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Gekommen um zu bleiben: Pfarrer Manfred Hoska, ehemals Geistlicher der Pfarrei Allershausen, ist wieder an seine alte Pfarrgemeinde zurückgekommen. Hier will er seinen Ruhestand verbringen. 

Pfarrer Manfred Hoska ist wieder in Allershausen

Weil er nicht mehr alleine sein wollte: Ruhestandspfarrer kehrt zurück an alte Wirkungsstätte

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23 Jahre war er Pfarrer in Allershausen. Im September 2004 ging Manfred Hoska dann in den Ruhestand, verabschiedete sich ins Chiemgau. Jetzt ist der 84-Jährige wieder da.

Allershausen –  Manfred Hoska hat die Wohnung seiner guten, vergangenes Jahr verstorbenen Freundin Rosa Schuhbauer bezogen. Seine Rückkehr an die alte Wirkungsstätte löst bei Hoska Wehmut und Freude zugleich aus. 

Es hat sich einiges geändert im Leben des Manfred Hoska, des „Mane“, wie er sich selbst nennt: Von seinen geliebten Zigarren gönnt er sich nur noch drei am Tag, im Auto und im Haus wird nicht mehr gepafft. „Man wird halt gescheiter“, schmunzelt er. Seine langjährige Haushälterin hat im November 2014 „das Zeitliche gesegnet“, wie es Hoska mit einem traurigen Blick ausdrückt, wenn er an seine „sehr liebenswerte Hausfrau“ denkt.

Da ist der Pfarrer im Ruhestand auch gleich beim ersten Grund, weshalb es ihn aus dem Pfarrverband Riedering, genauer: aus Pietzenkirchen, wieder nach Allershausen gezogen hat. Auch wenn er in seinem Häuschen mit der Hausnummer 57 1/4 „sehr glücklich“ war, auch wenn er den Blick in die Landschaft sehr genossen hat, der Gedanke, dass in dem Mini-Dorf vielleicht niemand in der Nähe und erreichbar ist, sollte etwas sein, hat ihm zu denken gegeben. „Was, wenn mir was passiert?“ Als er dann gehört hat, dass in Allershausen ein Haus für betreutes Wohnen errichtet wird, war sein erster Gedanke: „Das wär’ was für mich.“

Doch es sollte anders kommen. Der Sohn von Rosa Schuhbauer hat von seinen Plänen Wind bekommen und ihn angerufen: „Die Mutti tät’ sich freuen, wenn Sie ihre Wohnung beziehen.“ Ein Angebot, das Hoska nicht ausschlagen konnte. Seit 1. Mai wohnt er nun also im Haus an der Schulstraße 8, hat inzwischen auch alle Umzugskartons ausgepackt und ist fast fertig eingerichtet – auch wenn es ihn schon schmerzt, dass er manche Möbel und alten Schränke nicht mitnehmen konnte.

Ein anderer Grund, weshalb es Manfred Hoska wieder nach Allershausen verschlagen hat, hat mit Pietzenkirchen, der Hausnummer 57 1/4 und seinem Alter zu tun: Pietzenkirchen, so erzählt er, liegt oben auf dem Berg. Sechs Kilometer sind es bis nach Riedering, wenn man irgendetwas erledigen will, wenn man zum Arzt muss, auf die Sparkasse gehen, einen Brief aufgeben oder einkaufen möchte. Bisher ging das noch mit dem Auto. Aber Hoska hat für sich entschieden, dass er zum Ende des Jahres sein Auto hergeben und seinen Führerschein abgeben will. „Ich will ja nicht als Rentner, der einen Radfahrer zusammengestangelt hat, in der Zeitung stehen“, fügt Hoska an – und lächelt dabei wieder spitzbübisch, die Augen schelmisch nach oben gedreht. Und ohne Auto wäre es in Pietzenkirchen nicht mehr gegangen.

Der Geistliche hat seinen Führerschein freiwillig abgegeben

In Allershausen ist das anders: Alles ist fußläufig erreichbar – Edeka, Sparkasse, die Ärzte und auch die beiden Gasthöfe. Und wenn er denn einmal einen Gottesdienst in einer der Filialkirchen des Pfarrverbands halten soll, „wenn mein Typ gefragt ist“, wie er es formuliert, dann wird eben ein Fahrdienst organisiert. Menschen, die sich um ihn kümmern, gibt es in Allershausen: Rudi Schuster zum Beispiel oder Maria Pletl, die hat ihn schon zum Bahnhof gefahren, weil er mit dem Zug nach Prien musste. Hoska hatte einem seiner ehemaligen Ministranten zugesagt, ihn zu trauen. Außerdem sei er es ja schon gewohnt, ohne Führerschein zu leben. Wie das? Weil er vor vielen Jahren schon einmal bei Rot über eine Ampel gefahren ist.

Und dann gibt es noch einen dritten Grund für die Rückkehr Hoskas ins Ampertal. Weil in Pietzenkirchen die Besiedelung doch „eher sehr schmal“ war, habe er dort niemanden gefunden, der für ihn eine Fürsorgeverfügung unterschrieben hätte. Auch das ist in Allershausen anders, wo ein alter Weggefährte dies gerne übernommen habe. Jetzt ist er also wieder da. „Und ich treffe oft Leute, die sich freuen, dass ich wieder in Allershausen lebe“, ist Hoska schon ein bisschen stolz. Die Botschaft hatte sich schon herumgesprochen, als Hoska zur Amtseinführung von Pfarrer Hermann Schlicker geladen war. „Das große Hallo für mich war mir schon fast peinlich, schließlich war es ja der Tag für Schlicker“, erinnert sich Hoska an den Tag und die Feier im Februar. Aber als er bemerkte, dass auch der neue Pfarrer von Menschen regelrecht belagert wurde, war er wieder einigermaßen beruhigt.

Manfred Hoska sieht sich auf der Zielgeraden

In seiner neuen alten Gemeinde habe sein „unvermitteltes Auftauchen“, wie Hoska es nennt, erst für organisatorische Probleme gesorgt, aber, so stellt er es sich vor, er werde zwei Messen an Werktagen, eine am Sonntag und immer dann abhalten, wenn er gebraucht werde. Mit 84 sei er zwar „nicht mehr auf der Rennbahn, sondern schon auf der Zielgeraden“, aber das Priesteramt sei für ihn eine Berufung. „Ich mache weiter. Ich bin ja schließlich dafür geweiht.“

Was sich seit 2004 in Allershausen verändert hat, quittiert Hoska mit „Donnerwetter aber auch!“ Da sei „gebaut worden wie verrückt“, besonders angetan haben es Hoska die Glonnterrassen. „Das hat mich sehr beeindruckt.“ Dass er jetzt, nach 15 Jahren, manch einen geliebten Spazierweg nicht mehr gehen kann, weil es ihn einfach nicht mehr gibt, kann Hoska da gut verkraften.

Die Ankunft in Allershausen hat ihm auch ein anderes Erlebnis erleichtert: Zum Abschied aus Pietzenkirchen habe er vom Riederinger Bürgermeister fünf Verzehrgutscheine über jeweils 20 Euro für den Allershausener Fuchswirt bekommen. Doch die sind im allgemeinen Umzugschaos irgendwie verschütt gegangen. Weil man Hoska aber auch beim Fuchswirt kennt, weil man sich auch daran erinnern konnte, die Gutscheine ausgestellt zu haben, kann Manfred

Hoska nun doch die 100 Euro „abspeisen“, wie er schmunzelnd sagt.

Dafür funktioniert etwas anderes nicht – was aber nicht so schlimm ist: Hoska hat noch immer keinen Festnetzanschluss für sein Telefon und auch kein Internet. Zum Glück aber hat ihm der alte Mesner in Pietzenkirchen schon vor einigen Jahren ein Handy verpasst. „Des muaßt ham“, habe er ihm damals versichert, erinnert sich Hoska, der sich jahrelang gegen so ein „varreckt’s, kloans Quakerl“, wie er es nennt, gesperrt habe. Doch inzwischen sehe er schon ein, dass das sehr praktisch sei – allein schon wegen der großen Ziffern, die ihm die Uhrzeit anzeigen.

Sofort wieder zuhause gefühlt

Nach einigen Wochen wieder zurück in Allershausen kann Hoska ohne zu zögern sagen: „Ich fühle mich sehr wohl.“ Immerhin ist Hoska ja auch nie ganz ohne Allershausen ausgekommen: Sein 50. Priesterjubiläum im Jahr 2010 und die Nachfeier seines 80. Geburtstages im März 2015 waren ihm Gründe genug, nach St. Josef zurückzukehren. Damals ist er danach immer wieder ins Chiemgau zurückgefahren. Jetzt bleibt Manfred Hoska da.


2010 hat Pfarrer Manfred Hoska Priesterjubiläum gefeiert

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