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Kabarettist Günter Grünwald in Allershausen

Schreikind – oder doch Beamter

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Er war, so gibt er selber zu, ein Schreikind: Günter Grünwald. Jetzt ist er 60 und Kabarettist. Leise ist er trotzdem nicht. Auch nicht in seinem Programm „Deppenmagnet“, das er am Samstag in Allershausen spielte. Fernsehköche und die AfD – nur einige Opfer des Spotts.

Allershausen – Die Ampertalhalle ist ausverkauft. Schon eine Stunde vor Beginn ist der Parkplatz gut gefüllt, stehen die Menschen Schlange. Denn an diesem Samstagabend kommt einer, der zu den Großen seiner Zunft gehört: Günter Grünwald. In Jeans und mit aufgekrempelten Hemdsärmeln wird er dann ab 20 Uhr vor sein Publikum treten und eine mal einfach nur lustige, mal spitzzüngige, mal wunderbar polternde, mal politsatirische Ein-Mann-Show geben.

Und wer einem da in zwei Stunden Grünwald pur nicht alles begegnet. Als da wären: ein Rumäne, der neben seinem Job als Fliesenleger auch ein bisschen tätowiert, leider statt „Born to lose“ den Schriftzug „Born in Toulouse“ sticht; ein Salvador Dali, von dem der angebliche Kunsthistoriker Grünwald behauptet, „der war ja nicht ganz dicht“; Grünwald selbst in seiner Eigenschaft als Mister „Abfluss frei“, der versucht, mit 15 bar einen Freund vor dem Ersticken zu retten; und da ist der besoffene AfD-Anhänger und die grandios demaskierende Persiflage von Grünwald auf diese Menschen, die stets behaupten, „das wird man ja noch sagen dürfen“, während sie den „Neger“ im Lokal fragen: „Schmeckt’s, Bimbo?“

Am Vorabend der Bundestagswahl war gerade diese Szene in der Allershausener Ampertalhalle von besonderer Aktualität. Wie Grünwald selbst die AfD findet? „Wenn ich den Gauland, dieses Arschloch, sehe, dann könnte ich eine 10 000-Liter-Zisterne vollkotzen.“ Doch damit nicht genug der Politsatire: Ehe für alle, das findet Grünwald gut und richtig, pfeift auf „Früher war alles besser“. Jetzt, so erzählt er – und da wird er wieder zum Komiker –, habe sich sein Friseur endlich öffentlich outen können. Und zwar als heterosexuell!

Schön auch, wie Grünwald fordert, den Unterschied zwischen „ß“, dem scharfen S, und „ss“, dem Doppel-S, aufzugeben. Hätte es immer nur das „ß“ gegeben, das Dritte Reich hätte viel von seinem Schrecken verloren: „Los, aufmachen! Hier ist das scharfe S!“

Auf den Grünwald, der sich so herrlich echauffieren und der so wunderbar schimpfen kann, muss man auch nicht verzichten: Was er über Köche im Fernsehen zu spotten und zu klagen hat, wie er über ein Swingerpärchen lästert, die er auf dem bislang noch relativ unbekannten Sender „RTL3“ gesehen habe, treibt dem Publikum die Lachtränen in die Augen und sorgt für Atemnot. Angesichts der Orangenhaut von „Frau Jaffa“ frage er sich schon, „ob die im Bett oder in der Obstkiste schläft“.

Er selbst freilich habe bis zu dem Zeitpunkt, als er sich gegen Ruhm und Millionen als James-Bond-Darsteller und für seine Karriere als Komiker entschied und deshalb Schönheits-OP’s „in die andere Richtung“ machen ließ, „unfassbar guat ausg’schaut“. Heute nicht mehr. Dafür ist er ein unfassbar guter Komiker, der schon als Baby seinen Altersgenossen die Leviten gelesen hat: „Wenn ich nach eineinhalb Stunden nicht mehr kann, darf ich doch nicht Schreikind werden. Sondern Beamter.“

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