Eine exakte Planung ist das A und O für die Helfer vom THW. Hier erklärt Gruppenführer Florian Erler (Mitte) wie die nächsten Schritte beim Bau der Kabinen umzusetzen sind.

THW baut ehemaligen Praktiker zur Erstaufnahmeeinrichtung um

Wohnkabinen als Rückzugsräume

Attaching: Kreissägen heulen, Akkuschrauber surren, Kommandos schallen durch die Hallen eines ehemaligen Baumarkts in Freising-Attaching. Jeden Abend arbeiten seit knapp 14 Tagen rund 20 ehrenamtliche Helfer zusammen mit der THW-Jugend an der Fertigstellung der Wohnkabinen für Asylbewerber im alten Baumarkt

Auch wenn der akute Flüchtlingszustrom derzeit deutlich nachgelassen hat, baut das THW Freising derzeit in Kooperation mit dem Landkreis den ehemaligen Praktiker-Baumarkt in Attaching zur Erstaufnahmeeinrichtung um, schreibt Ortsbeauftragter Michael Wüst vom THW Freising: „Damit ist der Landkreis für die Zukunft gerüstet.“ 

Nicht zuletzt auf Grund der in Erding beim mehrwöchigen Einsatz zum Aufbau der dortigen Erstaufnahmeeinrichtung gemachten Erfahrungen entwickelten die Experten des THW Freising in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt ein Unterbringungskonzept, das auf Wohnkabinen beruht. „Das größte Problem bei der Unterbringung großer Menschenmengen auf beengtem Raum ist die fehlende Rückzugsmöglichkeit, das meist völlige Fehlen jeglicher Privatsphäre“, beschreibt Michael Wüst die Problematik bei der behelfsmäßigen Unterbringung. „Die von uns konstruierten Wohnkabinen im Format fünf mal fünf Meter, die mit sechs bis maximal acht Flüchtlingen in Stockbetten belegt werden können, bieten den Flüchtlingen ein Mindestmaß an Rückzugsmöglichkeit und Privatsphäre.“ führt der Freisinger Ortsbeauftragte weiter aus.

Landrat Josef Hauner (2. v. l.) und THW-Ortsbeauftragter Michael Wüst (daneben) begutachten die Konzeption.

 „Die Wohnkabinen bestehen aus einem Trägergestell aus Konstruktionsvollholz, dass mit schwer entflammbar beschichteten Platten beplankt wird“ erläutert der für das Projekt verantwortliche THW-Gruppenführer Florian Erler von der Fachgruppe Beleuchtung sein Konstruktionsprinzip. „Ziel war es, die Wohnkabinen so zu konstruieren, dass sie nach der Nutzung demontiert und gelagert oder an einem anderen Platz in anderer räumlicher Konfiguration wieder aufgebaut werden können.“ Die Fertigung der 336 Wandelemente, die pro Stockwerk für die je 42 Wohnkabinen benötigt werden, erfolgt in Serie an vorbereiteten Montagestationen in der Halle. „Die Vorbereitungsarbeiten waren aufwändig, zahlen sich jetzt aber durch eine hohe Schlagzahl aus“, so Andreas Binner, Gruppenführer der ersten Bergungsgruppe. Die notwendigen Schablonen wurden im Vorfeld auf dem Boden montiert und erlauben nun die Herstellung der Wandelemente aus dem auf Länge geschnittenen Konstruktionsvollholz. „Somit wird sichergestellt, dass die Träger absolut passgenau hergestellt werden können“, sagt Binner. „Dank der hervorragenden Vorbereitung liegen wir deutlich vor dem Zeitplan“ freut sich THW-Ortsbeauftragter Michael Wüst: „In nur einer Woche, in nur sechs Abenden und einem Samstag haben wir 30 Wohnkabinen aufgestellt und die Wandelemente für die gesamten 42 Wohnkabinen im Obergeschoß fertiggestellt.“ Mit den fehlenden zwölf Wohnkabinen will man am nächsten Wochenende fertig sein. „Die Zeit- und Personalplanung hat sich bewährt“ berichtet Wüst. 

Aus Einzelelementen bestehen die Wohnkabinen, die auf den Etagen des Praktiker-Komplexes aufgestellt werden.

„Als Mindestbedarf ergaben sich aus der Einweisungsveranstaltung je vier Helfer pro Vormontageplatz die durch je einen Jung-THW’ler verstärkt werden. Diese Gruppen arbeiten in wechselnden Schichten jeden Abend von 18 bis etwa 22 Uhr.“ „An Samstagen wird die Personalstärke erhöht“, ergänzt Bernhard Clement, Gruppenführer der zweiten Bergungsgruppe. „Trotz des doch hohen Bedarfs erreichen wir durch die Personalplanung, dass kein Frewilliger jeden Abend arbeiten muss, sondern zwischen seinen Einsätzen immer wieder frei hat“ führt Florian Wigger, Gruppenführer der Fachgruppe Brückenbau, weiter aus. Der Einbau von Wohnkabinen in den alten Baumarkt ist nun bereits der dritte lange andauernde Einsatz nach dem G 7-Gipfel und den mehrwöchigen Großeinsatz am ehemaligen Fliegerhorst in Erding für die ehrenamtlichen Freisinger Einsatzkräfte.

 Trotzdem ist die Stimmung bei den Helfern gut. Dazu trägt auch die Brotzeit bei, die der Verpflegungstrupp jeden Abend an die Einsatzstelle liefert. „Die Helfer, die jeden Abend um 18 Uhr in den Einsatz gehen, kommen im Regelfall direkt von ihren Arbeitsstellen“ erläutert Luisa Kürzinger, die Leiterin des Verpflegungstrupps. „Da ist eine gute Brotzeit das mindeste, was wir für unsere Teams tun können“ ergänzt Manfred Kürzinger, der stellvertretende Ortsbeauftragte. Michael Wüst abschließend: „Bisher wendeten die 135 eingesetzten Freisinger Helfer rund 720 ehrenamtliche Einsatzstunden an acht Tagen auf. Bis zur Fertigstellung wird aber wohl mindestens noch einmal die gleiche Stundenanzahl notwendig werden.

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