"Asylbewerber werden nur verwaltet"

Landkreis - Bis Ende 2015 leben über 1300 Flüchtlinge im Landkreis. Der Moosburger Reinhard Kastorff fragt kritisch: „Wann kommt das landkreisweite Betreuungskonzept?“

Derzeit sind 579 Asylbewerber in 41 verschiedenen Betreuungseinrichtungen untergebracht, zitiert Josef Hauner aus den Statistiken. Bis Endes des Jahres aber wird sich diese Zahl mehr als verdoppeln: Exakt 1314 Flüchtlinge sind von der Regierung avisiert, die im Landkreis untergebracht werden müssen. Hauner schlug bereits Alarm und bat die Bürgermeister in einem Brief um Meldung von freien Gebäuden. „Letzte Chance ist die Belegung von Schulturnhallen“, schreibt er in seinem Appell an die Gemeindechefs (wir berichteten).

Trotz aller Brisanz aber wundert sich der Landkreis-Chef über den scharfen Brief von Reinhard Kastorff: „Ich bin erstaunt, dass er die Arbeit unserer Kreisbehörde so negativ analysiert“, kommentiert Hauner die Zitate des Moosburgers, der sich für Asylbewerber im Landkreis Freising stark macht: „Zumal er in der Vergangenheit immer voll des Lobes über unsere Behörde war.“

Es stimme schlichtweg nicht, dass die Asylbewerber-Problematik nur verwaltet würde, wie Kastorff kritisiert: „Wir haben in unserem Amt engagierte Mitarbeiter, die mit vollem Einsatz für die Flüchtlinge im Einsatz sind.“ Dabei werde auch „bis in den Abend hinein oder am Wochenende gearbeitet, wenn es nötig ist“. Reinhard Kastorff mahnt in seinem Schreiben weiter an, es fehle ein „Kümmerer und Vermittler, der als Bindeglied zwischen Verwaltung, Flüchtlingen, Ärzten, Vereinen, Bürgermeistern, Nachbarn und Ehrenamtlichen fungiert“. Diese Funktion sollte mit einem Mitarbeiter des Landratsamts und einem Ehrenamtlichen besetzt sein. Kastorff: „Für die Wirtschaftsförderung gibt es eine derartige Position schon seit Jahren ganz selbstverständlich.“

Zudem fehle ein „strukturiertes Angebot“ an Deutschkursen, moniert der Moosburger Ehrenamtliche. Grundsätzlich resümiert er in seinem Brandbrief: „Auf allen Themengebieten wird nur vor sich hin gearbeitet. Es fehlt ein umfassendes Konzept.“ Und das sei umso dringender angesichts der jetzt im Raum stehenden Flüchtlingszahlen.

Landrat Hauner kontert: „Die Einrichtung dieser zentralen Vermittlerstelle ist angeschoben worden und Teil der Haushaltsberatungen.“ Hauners Coup: „Die Stelle wurde als Leader-Projekt angemeldet. So gibt es aus diesem regionalen Fördertopf der EU auch Mittel dafür.“

Und ein landkreisweit zu koordinierendes Angebot an Deutschkursen sei ebenfalls „in Arbeit“: „Wir erheben gerade bei den verantwortlichen Ehrenamtlichen vor Ort, was für Kurse im Speziellen benötigt werden.“ Denn bei den Flüchtlingen reiche die Spanne „vom Analphabeten bis hin zum Studenten ohne Deutschkenntnisse“.

Zudem müsse geklärt werden, welche Kräfte sich um diesen Sprachunterricht kümmern: „Es gibt ja im Landkreis schon ein hervorragendes Beispiel in Zolling, wo sich pensionierte Lehrer um den Deutschunterricht für Kinder von Asylbewerbern kümmern.“ Dieses Modell sei ebenso vorstellbar wie die Betreuung durch Volkshochschulen.

Hauner: „Ich kann Herrn Kastorff versichern, dass ich und die Verwaltung uns der Problematik langfristig orientiert stellen."

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