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Katzen, Mäuse und ein Möchtegern-Italiener: ’s Attachinger Theater ist nach Corona-Zwangspause wieder da

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Turbulent ging’s zu: (v. l.) Petra (Sabine Setzer), Lore (Daniela Lederer) und Luise (Claudia Brandstetter) nehmen Pino Grigio (Richard Brückl) in die Zange.
Turbulent ging’s zu: (v. l.) Petra (Sabine Setzer), Lore (Daniela Lederer) und Luise (Claudia Brandstetter) nehmen Pino Grigio (Richard Brückl) in die Zange. Fotos: Lehmann © Lehmann

Nach der Corona-Pause spielt s‘Attachinger Theater endlich wieder Theater. Und das neue Stück hat es in sich - ganz nach dem Titel: „Jetzt g‘hörst da Katz“.

Attaching – Drei Schwestern und ein mysteriöser Italiener, der scheinbar aus dem Nichts auftaucht – und der letztendlich, wie man so schön in Bayern sagt, „der Katz g’hört“. Nach der Corona-Pause und dem Einakter „Die Generalprobe“ im vorigen Jahr ist das Attachinger Theater jetzt wieder voll da und zeigt, was es kann – und vor allem, was schmerzlich vermisst wurde. Dabei ist vor allem Richard Brückl auch heuer wieder mal ein Bühnen-Derwisch und vorrangig eines: eine Theater-Urgewalt, die ohne große Mühen die ganze Bühne ausfüllt.

Viel Applaus gab’s für das Ensemble von „Jetzt g’hörst da Katz“: Dieses Foto entstand bei der Premiere der turbulenten Komödie im Alten Schulhaus.
Viel Applaus gab’s für das Ensemble von „Jetzt g’hörst da Katz“: Dieses Foto entstand bei der Premiere der turbulenten Komödie im Alten Schulhaus. © Lehmann

Freilich: Ein „Warten auf Godot“ ist „Jetzt g’hörst da Katz“, geschrieben von Ulla Kling, nicht – aber das muss und soll auch gar nicht so sein. Dennoch ist das Stück ein Kammerspiel, eine Skizzierung von zwischenmenschlichen Nuancen, immer zentral, nie ausfransend. Und es lebt natürlich von den Akteuren auf der Bühne – und mit den Attachinger Laienschauspielern lebt es hervorragend und schillernd. Im Mittelpunkt Brückl als „Pino Grigio“, ein zwielichtiger Italiener, der natürlich gar keiner ist, sondern ein bayerischer Haderlump, der nicht mal auf die Liebe aus ist, sondern nur auf das Diridari. Jetzt muss man Brückl eines attestieren: Der Mann lebt seine Rollen bis auf die Knochen, in- und exhaliert sie und bringt deshalb etwas auf die Bühne, das großartig ist und die Zuschauer sofort in den Bann zieht. Oder anders gesagt: Dem Brückl kauft der Zuschauer die Rolle ab – und das ab dem ersten Satz.

Dreiakter kehrt die Machtverhältnisse um

Bei Klings Stück liegt der Fokus natürlich auf seinem Sprachgebrauch: der pseudo-italienische Akzent, das scheinbar gebrochene Deutsch mit Überspitzungen der Klischee-Floskeln. Brückl zelebriert förmlich diese ganz eigene Sprache, fällt nie heraus und erreicht damit Theaterspiel auf ganz hohem Niveau. Keine Frage: Er ist einer, der alles spielen kann, und das mit einer Wucht, die zwischen brachial und zerbrechlich schwankt – und doch immer wahrhaftig bleibt.

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Der Dreiakter unter der Regie von Christine Sedlmeier spielt geschickt mit einer Umkehr der Machtverhältnisse: Sind anfänglich, um in der Titelsprache zu bleiben, die drei Damen noch die Mäuse und der Italiener die Katze, dreht sich Stück für Stück das Szenario – was durchaus einen charmanten Subtext hergibt. Ganz wunderbar und sehr punktgenau formulieren Claudia Brandstetter, Daniela Lederer und Sabine Setzer galant die unterschiedlichsten Frauen-Klischees, vom Mauerblümchen bis zum Vamp – und das eigentlich nur, um alles im Lauf des Stücks durcheinanderzuwirbeln. Auch ganz wunderbar: Die Zuschauerreihen werden sozusagen in die Bühne miteingebunden, die Schauspieler gehen von der Bühne durch den Saal, in dem auch Requisiten ihren Platz finden.

Und weil es die Attachinger immer ein wenig anders machen, gibt es als Vorprogramm des Stücks eine Zwei-Personen-Szene (Anna und Albert Lederer) und im Nachgang, ganz traditionell, einige Witze von Brückl für den Nachhauseweg. Damit entfernt sich das Attachinger Theater von der klassischen Präsentation und werkelt nach wie vor an einem Gesamtkunstwerk, das jedes Jahr vor allem eines ist: berührend und faszinierend. Das Besondere heuer: ´s Attachinger Theater feiert dieses Jahr sein 20-jähriges Bühnenjubiläum.

Aufführungstermine und Karten

Das Stück „Jetzt g’hörst da Katz“ von Ulla Kling wird vom Attachinger Theater im Alten Schulhaus noch an folgenden Tagen auf die Bühne gebracht: am 15. April um 19.30 Uhr, am 16. April um 15 und um 19.30 Uhr, vom 21. bis zum 23. April um jeweils 19.30 Uhr sowie am 29. und am 30. April um 19.30 Uhr. Karten für die Vorführungen gibt es bei Lebensmittel Ziegeltrum, Dorfstraße 19, in Attaching – oder an der Abendkasse.
Richard Lorenz

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