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Der Andrang auf den zweiten TUM-Vortrag war gewaltig: Die Sitzplätze reichten nicht aus – einige hörten Prof. Dirk Haller im Stehen zu.

Ansturm auf zweiten TUM-Vortrag in Freising

TUM-Vortrag: So beeinflussen Mikroorganismen unsere Gesundheit

Allergien, Asthma, Multiple Sklerose, Fettleibigkeit oder Diabetes: Viele Erkrankungen können mit den etwa hundert Milliarden Darm-Bakterien zusammenhängen. Mit dieser beeindruckenden Zahl wurde am Donnerstagabend eine weitere Folge der Reihe „TUM@Freising Wissenschaft – erklärt für alle“ im Oberhaus des Lindenkellers eröffnet.

Freising Über „Mensch und Mikrobe – wie Mikroorganismen unsere Gesundheit beeinflussen“ referierte Prof. Dirk Haller vom Lehrstuhl für Ernährung und Immunologie der Technischen Universität München. Gut, dass man im Vorfeld den Saal mit mehreren hundert Sitzgelegenheiten bestuhlt hatte. Denn der Andrang zu der Vortragsreihe war riesig. Die ersten wissbegierigen Gäste hatten sich bereits eine Stunde vor Beginn des Vortrags ihren Sitzplatz gesichert. Wer später kam, musste sich mit einem Stehplatz begnügen.

Es ging gleich in media res: Ganz unterschiedlich sei das Stuhlgewicht bei den einzelnen Völkern der Erde: im hochzivilisierten Europa und in den USA geringer als bei sogenannten Naturvölkern in Afrika. Haller erläuterte das so: Die Kost im ländlichen Afrika sei vor allem pflanzlicher Natur, also ballaststoffreicher als die vorwiegend fette Küche im Westen. Das wirke sich natürlich auf die Darmflora aus. Ob und wie weit diese unterschiedliche Ernährung zur Häufigkeit von Dickdarmkrebs beitrage, das sei schon in einigen Studien untersucht worden, betonte Haller. Ein höheres Stuhlgewicht scheine demnach vor Dickdarmkrebs zu schützen.

Die Forschung über sämtliche Arten aus denen sich das individuelle Mikrobiom eines Menschen, also die Gesamtheit aller den Menschen besiedelnden Mikroorganismen, zusammensetze, sei eine noch recht junge wissenschaftliche Disziplin, erläuterte der Professor. Jedes Mikrobiom unterscheide sich voneinander. Es charakterisiere den Menschen und ließe sich sogar forensisch nutzen als eine Art mikrobieller Fingerabdruck: „Vermeiden Sie es, wenn Sie eine Straftat begehen wollen, auf die Toilette zu gehen“, scherzte der Wissenschaftler.

Auch die Art der Geburt – ob natürlich oder per Kaiserschnitt – habe laut Studien einen Einfluss auf unser Mikrobiom. Denn im Geburtskanal käme der Embryo mit Keimen aus dem Darm der Mutter in Berührung. Die Hysterie, dass im Umfeld von Kleinkindern alles keimfrei sein müsse, sei schlecht. Auch die Bedeutung von Antibiotika und ihr Zusammenspiel mit dem Mikrobiom wurde angesprochen. Diese rissen regelrecht ein Loch in die natürliche Darmbesiedelung.

Der Schwerpunkt der anschließenden Diskussion lag darin, ob es allgemein gültige, gesicherte Erkenntnisse darüber gebe, wie sich der Mensch idealerweise verhalten und ernähren solle, um mit einem stabilen Mikrobiom zu leben. Die Forschung stehe noch am Anfang, räumte Prof. Haller ein. Gesicherte Erkenntnisse hoffe man, in den kommenden Jahrzehnten zu gewinnen.                                                                      Maria Martin 

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