Bericht aus dem Gericht

Anzügliche Fotos herumgeschickt: Freispruch

Neufahrn - Ein 20-Jähriger aus Neufahrn soll Nacktaufnahmen seiner Freundin per Handy herumgeschickt haben. Im Prozess stellte sich die mittlerweile Ex-Freundin dann aber doch hinter den jungen Mann – der Grund ist unklar.

Nacktaufnahmen seiner Freundin (17) soll ein 20-Jähriger im Freundeskreis herumgereicht haben. Vor dem Amtsgericht Freising musste sich der Azubi verantworten, da er den höchstpersönlichen Lebensbereich der jungen Neufahrnerin durch Bildaufnahmen verletzt haben soll.

Welche Motive wahrhaft mit dem Prozess verbunden sein mögen, bleibt wohl für immer im Dunkeln. In der Verhandlung stellte sich heraus, dass ausgerechnet Herkunft und Verbleib der Schmuddelbildchen offen sind. Die mutmaßlich geschädigte, frühere Freundin des Angeklagten stellte sich plötzlich hinter den 20-Jährigen, der relativ lustlos bestritt, Nacktfotos an Freunde verschickt zu haben. „Wir haben uns ausgesprochen“, sagte die Schülerin: „Ich glaube ihm.“ Das Gericht sprach den 20-Jährigen daraufhin frei. Die einstigen Freunde gehen inzwischen getrennte Wege.

Jugendrichter Boris Schätz plagt der Verdacht, dass „diese seltsame Konstellation von Menschen“, die dereinst befreundet waren, heute aber keinen Kontakt mehr pflegen, Polizei und Justiz wahrscheinlich benutzten, „um persönliche Fehden auszufechten.“ Nicht bestreiten lässt sich, dass Fotos ausgetauscht wurden. Der Angeklagte gab an, Bilder von seiner Ex geschickt bekommen zu haben.

Auf den Bildern, die der Angeklagte seinen beiden Freunden zeigte, soll die Freundin, zumindest notdürftig in Unterwäsche gewandet, zu sehen gewesen sein. Auf einem Bild seien zwar Brüste erkennbar gewesen. „Dafür war ihr Gesicht nicht drauf.“ Keine Nacktbilder, beschwor der 20-Jährige. Schon gar keine Sex-Fotos. Von dem Bild, das die Ex rücklings nach vollendetem Akt zeigt, will der Angeklagte nichts wissen.

Seine damaligen Kumpels (18 und 19) um so mehr. Ein dutzend Mal rief der 19-Jährige das Mädchen in der Nacht an, um ihr von dem Foto zu erzählen. Der 18-Jährige will das Bild ebenfalls gesehen haben. Gerade der übertriebene Eifer aber, den der 19-Jährige zur Schlafenszeit an den Tag legte, ließ die 17-Jährige aufhorchen, als der erste Anfall von Empörung abgeklungen war. Nachdem sie sich von dem 20-Jährigen getrennt hatte, soll der Angeklagte die Freundin des 19-Jährigen angegraben haben.

Die 17-Jährige bestätigte, mit dem Ex Bilder getauscht zu haben. Stets habe sie auf den Fotos aber BH und Slip getragen. „Ganz war nie was zu sehen.“

Ob es das Schmudelbildchen gab oder nicht? Wer das Foto gesehen hat oder nicht? Wer es versandt und wer das Bild empfangen hat? All diese Fragen bleiben offen. Ausschlaggebend für Richter Schätz, auf Freispruch zu erkennen, war der Meinungsumschwung, den die 17-Jährige vollführte. Mutmaßlich geschädigt, stellte sie sich vor ihren Ex-Freund: „Ich glaube ihm.“ Den Angeklagten schien der Ausgang des Verfahrens nicht sonderlich zu sorgen. Demonstrativ unbekümmert streckte er sich gelangweilt, gähnte zuweilen.

Rubriklistenbild: © dpa

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