Bericht aus dem Gericht

Applaus im Gerichtssaal: Freisinger nach gefährlicher Körperverletzung auf Bewährung

Freising – Das hat Vorsitzender Richter Ralph Reiter auch noch nicht erlebt: Ein Freisinger (24) steht wegen gefährlicher Körperverletzung vor Gericht – und obwohl die Berufungskammer ihn wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilte, klatschte sein Freundeskreis lautstark.

Der Grund: Die verhängte Freiheitsstrafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Der 24-Jährige konnte den Gerichtssaal nach drei Monaten Untersuchungshaft als freier Mann verlassen.

Im August hatte der Strafrichter den 24-Jährigen wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten verurteilt. Der Mann war in den frühen Morgenstunden des 10. August mit einer jungen Frau in einen heftigen Streit geraten. Diese hatte sich auf den Fahrersitz des Wagens eines Bekannten gesetzt, der 24- Jährige wollte sie dann an den Haaren herunterziehen. Ein Kirchdorfer (29), der erheblich alkoholisiert war, mischte sich ein, lief auf ihn zu und fing sich prompt einen Schlag ins Gesicht und Fußtritte ein. Die Ärzte diagnostizierten bei ihm später eine doppelte Unterkieferfraktur. Der 29-Jährige musste operiert werden und konnte sich dann vier Wochen lang nur über einen Strohhalm ernähren und keine feste Nahrung zu sich nehmen.

Der 24-Jährige, der nach dem Freisinger Urteil noch im Gerichtssaal wegen Fluchtgefahr festgenommen wurde, ging in die Berufung. Vor der Neuauflage vor der 6. Strafkammer des Landshuter Landgerichts hatte er sich einige Pluspunkte gesichert: Er hatte seinem damaligen Kontrahenten ein Schmerzensgeld im mittleren vierstelligen Bereich gezahlt und sich entschuldigt.

In der Berufung lieferte er über eine Erklärung seines Verteidigers ein umfangreiches Geständnis ab: Die Stimmung habe sich „aufgeheizt“. Als der 29-Jährige auf ihn zugelaufen sei, habe er Angst bekommen und dann zugeschlagen und zugetreten. Er bedauere das, entschuldige sich dafür. Das Opfer berichtete: „Ich bin dazwischengegangen, wir haben uns blöd angemacht und als ich auf ihn zugelaufen bin, habe ich den Faustschlag und am Boden liegend die Fußtritte bekommen.“ Der 29-jährige sagte daraufhin zum Richter: „Ich bin mir sicher, dass es ihm leid tut.“ Zudem hatte der Kirchdorfer seinen Strafantrag nach der Zahlung des Schmerzensgelds wieder zurückgenommen.

Da war es dann auch keine Überraschung mehr, dass die Berufungskammer – wie von Staatsanwalt und Verteidiger beantragt – das Strafmaß auf ein Jahr und zehn Monate reduzierte und die Freiheitsstrafe zur Bewährung aussetzte.

Walter Schöttl

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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