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Mit Annette Schavan eröffnete die Direktorin des Bildungszentrums Claudia Pfrang (l.), die neue Veranstaltungsreihe – Tilman Kleinjung vom BR moderierte. 

Annette Schavan – Botschafterin am Heiligen Stuhl in Rom

Im Vatikan herrscht eine „Diplomatie der langen Linie“

„Sonntags am Domberg“– mit einer neuen Veranstaltungsreihe startet das Bildungszentrum im Kardinal-Döpfner-Haus in das neue Jahr: Eine Reihe, die die großen Veränderungen am Freisinger Domberg in den nächsten Jahren begleiten soll. Zum Auftakt kam eine Politikerin, die ebenfalls große Veränderungen hinter sich hat.

Freising Die Direktorin des Bildungszentrums, Claudia Pfrang, begrüßte die frühere CDU-Politikerin Annette Schavan, die seit 2014 das diplomatische Amt der deutschen Botschafterin am Heiligen Stuhl in Rom ausübt. Rund hundert Gäste waren der Einladung auf den Domberg gefolgt. Die romantische Stimmung und die lauschigen Orte am Domberg locken sonntags viele Spaziergänger auf den Freisinger Lehrberg. Warum nicht an diesem Tag eine Veranstaltung anbieten, die über die Bauphase „hinüber rette“? Das sei ihre Überlegung gewesen, die Reihe ins Leben zu rufen, erläuterte Pfrang. Die katholische Kirche sei in ihrer Geschichte doch stets von Veränderungen geprägt gewesen.

Im Gespräch mit BR-Redakteur Tilman Kleinjung parlierte Schavan über ihre Aufgaben am Heiligen Stuhl und die neuen Impulse, die durch Papst Franziskus für die Weltkirche ausgesendet werden. Ganz in Schwarz gekleidet, bei der die weiß gepunktete Bluse Kontraste setzte, saß Schavan auf dem Podium. 2013 war die frühere Bundesministerin für Bildung und Forschung mit Plagiatsvorwürfen konfrontiert worden, in Folge derer ihr der Doktortitel aberkannt worden war und sie den Rücktritt als Bildungsministerin erklärt hatte. Seit Juli 2014 ist sie deutsche Botschafterin am Heiligen Stuhl in Rom.

Was sich denn in den drei Jahren, die sie dort als Diplomatin wirke, für sie verändert habe, das wollte der BR-Journalist als erstes wissen. Es sei eine andere „zeitliche Perspektive“, die am Heiligen Stuhl vorherrsche, antwortet Schavan. Sozusagen eine „Diplomatie der langen Linie“. Als Politiker sei man tagtäglich mit enormen Druck behaftet, inhaltlich rasch zu reagieren. Ganz anders sei das am Heiligen Stuhl. Sie verwende gerne das Bild „vom Fels in der Brandung“. Franziskus sei keiner, der im Bündnis stehe, sondern einer, der souverän agieren und auch so manches ungeschminkt sagen dürfe. Das Gegenüber des Heiligen Stuhls sei ja kein Staat, sondern eine weltweite Religionsgemeinschaft. 50 Jahre nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil erlebe die Katholische Kirche mit Papst Franziskus ganz neue Impulse. Franziskus rufe auf, den Narzissmus zu beenden. „Jesus wartet nicht“, so zitierte Schavan das Oberhaupt der Katholischen Kirche. Die Kirche erneuere sich nicht von oben. Franziskus sei einer, der schaue, was auf dem Weg liege, der nicht blind zum Tabernakel gehe. Die Zukunft der Kirche liege darin, sich am Glauben des Volkes zu orientieren. Die nachfolgende Generation sollte man ermutigen, die Weite, die die jetzige Generation in Glaubensfragen erreicht habe, weiter zu verfolgen: „Christen müssen die Enge weiten, Sprengarbeit leisten.“

Maria Martin

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