt bairisch. Das war doch mal was anderes: Mangels Rednerpult bezog Birgit Mooser-Niefanger für ihre Bewerbungsrede hinter einem Bierfass Position. „Ich finde es hier ganz kommod“, kommentierte sie diese Begleitumstände. Noch lieber freilich würde Mooser-Niefanger künftig hinter dem Rednerpult im Bundestag stehen. Die Grünen aus Freising und Pfaffenhofen, Schrobenhausen und Aresing wollen sie da auch sehen und haben die 47-Jährige zu ihrer Bundestagskandidatin gekürt. „Bravo!“-Rufe im Gasthaus Obermeier zu Allershausen.

Es war ein Soloauftritt für die stellvertretende Landrätin und Stadträtin aus Freising, denn andere Bewerber hatten sich nicht gemeldet. Und so skizzierte Mooser-Niefanger in einer 15-minütigen Rede ihre Ziele, lobte die Politik und die Strategien der Grünen, kanzelte gleich zum Einstieg ihrer Rede die CSU ab: Was die Bayerische Staatsregierung in Sachen Startbahn mit den Menschen der Region mache, „das stinkt von hinten bis vorne“. Da werde erst Interesse für die Argumente „geheuchelt“, dann mache man aber doch alles so, wie man es schon immer vorgehabt habe. Das sei „kein guter Stil – sogar ein ganz und gar nicht guter Stil“. Dazu noch das, was Söder und Scheuer „so im Staccato rauspfeifen“ und „Zeugnis eines wirklich unterirdischen Menschenbildes ist“ – da sei das Fazit klar: Wer nicht wolle, dass so mit ihm umgegangen werde, der dürfe der CSU keine Stimme geben.

Was man stattdessen in diesem Land brauche, sei „ein echtes Ringen um richtige Lösungen, Konzepte, die auch über die nächsten Wahlen hinaus Bestand haben“. Eine der zentralen Forderungen Mooser-Niefangers: „Es muss ein Maßnahmenpaket her für junge Menschen mit problematischer Perspektivlage.“ Nur so könne man beispielsweise verhindern, dass chancenlose Jugendliche für Radikalisierung empfänglich seien. Applaus bekam Mooser-Niefanger auch für diesen Satz: „Es ist doch schon sehr irritierend, dass immer noch der Ausbau einer Straße politisch leichter durchzubringen ist als die Stelle für einen Sozialarbeiter.“

Was die rechtsradikalen und rechtspopulistischen „Rattenfänger“ betreffe, ist Mooser-Niefangers Einstellung klar: „Verschwenden wir doch nicht unsere Zeit damit, uns mit diesen Leuten auseinanderzusetzen – etwa mit den Parteifunktionären einer AfD.“ Mit den Menschen reden, deren Ängste spüren, genau zuhören, nachdenken – das sei der Weg und das sei eine Qualität, auf die sich die Grünen „gerne besinnen dürfen“. Denn: „Die Alternative in Deutschland, liebe Freundinnen und Freunde, des samma immer no mia!“, rief sie den Parteifreunden zu und erntete wieder Applaus.

Mooser-Niefanger zitierte auch den neuen Literaturnobelpreisträger Bob Dylan: „All das Geld, das ihr gemacht habt, wird niemals eure Seele zurückkaufen könne.“ Und damit war sie wieder bei der Startbahn, die beerdigt werden müsse.

Der Lohn dieser Rede war breite Zustimmung: Von den 43 Wahlberechtigten erhielt Mooser-Niefanger 39 Ja-Stimmen. Die Bundestagskandidatin der Grünen appellierte an die Mitglieder, sich in einem motivierten Wahlkampf einzubringen. Und Mooser-Niefanger verriet ihre größte Stärke – Optimismus – und ihre größte Schwäche: „ein starker Hang zur Ungeduld“. Bis zum September 2017 muss sich Mooser-Niefanger gedulden, bis sie weiß, ob ihr Optimismus zutrifft.

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