Rowdy ausgebremst

Amtsgericht Freising zieht Testfahrer aus dem Verkehr

Freising - Im Mai 2015 verurteilte das Amtsgericht einen Drängler zu einer Geldstrafe und entzog ihm den Führerschein. Jetzt wurde das Urteil rechtskräftig – alle eingelegten Rechtsmittel blieben erfolglos. Das dürfte den 34-Jährigen hart treffen: Er ist Testfahrer.

Schauplatz war die A 9, auf der der Testfahrer und Fahrzeugingenieur wegen eines vorausfahrenden Pkw abrupt abbremsen musste. „Der Mann versuchte nun, dieses Fahrzeug von der linken Spur zu drängen“, berichtet der stellvertretende Freisinger Amtsgerichtsdirektor Manfred Kastlmeier von dem Fall. „Einem hinter dem Angeklagten fahrenden Zeugen, der mit Frau und zwei Kindern auf dem Nachhauseweg war, erschien dieses Manöver so riskant, dass er auf die mittlere Spur wechselte. Beide Fahrzeuge fuhren dann kurz nebeneinander her, bis der Angeklagte mehrfach versuchte, den Zeugen abzudrängen und auf die mittlere Spur zu wechseln. Als dies nicht gelang, beschleunigte der Angeklagte und zog nach rechts auf die mittlere Spur. Dabei rammte er den Wagen des Zeugen.“

An dessen Wagen entstand dabei ein Schaden von 2500 Euro. Aber nicht nur das: „Nachdem beide Fahrzeuge angehalten hatten, kam es zu Drohungen und Beleidigungen durch den Angeklagten und dessen Beifahrer“, berichtet Kastlmeier, „So wurde ein unbeteiligter Autofahrer, der den Vorfall beobachtet hatte und sich nun als Zeuge zur Verfügung stellen wollte, unter anderem als ,Nazi-Schwein’ bezeichnet.“

Der Angeklagte bestritt die Tat. Er selbst sei gerammt worden. Beleidigt hätte er niemanden, nur deeskalieren wollen. Das Gericht schenkte jedoch den Aussagen der Zeugen Glauben, die den Vorfall stimmig und nachvollziehbar schilderten. Auch die Polizeibeamten schilderten vor Gericht, dass einzig vom Angeklagten eine aggressive Stimmung ausging. Die anderen Zeugen hatten sich aus Angst in ihren Fahrzeugen eingeschlossen.

Das Amtsgericht verurteilte den Angeklagten wegen fahrlässiger Straßenverkehrsgefährdung und Beleidigung zu einer spürbaren Geldstrafe. Gleichzeitig wurde der Führerschein des Angeklagten beschlagnahmt. Wer so fährt, lautete die Einschätzung des Gerichts, ist charakterlich ungeeignet zum Führen von Kraftfahrzeugen.

Gegen dieses Urteil legte der Angeklagte Berufung ein – erfolglos. Das Landgericht Landshut kam nach der durchgeführten Beweisaufnahme, in deren Verlauf der Unfallhergang auch durch eine Computersimulation nachgestellt wurde, zu demselben Ergebnis wie zuvor das Amtsgericht. Die hiergegen eingelegte Revision des Angeklagten wurde nun vom Oberlandesgericht München als unbegründet verworfen.

Manfred Kastlmeier,

stellvertretender Amtsgerichtsdirektor, 

berichtet für das Freisinger Tagblatt in unregelmäßigen Abständen über ungewöhnliche Gerichtsfälle.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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