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Allershausen hat eine große Persönlichkeit verloren: Rosa Schuhbauer starb im Alter von 81 Jahren.

“Mutter der Kompanie“

Trauer um die langjährige Ortsbäuerin Rosa Schuhbauer

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Sie war nicht nur ein sozialer Motor in Allershausen, sondern auch eine große Persönlichkeit: Am Samstag ist die langjährige Ortsbäuerin Rosa Schuhbauer im Alter von 81 Jahren gestorben.

Allershausen – Sie war so vieles in Allershausen. Ortsbäuerin und Gemeinderätin, Erfinderin des Weihnachtsmarkts und Chorsängerin. Wohltäterin und Würdenträgerin. Vor allem aber war Rosa Schuhbauer Mama, Oma und Urgroßmutter. „Sie war die Mutter der Kompanie, die sich um alle und alles gekümmert hat“, sagt Bürgermeister Rupert Popp. Kein Wunder also, dass die Welt in Allershausen still stand, als sich die traurige Nachricht verbreitete, mit der man in den letzten Wochen rechnen musste: Rosa Schuhbauer, die „Rosi“, ist am Samstag nach kurzer schwerer Krankheit im Alter von 81 Jahren gestorben.

Als Jüngstes von sechs Kindern wuchs Rosa Schuhbauer in Aufhausen im Landkreis Dachau auf. Nach dem Besuch der Klosterschule in Weichs packte sie zunächst auf dem landwirtschaftlichen Anwesen ihrer Eltern mit an – bis sie 1957 ihren künftigen Mann Toni kennenlernte. 21 war sie da alt, nur ein Jahr später heiratete sie den Landwirt aus Allershausen, mit dem sie von da an den Hof führte. „Sie war mit ganzem Stolz Bäuerin“, berichtet ihre Schwiegertochter Thekla Schuhbauer.

Sie hatte so viel Energie, obwohl sie selbst einiges wegstecken musste

Als Ortsbäuerin von Allershausen war sie die ideale Besetzung. 25 Jahre lang füllte Rosa Schuhbauer das Amt aus und organisierte in dieser Zeit viele Veranstaltungen. Eine Gymnastikgruppe rief sie ebenso ins Leben wie einen Frauenstammtisch. Zudem führte sie „ihre Weiber“, wie sie die Bäuerinnen augenzwinkernd nannte, an viele ferne Orte: nach Rom und Venedig, Lourdes und Fatima. Und da in ihrem Leben Musik eine besondere Rolle spielte, sang Rosa Schuhbauer auch 35 Jahre lang im Landfrauenchor. „Volksmusik war ihr Ding“, erzählt Thekla Schuhbauer. „In ihrem Auto ist immer die CD der Kastelruther Spatzen gelaufen.“

Die Energiequellen von Rosa Schuhbauer schienen unerschöpflich, obwohl sie selbst so viel verkraften musste. Gerade mal 14 Jahre war sie alt, als ihre Mutter bei einem Arbeitsunfall tödlich verunglückte. Auch von ihrem Ehemann Toni musste sie früh Abschied nehmen. 1991 starb er. Und ihr späterer Lebensgefährte Sepp, der mit ihr 17 Jahre durch Dick und Dünn ging, kam ebenfalls auf tragische Weise ums Leben.

Und trotzdem fand die Rosi immer wieder die Tatkraft, sich für das Gemeinwohl einzusetzen. Von 1984 bis 1990 war sie für den Gemeinderat aktiv. Welchen Stellenwert sie in Allershausen hatte, zeigte auch die Resonanz, als sie sich 1989 dazu entschloss, einen Christkindlmarkt ins Leben zu rufen. 15 Vereine folgten ihrem Aufruf und beteiligten sich an der Veranstaltung. Selbst Chefärzte folgten ihrem Ruf. Als Rosa Schuhbauer bei einer Spendenübergabe in der Haunerschen Kinderklinik in München den Wunsch äußerte, ein Vertreter der Ärzteschaft möge doch mal beim Christkindlmarkt vorbeischauen, sagte der Chefarzt sofort: „Ich komme selbst.“ Er hielt Wort und nahm von seinem Besuch in Allershausen vermutlich mindestens ein paar Socken mit.

Den letzten Wunsch wollte ihr das Leben nicht mehr erfüllen

Wer in die Nähe von Rosa Schuhbauer kam, musste nicht frieren. Denn auch für Handarbeit hatte die Bäuerin ein Faible. Unzählige Socken strickte sie selbst. Die Erlöse daraus ließ sie stets wohltätigen Zwecken zugute kommen. Auch die FT-Spendenaktion „Menschen in Not“ profitierte davon jedes Jahr. Doch das war nicht der einzige Grund, warum die Heimatzeitung der Allershausenerin bis zum Schluss eng verbunden war. „Sie war absolut geradeheraus und ehrlich“, berichtet FT-Redakteurin Andrea Beschorner, die Rosa Schuhbauer kurz vor ihrem Tod noch besucht hatte. „Allershausen verliert eine große Persönlichkeit.“

Bürgermeister Popp war der Ortsbäuerin „mehr als freundschaftlich“ verbunden. „Sie war von großer Herzlichkeit und Liebenswürdigkeit.“ Im vergangenen Jahr noch überreichte er ihr die Ehrenmedaille in Gold der Gemeinde Allershausen – neben der Ehrenurkunde für besondere Verdienste des Bayerischen Bauernverbands war es die zweite große Würdigung für sie. Auch Popp besuchte die Rosi bis zuletzt. Und obwohl es ihr schon schlecht ging, standen trotzdem die obligatorischen Weißwürste bereit.

Rosa Schuhbauer starb am Samstag im Kreis ihrer Familie. „Jeder konnte sich noch von ihr verabschieden“, sagt Thekla Schuhbauer. Um die Bäuerin trauern ihre vier Kinder Rosmarie, Kathi, Anton und Josef mit ihren Ehepartnern, elf Enkelkinder und zehn Urenkel. Das elfte Urenkelkind ist auf dem Weg. In rund drei Wochen kommt es auf die Welt, wie die Schwiegertochter berichtet. „Die Geburt mitzuerleben, war ihr letztes Ziel.“ Doch dieses Geschenk wollte das Leben ihr nicht mehr machen.

Das letzte Geleit

Beisetzung und Rosenkranz finden am heutigen Dienstag um 18 Uhr statt. Die letzte Ehre wird Rosa Schuhbauer am Mittwoch, 7. Februar, erwiesen. Um 14.30 Uhr beginnt der Gottesdienst, anschließend findet sie auf dem katholischen Friedhof in Allershausen ihre letzte Ruhe.

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