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Die Heiligen Marinus und Theklanus auf einem Tafelbild von 1438. Die Malerei auf Tannenholz war einst Inventar der Neustifter Klosterkirche. Es kam bei der Säkularisation 1803 in bayerischen Staatsbesitz und wurde 1920 dem Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg übergeben (Inventarnummer: Gm898).

Die Geschichte der Reliquien in der Pfarrkirche St. Peter und Paul

Alte Neustifter aus Schottland und Rom

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Freising - Die Historie zur Wies-Wallfahrt ist Freisingern bekannt. Dass es aber einst vor den Toren der Stadt eine weitere Gnadenstätte gab, wissen die Wenigsten: Im Mittelalter wirkten im Umgriff des heutigen Neustift Bischof Marinus und sein Diakon Theklanus als Wohltäter. Sie wurden nach ihrem Tod als Heilige verehrt. 

Sie erstrahlt im neuen Glanz, die Neustifter Pfarrkirche St. Peter und Paul. Der Innenraum des Barockjuwels wurde in rund drei Jahren unter den Händen der Restauratoren und anderen Handwerker zu neuem Glanz gebracht. Saniert wurden auch zwei Prunkschreine, die in den mittleren Seitenaltären des Gotteshauses untergebracht sind. Darin liegen reich verzierte Reliquien: die Skelette der römischen Katakomben-Heiligen Ascania und Ascanius. Sie liegen hier seit dem 18. Jahrhundert, beschafft in Rom auf Veranlassung von Fürstbischof Franz von Eckher – und verbunden mit einer spannenden Geschichte. Der Freisinger Kirchenfürst wollte mit den Reliquien seinerzeit eine lokale Wallfahrt wieder in Schwung bringen, die zwei besonderen Geistlichen galt: den irisch-schottischen Missionaren Marianus (Marian) und Theklanus (Theclan). „Die beiden Kirchenmänner wurden nach ihrem Tod als heiltätige Heilige verehrt“, weiß Günther Lehrmann, Kenner und Erforscher der Neustifter Kirchengeschichte. Denn Bischof Marian und sein Neffe Diakon Theklan wirkten im 8. Jahrhundert vor den Toren der Stadt – im Umgriff des heutigen Neustift. Die Missionare pflegten die in einem von ihnen gegründeten Leprosenhaus Schwerkranke. Nach ihrem Tod wurden sie auch vor den Toren der Stadt beerdigt. Ihre Grabstatt in einer dem Heiligen Godehard geweihten Kapelle entwickelte sich zum lokalen Wallfahrtsort. Viel später, nach der Gründung des Klosters Neustift, wurden ihre reich verzierten Leiber in die Klosterkirche von Neustift überführt. Günther Lehrmann: „Die Wallfahrt gab es bis zum 30-Jährigen Krieg. Dann wurden bei einer Brandschatzung von Kloster und Kirche durch marodierende Schweden im Jahr 1634 die Reliquien verbrannt.“ Die Wallfahrt kam zum Erliegen. 

Jahre später dann griff Fürstbischof Johann Franz Eckher ein. Er ordnete an, sogenannte Katakomben-Heilige, Märtyrer aus der Zeit der Christenverfolgung, aus Rom nach Freising zu schaffen.“ So wurden 1724 die Leiber der heilig gesprochenen Ascania und Ascanius nach Neustift gebracht und feierlich in den beiden Seitenaltären der Klosterkirche beigesetzt: „Doch die Wallfahrt erlebte keine Renaissance mehr“, erzählt Lehrmann. Jetzt, nach knapp 300 Jahren, wurden die beiden „Neustifter Römer“ wieder aus ihren Glasschreinen geholt. Und zwar von den Fachleuten der Restaurierungs-Firma Neubauer aus Bad Endorf. Neustifts Kirchenpfleger Josef Geißdörfer war dabei: „Die Skelette sind mit hauchfeinen Gespinsten und Brokat gefasst, dazu noch mit filigranen Dekorationen versehen. All das hatte nach den vielen Jahrhunderten gelitten.“ Vor allem Insekten hatten ihr zerstörerisches Werk getan. Da mussten ganze Teile, vor allem im textilen Bereich, erneuert werden: „Zu dieser Arbeit braucht man viel Fingerspitzengefühl.“ Zudem wurden die Schreine gesäubert und ausgebessert. „Das alles ist Teil der Kirchen-Restaurierung“, erklärt Geißdörfer. Genau wie die Überarbeitung der Ignaz-Günther-Holzplastiken: von Helena, König David sowie den Heiligen Augustinus und Norbert samt den dazugehörigen Putten. „Da wurden Risse geschlossen, Farben ergänzt und vor allem die Figuren eingehend gesäubert.“

 Die vier etwa drei Meter großen Plastiken waren dann seit Ende vergangenen Jahres in einer Ignaz-Günther-Ausstellung in der Hypo-Kunsthalle zu sehen gewesen. Im April wurden sie wieder in ihre Holzkisten verpackt und nach Neustift transportiert: „Doch wir konnten die Figuren noch nicht aufstellen“, erklärt Geißdörfer, „weil ja das Gerüst noch im Kircheninnenraum stand und den Platz für die Figuren verstellte.“ Aber im November war es dann soweit. Die Arbeiten waren weitgehend abgeschlossen und das Gerüst konnte größtenteils abgebaut werden. Dann wurden die Figuren Anfang Dezember wieder aufgestellt. In Millimeterarbeit und unter Zuhilfenahme eines Hubliftes schwebten die zwischen vier und sechs Zentner schweren Skulpturen auf ihre Plätze an Hauptaltar und Seitenaltären zurück. Bei den Weihnachtsgottesdiensten, die wieder in der Kirche stattfinden (siehe Kasten unten), können sie begutachtet werden.

Die Kunstwerke wurden aber nicht einfach nur abgestellt, sondern nach einem ausgeklügelten Schema ausgerichtet, wie Geißdörfer weiß: „Selbst die Blickrichtungen der Figuren gehören zum Raumkonzept der Kirche.“ Das wurde in jeder Phase der Arbeiten besprochen, damit das Kirchenjuwel St. Peter und Paul bei der Altarweihe durch Reinhard Kardinal Marx am Sonntag, 10. Juli, in allen Facetten richtig strahlt. Inklusive der beiden römischen Märtyrer, die auf Geheiß des Fürstbischofs einst zu Neustiftern wurden.

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