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Die Ruhe trügt: Attaching wird Seehofer mit Böllern empfangen

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Von: Christian Deutschländer

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Protest in Attaching: Hier kommt heute Horst Seehofer vorbei.
Protest in Attaching: Hier kommt heute Horst Seehofer vorbei. © dpa

München/Attaching – Energischer Kampf auf den letzten Metern zur Startbahn: Weil Horst Seehofer den Beschluss verschiebt, wittern die Befürworter Aufwind. An diesem Donnerstag tritt der Regierungschef erst mal bei den Gegnern auf.

Verfolgen Sie auf Merkur.de den Bürgerdialog zur dritten Startbahn im Live-Ticker.

Protokollarisch klingt das nach einem herzlichen Willkommen für den Ministerpräsidenten. Vorm Gasthaus werden sich Vereinsabordnungen mit Fahnen aufstellen, die Musikkapelle und die Böllerschützen. In der Luft liegt aber eher Spannung als Herzlichkeit: Der Empfang für Horst Seehofer heute im Freisinger Ortsteil Attaching besagt vor allem: Hier ist unsere Heimat – zerstöre sie ja nicht!

Friedlich, doch mit Sorge und Nachdruck wollen ihm die Startbahn-Gegner gegenübertreten. Seehofers Besuch in der Flughafenregion heute ist der Höhepunkt seines wochenlangen Dialogprozesses über Sinn oder Unsinn der dritten Piste. Die von Fluglärm betroffenen Bürger hoffen, dass sie ihn noch von einem Nein zum Milliardenprojekt überzeugen können.

Die Aussichten: ungewiss. Viele Parteifreunde sahen Seehofer schon nah am Nein, am Mittwoch aber verschob er überraschend seine Zeitpläne. Statt Anfang November wird er nun in der ersten Dezember-Hälfte entscheiden und sich auch mit Partei, Fraktion und Kabinett rückkoppeln. Offizieller Grund: Die Asyl-Krise kostete ihn so viel Arbeitszeit, dass er nun beim sensiblen Thema Flughafen nicht hudeln will. Das klingt plausibel, das bestätigen auch Mitarbeiter. Inoffiziell murmeln Befürworter des Ausbaus dennoch, sie hätten intensiv auf den Chef eingeredet, nun werde doch noch ausgelotet, ob die Stadt München zu einem Startbahn-Ja oder zu einem Verkauf ihrer Anteile und damit des Vetorechts überredet werden könnte.

Er habe die Fühler zur Stadt ausgestreckt, sagte Seehofer intern, er will mit OB Dieter Reiter (SPD) und Bürgermeister Josef Schmid (CSU) reden. Zudem hat ihn die Airport-Belegschaft gebeten, auch mit ihr vor Ort den Dialog zu führen. Das bestätigt ein Flughafen-Sprecher. Ein Termin dafür steht noch nicht fest.

Eine extrem sensible Phase für das Projekt also – abzulesen ist das auch an einem Vorgang am Mittwoch im Landtag. Kurzfristig zogen die Freien Wähler ihren Antrag auf eine Plenardebatte über die Startbahn zurück. Dort hatte man die CSU zu einem klaren Ja oder Nein zwingen wollen. Die Bürgerinitiativen in der Flughafenregion rieten davon dringend ab – zu groß war die Gefahr, dass sich die CSU kurz vor dem Attaching-Termin auf ein Ja festlegt. Nach hektischen und angeblich sehr deutlichen Mails und Telefonaten gaben die Freien nach. „Wenn wir heute die CSU zum Schwur zwingen“, sagt Fraktionschef Hubert Aiwanger, „erschweren wir Seehofer das Wendemanöver“. Das wolle man doch nicht.

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