Gericht verurteilt 38-Jährigen

Angeklagter hortet über 700 kinderpornographische Bilder - und bekommt Bewährung

Landkreis-Süd - Mehrere hundert kinderpornographische Bilder hat ein 38-Jähriger aus dem südlichen Landkreis auf seinen Computern, USB-Sticks und seinem Handy gespeichert. Das Amtsgericht Freising verurteilte den Mann zu einer Freiheitsstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt wurde – aber bei der kleinsten Verfehlung vollzogen wird.

Auf fast 600 der 767 Bilddateien, die Kripobeamte bei einer Hausdurchsuchung im Oktober 2015 auf Notebooks, einem Handy, mehreren USB-Sticks und der Festplatte seines Computers entdeckten, sind Kinder zu sehen, denen sexuelle Gewalt angetan wird. 60 weitere Fotos zeigen Opfer ab 14 Jahren. Die Staatsanwaltschaft rügte das Bildmaterial als „harten Tobak“. Besonders an die Nieren gingen Richter Manfred Kastlmeier Fotografien wie das von dem drei-, vielleicht vierjährigen Mädchen, das von einem erwachsenen Mann aufs Brutalste sexuell missbraucht wird.

Den Kriminaler, der die Ermittlungen leitete, ließen die Ermittlungen nicht kalt. Fotos von missbrauchten Kindern verkraftet er trotz seiner 56 Jahre Lebenserfahrung nur schwer. Als das Gericht die Prozessbeteiligten zur obligaten Bilderschau bat, blieb der Beamte hocken. „Extreme Sachen“ seien darunter, sagte er nur.

Dass Kastlmeier die zehnmonatige Freiheitsstrafe zur Bewährung aussetzte, verdankte der Angeklagte dem Umstand, zuletzt 2010 eine Bewährung straffrei durchgestanden zu haben. Der hafterfahrene 38-Jährige ist zehnfach vorbelastet. Ebenfalls zu seinen Gunsten wertete das Gericht, bisher nicht als Sexualtäter aufgefallen zu sein. Der 38-Jährige hatte sich vor allem als Dieb und Betrüger versucht. Zudem war er sieben Mal wegen Fahrens ohne Führerschein dran.

Dem Angeklagten war an jenem 21. Oktober 2015 schnell klar geworden, dass der Vorhang für ihn gefallen war. „Kreidebleich sei er gewesen“, erinnerte sich der ermittelnde Polizist. Der 38-Jährige habe sich fortan kooperativ verhalten. Im Prozess trat der 38-Jährige übermäßig geläutert auf. Die Hände zwischen den Knie gefaltet, saß er vornübergebeugt an der Anklagebank.

Der devote Auftritt blendete Kastlmeier nicht. Der Vorsitzende Richter ließ sich nicht abspeisen mit Erklärungen der Art: „Ich weiß nicht, was in mich gefahren ist.“ Er habe so einiges verbockt in seinem Leben, sagte derAngeklagte. „Dass ich so etwas tun würde, hätte ich nie gedacht.“ Letztendlich habe wohl Langeweile ihn verführt, Kinderpornos zu betrachten, mutmaßte er.

Kastlmeier akzeptierte die Erklärung nicht. „Eine ganz beachtliche Sammlung haben Sie da gehortet. Von einmal kurz reinschauen kommt so was aber nicht“. stellte der Richter fest. Abgesehen von der eigenen Verderblichkeit, unterstützt der 38-Jährige mit seinem Verhalten einen brutalen Markt. „Die Fotos geben ein tatsächliches Geschehen wieder“, sagte Kastlmeier: „Das sind keine am Computer hergestellten Szenen.“ Die Staatsanwältin versprach, während der Bewährung ein Auge auf den 38-Jährigen zu richten und warnte ihn vor: „Beim geringsten Mucks sitzen Sie die Strafe ab!“

Andreas Sachse

Rubriklistenbild: © dpa

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