Drachen tanzen über Attaching: Bei strahlend blauem Himmel und angenehmem Wind protestierten die Gegner des Flughafenausbaus leise. foto: lehmann

Kampf gegen Flughafen-Ausbau 

Protest mit Drachen und Lichtern

Attaching/Freising – Dass der Kampf gegen den Flughafen-Ausbau nicht immer laut sein muss, bewiesen am Sonntag gleich zwei Protestveranstaltungen: In Attaching flogen die Drachen, in der Freisinger Innenstadt marschierten die Menschen.

Die Flugzeuge, so sagt man in Attaching, Pulling, Berglern und im Flughafen-Umland, sind laut genug. Deshalb muss der Widerstand gegen eine dritte Startbahn und gegen noch mehr Fluglärm aber noch lange nicht auch immer laut sein. Es geht auch leise. Ganz leise und schweigsam.

Am Sonntag wurde erst lautlos über Attaching geflogen und dann schweigend durch die Stadt gezogen. Drachenfest und Lichterzeichen – zwei stille Aktionen gegen eine weitere Bahn. Die eine fand zum dritten Mal statt, den Schweigemarsch gibt es bereits seit genau zehn Jahren.

Was für ein Bild: Vor strahlend blauem Himmel und bei einem angenehmen Wind von 12 bis 15 km/h aus Nordost tanzten die Drachen über Attaching. Zum dritten Mal hatte die BI Attaching zum Drachenfest geladen, wollte zeigen, welche Fluggeräte man über dem Dorf sehr gerne sieht: Drachen – Mini-Drachen, kleine Drachen, große Drachen, riesige Drachen, rund 100 Drachen. Es war ein farbenfrohes Bild, das sich den rund 500 Drachenfreunden und Zuschauern bot: Kleine Drachen in der Form eines Vogels, die eine oder andere Fledermaus, klassische Flugdrachen, dazu ein riesiger Tintenfisch und ein noch riesigerer Drachen, der an Modelle aus China erinnerte, und eine kleine Biene Maja. Die Formen und Arten, die bei idealem Wind in die Höhe stiegen, waren zahlreich. Dieses Mal waren zum Drachenfest in Attaching sogar Halbprofis aus den Landkreisen Dachau und München gekommen.

Selbst gebaute Drachen waren – anders als manch ein Schnürlsalat – eher die Ausnahme. Erich Hack, Drachenfreund aus Freising und bekennender Startbahngegner, hatte so eine Eigenkonstruktion mit dabei. Das Motiv, das das filigrane Fluggerät zeigte, machte klar, dass das Drachenfest eigentlich eine Protestveranstaltung gegen die Startbahn ist: Das Logo von Aufgemuckt – die durchgestrichene „3“ – schwebte weithin sichtbar und geräuschlos.

Zehn Jahre Schweigemärsche

Ruhe und Schweigen als Protest – das ist auch der Sinn der „Lichterzeichen“-Schweigemärsche. Seit zehn Jahren gibt es sie nun, die Märsche der Startbahngegner, mit denen Christen für die Bewahrung der Schöpfung, die BI Attaching und die evangelische Kirchengemeinde gegen den Flughafenausbau kämpfen. Und so waren es denn zum zehnten Geburtstag am Sonntagabend die beiden ranghöchsten Geistlichen, die das Wort an die rund 500 Teilnehmer richteten: Dekan Jochen Hauer bei der Aussendung in der Christi-Himmelfahrtskirche und Weihbischof Bernhard Haßlberger zum Abschluss auf dem Marienplatz. Hauer betonte: „Wir sind das Zeichen.“ Er bat um Erleuchtung für diejenigen, die Verantwortung für die dritte Bahn tragen, und darum, „dass wir nicht der Gier zum Opfer fallen“.

Der Zug der Schweigenden wurde am Marienplatz von der Stadtkapelle Freising empfangen. Weihbischof Haßlberger zitierte die berühmten Worte aus dem 1. Buch Mose, der Mensch solle sich die Erde Untertan machen. Lange Zeit habe man diesen Text, wonach der Mensch alles, was kreucht und fleucht, beherrschen solle, falsch verstanden. Lange Zeit sei der Mensch der Meinung gewesen, er könne „tun und lassen, was er will“, blickte der Weihbischof zurück. Aber das gebe der Text nicht her, wie jüngste Erkenntnisse und Paralleltexte zeigten. Eigentlich sei mit dieser Passage aus der Genesis genau das Gegenteil gemeint, so Haßlberger: Der Mensch solle, so sein Auftrag, die Schöpfung sichern, sich um sie sorgen. Und genau aus diesem Grund gebe es „Lichterzeichen“, jenen Protest gegen die Startbahn, die „ein gewaltiger Eingriff in die Schöpfung“ wäre.

Haßlberger gab zu, kein Statistiker zu sein. Er wisse auch nicht, ob die neuen Zahlen bei den Flugbewegungen einen Trend darstellten oder nicht. Er frage sich nur, wieso sich die bayerische Wirtschaft so sehr für die Startbahn einspreize. Denn: „Umsteiger bringen für die Wirtschaft doch eigentlich nichts.“

Auch auf die jüngsten Äußerungen von Ministerpräsident Horst Seehofer pro Startbahn ging der Weihbischof ein: Die Auseinandersetzung um die Startbahn dürfte wohl „wieder heftiger werden“, mutmaßte er. Sein Appell: Auch im Streit respektvoll miteinander umgehen. Haßlberger war sich sicher: „Wir werden in den Streit um die Startbahn weiter als gute Demokraten gehen.“ Applaus für den Weihbischof.

Andreas Beschorner

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