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Ein Dorf im Glück: Attaching feiert die Absage der Münchner an die Startbahn-Pläne der Flughafen GmbH.

Nach der Startbahn-Entscheidung in München

Attaching: Ein Dorf im Glück

Attaching - Die dritte Startbahn kommt nicht – ein Glücksfall für Attaching, das sonst in der Einflugschneise gelegen hätte. Das Dorf könnte feiern. Aber die Menschen sind skeptisch: Warum wird überlegt, den Bau doch noch durchzuboxen?

Sie trauen dem Frieden noch nicht. Es ist Montagmittag in Attaching – und Isabella Schwaiger, 40, und ihre Mutter Rita Lacherbauer, 70, stehen auf dem Balkon des Häuschens Am Sportplatz 14. Gerade rollen sie das Banner ein, das am Geländer hängt: „Dieser Ort soll unsere Heimat bleiben, doch die FMG will uns vertreiben“, steht drauf; vor gut drei Jahren haben sie es drucken lassen. 160 Euro hat es damals gekostet. Es ist ein unübersehbares Zeichen des Widerstands – des Widerstands gegen die dritte Startbahn am Flughafen.

Gesichter des Widerstands: Attaching im Glück

Attaching: Das Gesicht des Startbahn-Widerstands

Nun also kommt das Zeichen in den Keller – vorerst zumindest. Dass die dritte Startbahn für alle Zeiten vom Tisch ist, daran glauben die zwei Frauen noch nicht. Die beiden wohnen mit ihren Familien in der „Todeszone“. So nannten die Menschen aus Attaching (Kreis Freising) das Gebiet rund um den Sportplatz. Hätten sich die Befürworter der Startbahn beim Bürgerentscheid am Sonntag durchgesetzt –„man hätte hier nicht mehr leben können“, sagt Lacherbauer. In rund 80 Metern Höhe wären die Jets dann über ihren Köpfen hinweggedonnert – unerträglich. Die Familie hätte ihr Häuschen aufgeben müssen. Nach 45 Jahren.

Doch die Zeit der Konjunktive scheint vorbei. Nervös saß die Familie am Sonntagabend vor dem Fernseher – und schaute der deutschen Mannschaft beim Spiel gegen Dänemark zu. Doch nebenher checkte Schwaiger immer wieder im Internet, wie die Münchner abgestimmt hatten. Als endlich feststand, dass es eine Mehrheit gegen die dritte Startbahn gibt, machte die Familie eine Flasche Sekt auf. „Wir sind überglücklich“, sagt Schwaiger. Sie sagt aber auch: „Nach der Wahl geht der ganze Zinnober ja wieder von vorne los.“

Offensichtlich liegt sie damit nicht ganz falsch. Das zeigt sich – ziemlich zeitgleich – in München. Im Wirtshaus neben der CSU-Zentrale sitzt der Generalsekretär vor einer Weißwurst und windet sich. Alexander Dobrindt mag auch auf x-fache Nachfrage weder sagen, dass die Startbahn trotzdem gebaut wird, noch, dass sie nicht gebaut wird. Er nehme das Bürgervotum ernst, sagt er.

Nun ja: Bei CSU und auch FDP ist oft zu hören, die wahre Stimmung sei anders, die Befürworter seien nur nicht zur Wahl gegangen. Intern wurden Pläne gewälzt und verworfen, wie man den Bau doch noch erreichen kann. Entweder soll ein neuer Oberbürgermeister über den Entscheid hinweggehen oder die Stadt gleich ihren Flughafen-Anteil verkaufen – dann könnte sie nicht mehr mitreden. OB Christian Ude (SPD) will beides nicht.

Nach der Wahl zur dritten Startbahn: Bilder von Jubel und Enttäuschung

Nach der Wahl zur dritten Startbahn: Bilder von Jubel und Enttäuschung

In der Landesgeschäftsstelle der Grünen traut man dem Erfolg auch nicht so recht. Kein lauter Jubel, Selters statt Sekt auf den Tischen. Den Bürgerentscheid zu starten, „war definitiv ein Risiko“, sagt Landeschef Dieter Janecek. Dann lächelt er – und sagt: „Aber wer nicht kämpft, hat schon verloren“. Co-Chefin Theresa Schopper erklärt: „Die Startbahn ist gescheitert.“ Schließlich gelte in der Gesellschafterversammlung des Flughafens das Einstimmigkeitsprinzip, gegen die Stimme der Stadt München darf nichts entschieden werden, das bestätigt auch die Flughafen-Gesellschaft.

Als letzten Sargnagel für das Großprojekt fordern die Gegner jetzt, dass Flughafen-Chef Michael Kerkloh und Ministerpräsident Horst Seehofer den Antrag auf Aufhebung des Planfeststellungsbeschlusses einreichen, mit dem der Flughafen das Baurecht zugesprochen bekam. Dem Freisinger OB Tobias Eschenbacher schwant aber schon, dass die beiden Herren der Aufforderung nicht folgen werden. Kerkloh, sagt Eschenbacher, werde versuchen, den Bauantrag „irgendwie durchzufechten, um ihn dann Jahre später einmal wieder aus der Schublade ziehen zu können“.

Das fürchten auch die Menschen in Attaching. Menschen, wie Georg Huber, der seine Klage gegen die Startbahn zunächst nicht zurückziehen will. Huber sitzt mit seiner Frau Maria auf der Terrasse seines Hauses an der Attachinger Dorfstraße. Hinter ihm an der Fassade prangt das bayerische Wappen. Er hat es gerade angebracht. „Ich habe nichts gegen den Freistaat, nur gegen die, die ihn regieren“, sagt er. „So manche Partei, die ich früher gewählt habe, werde ich nie wieder wählen.“ Am Vormittag war Huber beim Kramerladen gegenüber. Der kleine Edeka ist hier der zentrale Ort des Widerstands. Ein paar Kämpfer haben sich eingefunden, man stößt mit einem Bier auf den Erfolg an. Am Schaufenster prangt jetzt der Triumph: „So gefällt es uns! Wir sind das Volk!“ Und: „Danke an alle – und an die Münchner. Wow.“

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Viele Attachinger hatten nicht damit gerechnet, dass die Münchner gegen die Startbahn stimmen. „Da dürfen andere Leute über unser Todesurteil entscheiden“, sagt Huber. Es regt ihn auf. Auch der Attachinger Ortssprecher Johann Hölzl hatte befürchtet, die Münchner wollen die Startbahn. Er sitzt auf seiner Terrasse An der Goldach – und wäre der Garten nicht so zugewuchert, man könnte den Flughafen sehen. Immer wieder muss Hölzl lauter sprechen, weil wieder ein Flugzeug startet. Er, immerhin, glaubt nicht, dass sich die Politik so schnell über den Willen der Münchner hinwegsetzen wird. „Für fünf Jahre ist jetzt Ruhe“, schätzt er. „Die tragen ja viel auf dem Rücken der Bürger aus – aber die Bahn jetzt gleich trotzdem zu bauen, das trauen sie sich nicht.“

Philipp Vetter, Dirk Walter und Christian Deutschländer

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