1. Startseite
  2. Lokales
  3. Freising
  4. Allershausen

Vaas’ verspätete Bürgerversammlung-Premiere in Allershausen

Erstellt:

Von: Andreas Beschorner

Kommentare

Exakt eine Stunde blickte Martin Vaas auf das Geschehen in Allershausen zurück. 
Exakt eine Stunde blickte Martin Vaas auf das Geschehen in Allershausen zurück.  © Beschorner

Premiere für Martin Vaas: Zum ersten Mal legte der Allershausener Rathauschef bei einer Bürgerversammlung live Rechenschaft über die Aktivitäten in der Gemeinde ab.

Allershausen - Blaues Sakko, blaue Krawatte, blaue Jeans – Martin Vaas machte bei der ersten Bürgerversammlung als Gemeindechef kleidungstechnisch klar, für welchen Münchner Fußballverein sein Herz schlägt. Dass es dann nur 59 und nicht 60 Folien waren, die er in den Fuchswirt mitgebracht hatte, tat dem keinen Abbruch. Exakt eine Stunde lang referierte Vaas über das Geschehen in der Gemeinde, legte Zahlen, Projekte und einen Ausblick auf 2022 vor.

Das Volksfest findet heuer statt

Eine ganz wichtige Botschaft – und das wäre wohl die 60. Folie gewesen – verkündete er dabei am Ende seines Berichts: 2022 wird es nach zwei Jahren Pause in Allershausen wieder ein Volksfest geben. Das machte Vaas froh. Denn: „Ich will nicht als der Bürgermeister in die Geschichte von Allershausen eingehen, der nie ein Volksfest angezapft hat.“

Es begann, wie Bürgerversammlungen oft beginnen: mit Zahlen. 2071 Mal hat man im vergangenen Jahr Raser geblitzt. Die negativen Rekordhalter: 68 km/h in einer 30er-Zone, 93 km/h dort, wo 50 erlaubt sind, und 110 km/h, wo man nur 60 „Sachen“ draufhaben darf.

Zweithöchste Wachstumsrate

Immer wichtig: die Einwohnerentwicklung. Zwischen 2010 und 2020 sei die Einwohnerzahl um 971 gestiegen, was einer Wachstumsrate von 19,2 Prozent entspreche. Damit liege Allershausen zusammen mit Hallbergmoos (etwas über 20 Prozent) mit Abstand an der Spitze im Landkreis Freising. Ende 2021 lebten 6303 Menschen im Gemeindegebiet, der Ausländeranteil liegt bei 21,9 Prozent – angeführt von 261 Rumänen. 77 Ukrainer, zum Großteil Kriegsflüchtlinge, beherberge man in Allershausen, so Vaas.

Stetig steigend ist die Zahl der Kirchenaustritte: Waren es 2019 noch 55, so verzeichnete man 2020 schon 77 Austritte und 2021 sogar 102. Zahlen der ersten vier Monate zeigten, dass sich diese Tendenz 2022 fortsetze.

Die Zahl der Geburten ging von 70 im Jahr 2019 über 66 in 2020 auf 64 in 2021 zurück – anders als man es wegen des Lockdowns „vielleicht hätte erwarten können“, witzelte Vaas.

Personalmangel in der Kinderbetreuung

Weniger lustig ist die Situation im Bereich der Kinderbetreuung: Zwar habe man viele Betreuungsplätze im Krippen-, Kindergarten- und Hortbereich, und auch das Defizit von 1,35 Millionen Euro in 2021 sei nicht das Problem, wohl aber der Personalmangel. „Der Markt ist abgegrast“, schilderte Martin Vaas die Lage.

Die Gemeindefinanzen hingegen stellen den Rathauschef und den Gemeinderat derzeit vor keine großen Probleme: Nur geringe Rückgänge bei den Gewerbesteuereinnahmen auf derzeit vier Millionen Euro machten Vaas „froh, dass wir so gut durch die Pandemie gekommen sind“. Was die Steuerkraft der Gemeinde betrifft, liege man im Landkreis auf Platz sieben, bayernweit auf Rang 293 (unter 2056 Kommunen).

Noch ist Allershausen schuldenfrei

Und dann ließ sich es auch Vaas nicht nehmen, „die Lieblingsfolie meines Vorgängers“ an die Leinwand zu werfen. „Die Gemeinde Allershausen ist seit 2008 schuldenfrei!“ stand da zu lesen. Das werde angesichts dessen, was an Projekten anstehe, aber wohl nicht so bleiben, kündigte Vaas an.

Und damit war er bei dem angelangt, was man in den vergangenen zwei Jahren angepackt und teilweise schon umgesetzt hat: Da war zunächst der Ausbau der Münchner Straße im Zuge des Neubaus der Autobahnbrücke, etwas, das zu „großem Aufruhr und Tumult“ geführt habe, kaum dass er im Amt gewesen sei. Aber: „Es ist gut geworden.“ Gut geworden sei auch der Ausbau der Kesselbodenstraße, der die Gemeinde rund 2,5 Millionen Euro gekostet hat. „Auch keine einfache Geschichte“ sei die Vergabe der 49 Grundstücke im Baugebiet Eggenberger Feld Süd gewesen. Für 220 000 Euro habe man Container für den Kindergarten Spatzennest errichtet, wo eine sechste Gruppe untergebracht wurde. 1,7 Millionen Euro seien in die Sanierung der Kläranlage geflossen („Eine satte Investition. Hilft aber nichts.“), das Wasserhaus sei für 500 000 Euro saniert worden.

Mit Kosten in Höhe von 105 000 Euro war die neue Mühlbachbrücke da fast schon ein Schnäppchen, Gehwege an der Abt-Joseph-Straße, an der Friedhofstraße und in Tünzhausen kosteten zusammen 330 000 Euro. Und dann war da noch im vergangenen Jahr der Brand des Penny-Markts, den Vaas erwähnte: „Jeder war geschockt.“ Doch in zwei Jahren soll der neu errichtete Penny-Markt eröffnet werden, so die gute Nachricht.

Interessiert lauschten die Gäste den Ausführungen des Rathauschefs. In der Fragerunde danach platzte einem Bürger der Kragen. 
Interessiert lauschten die Gäste den Ausführungen des Rathauschefs. In der Fragerunde danach platzte einem Bürger der Kragen.  © Beschorner

Und was bringt das Jahr 2022? Da stehe der Baubeginn für den neuen Kindergarten im Eggenberger Feld Süd an. Angesichts der Preissteigerungen auf dem Bausektor habe er da allerdings „etwas Bauchschmerzen“, gab Vaas zu. Die Kostenschätzung liege derzeit bei 7,2 Millionen Euro.

(Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem regelmäßigen Freising-Newsletter.)

„Wenn wir 2024 dann mit 8,5 Millionen aus dem Rennen gehen, dann können wir froh sein“, so seine etwas düstere Prognose. Das Geld könnte beispielsweise von der Gewerbesteuer herkommen. Vaas hoffte, dass man den Bebauungsplan an der A9 in der kommenden Gemeinderatssitzung beschließen, ihn dann öffentlich auslegen und schließlich endgültig satzen könne, um so der Firma Yaskawa die Anmietung der zwei rund 15 Meter hohen Hallen zu ermöglichen.

Harsche Kritik an Parkeinschränkungen

Während Vaas in seinem Bericht auch die Stimmung und Zusammenarbeit im Gemeinderat gelobt hatte, sah das manch ein Bürger anders, schimpfte schon in der Pause, dass er es „zum Kotzen“ finde, dass die meisten Beschlüsse einstimmig gefasst würden. Der Ärger entlud sich dann in der Fragestunde, als die vom Gemeinderat beschlossenen Parkregelungen für die Reckmühle und die Weiherwiesen heftig kritisiert wurden: Ohne Not, so die Vorwürfe, seien dort extrem restriktive Parkeinschränkungen angeordnet worden, im Gemeinderat habe es viele „unqualifizierte Äußerungen“ gegeben, mit den Anwohnern habe niemand geredet, Antworten habe man auch keine bekommen, das alles sei – und zwar laut ADAC – auch gar nicht rechtens, so die harsche Kritik an Vaas und dem Gremium.

Der freilich konterte: Er sei doch vor Ort gewesen und habe das Gespräche gesucht. Kommunalaufsicht und Polizei hätten das Vorgehen als rechtens eingestuft – und das sei für ihn Ausschlag gebend, nicht der ADAC. Man habe das Thema im Gemeinderat des Öfteren öffentlich behandelt, von „hinter verschlossenen Türen“ könne also gar keine Rede sein. Und damit „ist das Thema für mich durch“, man werde das im Gemeinderat nicht wieder behandeln. Einige Gemeinderäte bestätigten die Aussagen von Vaas und gaben ihm volle Rückendeckung.

Und dann war da noch eine Anwohnerin des Volksfestplatzes, die in ruhigen Worten schilderte, dass sich dort immer wieder Jugendliche versammelten, um am Abend, vor allem am Wochenende, Lärm zu machen. Da müsse jetzt einmal eine Regelung getroffen werden, appellierte sie an den Bürgermeister. Dem war die Situation bewusst, er stehe schon mit dem gemeindlichen Jugendpfleger und der Polizei in Kontakt. Man werde nun rigoros durchgreifen, lasse Personalien aufnehmen, um Bußgelder oder auch Platzverweise aussprechen zu können.

Remmidemmi auf dem Volksfestplatz

Eines wisse man schon: Die meisten jungen Erwachsenen, die das „Remmidemmi “ machten, kämen aus Unterschleißheim und Pfaffenhofen. Was da auf dem Volksfestplatz passiere, gehe auch ihm „gegen den Strich“, wie Vaas betonte. Logisch, denn der Volksfestplatz ist ja für das Volksfest da. Und das wird es im Jahr 2022 eben endlich wieder geben – „O’zapft is!“ durch den Bürgermeister inklusive.

Noch mehr aktuelle Nachrichten aus dem Landkreis Freising finden Sie auf Merkur.de/Freising.

Auch interessant

Kommentare