Heftige Unwetter wüten in Bayern: Mehrere Orte unter Wasser - dramatische Rettungsaktion für weggespülte Autofahrer

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Vor dem „Kramer“ in Attaching kochten gestern die Emotionen hoch: Wut und Verzweiflung packten die Bürger nach der Bekanntgabe des Planfeststellungsbeschlusses. Foto: Lehmann

Attaching - ein Dorf zwischen Wut und Verzweiflung

Freising - Auf einmal sind alle da: Gestern jagt ein Kamerateam das andere, um vor dem „Kramer“ in Attaching Stimmen zur dritten Startbahn einzufangen. Und: Die Emotionen schlagen hoch - ein Dorf zwischen Wut und Verzweiflung.

Seit sechs Jahren empfindet Monika Riesch die Überlegungen für eine dritte Startbahn „wie ein Krebsgeschwür“. Trotzdem: Jetzt, wo die Genehmigung der Regierung vorliegt, ist sie in einer Art Schockzustand.

Wenn sie in ein Mikrofon spricht und darüber reden soll, wie es weitergeht, dann hat sie wässrige Augen. Und mit diesen Gefühlen ist Riesch nicht allein: Während hinter ihr „Aufgemuckt“-Sprecher Hartmut Binner für die Kameras harsche Worte von einer „Bananenrepublik“ findet, kämpft auch Irma Schauer mit den Tränen: „Wir müssen wohl gehen“, sagt sie mit brüchiger Stimme. Seit 300 Jahren lebt ihre Familie in Attaching auf dem Hof, hat dem Moos Land abgerungen. „Jetzt hauen sie uns zum Teufel.“

Sie - das sind in ihren Augen die FMG und die politisch Verantwortlichen. Und dann bricht kurz die Wut aus Schauer hervor: Sie spricht von „Sauerei“ und einer „bodenlosen Frechheit“. Eigentlich aber ist sie nach sechs Jahren, in denen sie und ihre Familie „gehofft, gehofft und wieder gehofft“ habe, mit den Nerven völlig am Ende.

Oberbürgermeister Dieter Thalhammer und Stadtdirektor Gerhard Koch eilen immer wieder nach Attaching, um den Bürgern ihre Unterstützung zuzusagen und vor laufenden Kameras entsprechende Statements abzugeben. Und auch Grünen-Landtagsabgeordneter Christian Magerl ist immer wieder am Ort des Geschehens vor dem „Kramer“.

Schauer ist damit aber nicht zufrieden: „Wir stehen doch ganz allein da, kein Mensch hilft uns“, klagt sie und kritisiert im Überschwang der Gefühle den mangelnden Einsatz der Stadträte und der Politik allgemein.

Am Ort des Geschehens hat sich auch ein Polizeiwagen eingefunden, was bei den Attachingern die Wut noch mehr steigert. Von wegen unangemeldete Spontan-demo, wie es die Polizei sieht. Man dürfe sich doch wohl noch vor dem Tante-Emma-Laden des Dorfes treffen, regt sich Franz Spitzenberger auf. Und nicht nur er: Auch Korbinian Sgoff kann nicht verstehen, wieso sie, die bedrohten Attachinger, unter Polizeiaufsicht stünden. Sgoff ist einer von denen, die nur Wut empfinden: Als zwei seiner Töchter einmal in der Garage bei geschlossenem Tor ein Party feierten, da sei die Polizei gleich um 23 Uhr da gewesen, um gegen die Lärmbelästigung einzuschreiten. Die FMG und „die Schwarzen in München“ könnten aber ein ganzes Dorf und eine Region mit Dauerlärm überziehen.

Inzwischen ist das nächste Fernsehteam eingetroffen, nachdem es zuvor für den BR ein Statement von Flughafen-Chef Michael Kerkloh eingeholt hat. Typisch, so schimpft Sgoff: „Hauptsache, das Fernsehen ist zuerst bei dem Kerkloh und hat von dem was.“ Und auch vor der Kamera werden schwere Geschütze aufgefahren: Ein eloquenter Professor aus Attaching spricht davon, was alles an Zahlen und Fakten zum Flughafen „getürkt“ werde, redet davon, dass „vieles unter den Teppich gekehrt“ werde - etwa die gesundheitsschädigenden Auswirkungen des Flugverkehrs. Und: „Betroffen ist nicht nur Attaching, betroffen ist auch die Demokratie. Denn die Einwände wurden nicht ernst genommen.“

Das sieht auch Freisings Flughafenreferent Manfred Drobny so: Der Beschluss zeige, dass „die von Horsti angesprochene Bürgerbeteiligung eine Farce ist“: Die FMG stelle eine Maximalforderung, der Bürger dürfe was dazu sagen, und dann werde die Maximalforderung erfüllt.

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