Streitobjekt Luftfilter: Auch im Kreisausschuss wurde jetzt das Für und Wider erörtert. SymbolFoto: DPA
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Streitobjekt Luftfilter: Der Gemeinderat Attenkirchen hat die Entscheidung über die Beschaffung der Geräte vertagt.

Untersuchungsergebnis eines Fachbüros abwarten

„Bauchgrimmen“ bei Luftreinigungsgeräten: Gemeinderat Attenkirchen vertagt Entscheidung

  • Andreas Beschorner
    VonAndreas Beschorner
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Die Anschaffung von Luftreinigungsgeräten für Schule und Kindergarten spaltet den Gemeinderat Attenkirchen. In der jüngsten Sitzung wurde die Entscheidung vertagt - man will das Untersuchungsergebnis eines Fachbüros abwarten.

Attenkirchen – Mit einem eindeutigen Jein hat der Attenkirchener Gemeinderat Stellung zu der Frage bezogen, ob man für die Grundschule und die Kindertagesstätte Luftreinigungsgeräte anschaffen soll. Denn der diverse Male ergänzte und umformulierte Beschluss, wie er am Montag schlussendlich mehrheitlich gefasst wurde, sieht vor, dass man sich erst entscheiden werde, wenn ein Fachbüro alle Räume und auch Alternativen geprüft habe.

16 Räume in der Grundschule und sechs Räume in der Kita seien es, die mit Luftreinigungsgeräten auszustatten seien. Dabei müsste man mit 66 640 Euro für die Geräte in der Schule und 25 000 Euro für die Geräte in der Kita rechnen, erläuterte Bürgermeister Mathias Kern. Der gab auch die Linie vor: Weil zumindest die Gefahr drohe, dass Schulen und Kitas ohne solche Luftreinigungsgeräte geschlossen werden müssten, und solche Geräte auf jeden Fall eine positive Wirkung hätten, würde er der Anschaffung „mit Bauchgrimmen zustimmen“. Auch die Elternbeiräte hätten sich für einen Kauf ausgesprochen, das Personal in der Kita sei eher skeptisch eingestellt, die Lehrer können mit und ohne Luftreiniger leben, berichtete Kern.

Während der Rathauschef also pro Kauf eingestellt war, war das bei Maximilian Lobmeier (WIR) anders: Das seien schon „viele Vielleichts für viel Geld“. Man wisse nicht, ob die Geräte eine Schließung der Einrichtungen verhinderten, man wisse nicht, was Ministerpräsident Markus Söder noch so einfalle, man wisse nicht, wie sich die Inzidenz entwickle, aber man wisse, dass man so oder so weiter lüften müsse.

Walter Schlott (GoL): „Angst ist ein schlechter Ratgeber“

Und auch Walter Schlott (GoL) war sehr skeptisch: Wenn man „die Dinger“ kaufe, weil man Angst habe, sonst die Schule schließen zu müssen, dann könne er nur sagen: „Angst ist immer ein schlechter Ratgeber.“ Und wer garantiere, dass manch ein Lehrer die Geräte gar nicht einschalte? Und dann sei es doch so, dass bei Kindern, die so lange in einem praktisch sterilem Raum seien, die Abwehrkräfte geschwächt würden.

Schlott regte an, wenn schon dann die billigere Variante eines Baukastensystems in Erwägung zu ziehen. Anton Westermeier (BG) war derselben Meinung: Lüften bringe mehr, es gebe keine Garantie, dass die Schulen offen blieben, auch wenn man Luftreinigungsgeräte in den Klassenzimmern habe. Josef Fischer (UWG) fand das mit dem Baukastensystem eine gute Sache, plädierte aber dafür, die Entscheidung zu verschieben: „In ein paar Monaten wissen wir mehr.“ Bis zum Schuljahresbeginn bekomme man solche Geräte eh nicht mehr. Dann aber erstrecht gar nicht mehr, warnte allerdings Lobmeier.

Veronika Wiesheu (WIR): „Ich bin ratlos“

Veronika Wiesheu (WIR) hatte bei der Entscheidung ebenfalls „Bauchgrimmen“, aber in ihrer Funktion als Beauftragte für Kinderhaus, Schule und Familie „kann ich es nicht ablehnen“. Und: „Ich bin ratlos.“ Und damit befand sich Wiesheu in guter Gesellschaft der Gemeinderäte.

Der geänderte Beschlussvorschlag, mit dem der Gemeinderat dann leben konnte, kam von Kern: Man wolle erst die Ergebnisse der Untersuchung eines Fachbüros, das man sowieso vor dem Kauf und der Aufstellung der Geräte beauftragt hätte, abwarten, bevor man eine Entscheidung treffe. Dieses Fachbüro soll auch Varianten prüfen. Der Antrag von Schlott, für diese Untersuchung sollte ein Maximum von 6000 Euro festgelegt werden, wurde mit 3:8 Stimmen abgelehnt, der von Kern vorgelegte Beschluss dann mit 8:3 Stimmen angenommen. Dasselbe gilt für die Kita, bei der das Abstimmungsergebnis allerdings mit 7:4 für den Vorschlag von Kern ausfiel.

Nun wird man entweder am 20. September, wenn die nächste Gemeinderatssitzung anberaumt ist, entscheiden oder man wird eine Sondersitzung einberufen, so Kern. Denn: „Es pressiert.“

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