Katzen werden immer mehr

Appell des Tierschutzvereins: Kastrieren ist das A und O

Wollersdorf – Fiene und Ferdi, das schwarz-weiße Geschwisterpaar, läuft seit ein paar Tagen auf tapsigen Pfötchen. Der rot getigerte Karly ist kugelrund und deutlich dicker als seine Geschwister, Glückskätzchen Katja und der getigerte Kaspar. Dagegen füllen die hell getigerte Lina und Schildplatt Lale gerade einmal eine Frauenhand aus.

Die Mütter der größeren Kätzchen stammen vom Milchhof Zierer in Kleinbachern. Bei einer Kastrationsaktion des Tierschutzvereins Freising wurden die schwarz-weiße Fernanda und ihre damals vier bis fünf Tage alten Jungen im Heu gefunden. Das schielende Klärchen war zu hoch trächtig, um noch kastriert werden zu können. Genauso wie die dunkel getigerte Klothilde, die jeden Tag ihre Jungen bekommen könnte. Alle leben derzeit in Wally Popps Katzenzimmer in Wollersdorf bei Mauern. „So viele Mütter und Findelkinder wie dieses Jahr hatte ich noch nie“, erzählt die Leiterin des Fachbereichs Katzen. „Auch zwei trächtige Fundkatzen wurden bei uns abgegeben, aber nachdem ihre Fotos in der Zeitung veröffentlich worden sind, haben sich die Besitzer gemeldet.“

Die Kätzchen sind süß, keine Frage. Aber Tierbesitzer, die ihre Katzen nicht kastrieren lassen, tragen dazu bei, dass sich die Tiere unkontrolliert vermehren und immer unbeliebter werden. Tierschutzvereine werden besonders jetzt im Frühsommer von einer wahren Katzenflut überrollt. Da es im Landkreis kein Tierheim gibt, müssen Privatpersonen wie Wally Popp die Tiere bei sich aufnehmen. „Kastrieren ist das A und O“, betont die Tierschützerin.

Sie ist erschöpft, sie ist heute Nacht um halb zwei Uhr das letzte Mal im Katzenzimmer gewesen, um vier Uhr klingelte bereits wieder der Wecker. Die beiden Findel-Kätzchen wurden zwar von Klärchen adoptiert, die größeren Miezen verdrängen sie allerdings von der Milchbar, deshalb muss Wally Popp sie mit der Flasche zufüttern – alle zwei Stunden und mit spezieller, teurer Nahrung. Die beiden wurden im Abstand von drei Tagen auf Wiesen im Landkreis gefunden, keine Katzenmutter war in Sicht. „Lina war völlig unterkühlt“, erzählt sie, „ich habe sie erst einmal auf ein Wärmekissen gesetzt und ihr warme Milch eingeflößt.“ Wer ein einsames Junges findet, dem rät die Expertin, zunächst dessen Zustand zu prüfen. „Ein Kätzchen ist kein Rehkitz, man darf es ruhig anfassen.“ Macht das Kleine einen guten Eindruck und ist das Wetter nicht zu kalt, sollte der Finder zwei bis drei Stunden abwarten. Hat sich bis dahin keine Katzenmutter blicken lassen, sollte man es mitnehmen, warm halten und zum Tierarzt bringen oder den Tierschutzverein benachrichtigen.

Teresa Pancritius

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