Völlig zerstört wurde der Penny-Markt in Allershausen beim Großbrand am Freitag. Der Einsatz dauerte fast zwei Tage, bis die letzten Glutnester gelöscht waren. 
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Völlig zerstört wurde der Penny-Markt in Allershausen beim Großbrand am Freitag. Der Einsatz dauerte fast zwei Tage, bis die letzten Glutnester gelöscht waren. 

Friedrich Moser zieht Bilanz

Nach Großbrand in Supermarkt: Einsatzleiter kritisiert Fotos, Videos und Halbwissen - „Zusätzlicher Druck“

  • Andrea Beschorner
    VonAndrea Beschorner
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Schaden in Millionenhöhe, wie durch ein Wunder keine Verletzten - und Schaulustige, die die Einsatzkräfte sprachlos machen: die Bilanz des Großbrands in Allershausen.

Allershausen - Es war der größte Brand in der 150-jährigen Geschichte der FFW Allershausen: Als am Freitag um 8 Uhr früh ein Fahrzeug vor dem Penny-Markt in Allershausen in Flammen aufging, als die Feuerwehr Allershausen als erstes vor Ort war, war Kommandant und Einsatzleiter Friedrich Moser zunächst noch voller Hoffnung und Zuversicht, „das Gebäude schützen zu können“, wie er rückblickend im Gespräch mit dem FT sagt. „Dass die Flammen so schnell auf den Verbrauchermarkt übergriffen und so schnell nichts mehr zu retten war, hätten wir uns zunächst auch nicht vorstellen können.“ Doch da das Fahrzeug unter dem Vordach des Supermarkts geparkt war, die Flammen aus dem Transporter umgehend auf das Dach übergriffen, ging alles furchtbar schnell.

Brand bei Penny in Allershausen: Supermarkt-Mitarbeiterinnen haben „super reagiert“

Und doch ist Moser zufrieden mit dem Verlauf des Einsatzes. Vor allem ein Punkt in der Bilanz sei etwas Besonderes bei einem Brand dieser Größenordnung: „Niemand wurde verletzt – auch keine Einsatzkräfte.“ Dass nämlich bei 200 Rettungskräften, die insgesamt bei dem knapp zweitägigen Einsatz vor Ort waren, niemandem etwas passiert sei – keine Rauchvergiftung und auch sonst keine Verletzungen –, sei nicht selbstverständlich. Hinzu kommt die Zusammenarbeit mit allen Feuerwehren, die reibungslos geklappt habe. „Ein großes Lob gilt auch den Mitarbeiterinnen des Penny-Markts, die dafür gesorgt haben, dass alle Kunden schnellstmöglich das Gebäude verlassen und uns mitgeteilt haben, dass sich keiner mehr im Haus befindet“, betont Moser. „Die haben super reagiert und alles richtig gemacht.“

Wir sind angekommen und haben in schätzungsweise 20 Handykameras geschaut.

Kommandant und Einsatzleiter Friedrich Moser

Weit entfernt von „alles richtig gemacht“ sind jedoch zahlreiche Schaulustige, die am Einsatzort waren, noch ehe die Feuerwehr eintraf. „Wir sind angekommen und haben in schätzungsweise 20 Handykameras geschaut“, erzählt Kommandant Moser. Kurze Zeit später seien alle möglichen Facebookgruppen voll mit den Bildern und Videos vom Brand gewesen. Moser sieht das – vorsichtig ausgedrückt – „sehr kritisch“, so ein Verhalten sei „einfach nicht ideal“. Denn: „Du kommst da an, musst dir einen Überblick über die Lage verschaffen, brauchst einen kühlen Kopf und volle Konzentration – und alle filmen dich dabei.“ In der Nachbesprechung hätten denn auch einige Feuerwehr-Kollegen schwere Bedenken ob dieser Entwicklung geäußert. „Das sorgt für zusätzlichen Druck bei so einem Einsatz.“ Dass man bei einem Brand aus sicherer Entfernung „hinschaut“, das sei wohl menschlich, das interessiere einfach, sagt Moser. Aber die Rettungskräfte mit den Handykameras in Empfang zu nehmen, „das ist schon brutal“. Immerhin: „Wir wurden nicht behindert, es stand uns zumindest niemand im Weg.“

Die Zusammenarbeit mit den anderen Feuerwehren lobt Einsatzleiter Friedrich Moser (M.) im FT-Gespräch. Es gab aber auch negative Erfahrungen bei dem Einsatz.

Und überall im Netz: geballtes Halbwissen zum Brand bei Penny

Ebenfalls nicht begeistert ist der Einsatzleiter über das geballte „Halbwissen“, das über Facebook verbreitet worden sei. Etwa hätten einige ganz genau gewusst, dass da Gasflaschen in besagtem Transporter explodiert seien. „Da wär schon nochmal mehr losgewesen.“ Die „Explosionen“, die mehrfach in den sozialen Medien zitiert worden seien, stammten von den Reifen des Transporters, die durch die starke Hitze geplatzt sind.

Großbrand bei Penny in Allershausen: Einsatz dauerte fast zwei Tage

Der Einsatz beschäftigte die Freiwillige Feuerwehr bis Samstag spät nachts. Zunächst rückte die FFW Allershausen am Freitag gegen 20 Uhr vom Einsatzort ab. Im Feuerwehrhaus wurden die Fahrzeuge für den nächsten Einsatz wieder hergerichtet. „Als wir damit fertig waren, gegen halb zehn, sind wir wieder alarmiert worden, weil es wieder zu rauchen begonnen hat.“ Friedrich Moser, der am Freitag Geburtstag hatte, verbrachte somit seinen Ehrentag komplett im Einsatz. „Als ich heimgekommen bin, war es halb zwei, da bin ich einfach todmüde ins Bett gefallen.“ Um dann am nächsten Morgen erneut auszurücken. Die letzte Alarmierung ging um 18 Uhr ein. Nachdem dann alle kleineren Glutnester gelöscht waren, galt der Einsatz als beendet.

Während die einen gafften und filmten, haben sich andere um Essen und Trinken für die Einsatzkräfte gekümmert. In Windeseile sei alles für die Feuerwehrleute bereitgestanden. Die Familie Pellmeyer, die Eigentümer des abgebrannten Gebäudes, versorgten alle mit Kaffee und selbstgebackenen Kuchen, Allershausens Sportheimwirt habe sich angeboten, für alle Pizza zu backen. „Wir waren wirklich bestens versorgt, so viele haben ihre Hilfe angeboten“, betont Moser.

Und dann gab es noch eine interne Sache, die laut Moser „ungut gelaufen“ sei – und zwar für Allershausens Ortsteilfeuerwehren. Die wurden nämlich, obwohl sie nur zwei Kilometer vom Einsatzort entfernt sind, nicht alarmiert, stattdessen die Feuerwehren aus dem Umkreis. „Das war dem geschuldet, dass Atemschutzträger und wasserführende Fahrzeuge nachgefordert worden sind.“ Dennoch gelte es noch, das intern zu besprechen.

Brand bei Penny in Allershausen war ein Großeinsatz

Im Einsatz waren die Wehren aus Allershausen, Freising, Kranzberg, Kirchdorf, Leonhardsbuch, Paunzhausen, Schlipps und Hohenkammer, darunter 43 Atemschutzträger. Die Fahrzeugflotte am Brandort: 23 Feuerwehrautos, außerdem die ABC-Gruppe des Landkreises und die Unterstützungsgruppe Örtliche Einsatzleitung (UG ÖEL). 

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