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Packen miteinander an: Geschäftsführer Jürgen Hagl mit Heinz-Peter Alischer (Ausbilder technischer Produktdesigner), Korbinian Burger, Matthias Denk, Michael Linseisen, Peter Schmeller (Ausbilder Karosserie- und Fahrzeugbaumechaniker) und Dominik Nocker (Ausbilder Feinwerkmechaniker). In der Mitte (v. l. ) Lina Stemann, Mostafa Hosseini, Nicolas Heider sowie (vorne, v. l.) Andreas Wanninger und Dennis Gschlößl.

Die Firma Hagl ist von der Politik enttäuscht

Integration mit Hindernissen

Flüchtlinge aus aller Welt und die Firma Hagl aus Attenkirchen – das ist ein besonderes Kapitel. Ein Kapitel, das zeigt, wie gut Integration menschlich und in der Arbeit klappen kann. Und wie Bürokratie und Gesetze das verhindern.

Attenkirchen – Angestellte aus mehr als zehn Nationen arbeiten bei der Hagl GmbH, bringen Blech und Metall in Form, bedienen die XXL-Hydraulikpresse, sorgen als Team und zusammen mit ihren deutschen Kollegen dafür, dass es dem Familienunternehmen gut geht. Doch was nach Idealzuständen klingt, hat oft ein Ende, wenn es um Asylbewerber geht. „Ich bin von der Politik enttäuscht“, fasst Geschäftsführer Jürgen Hagl seine Erfahrungen der letzten zweieinhalb Jahre zusammen.

Der Attenkirchener Helferkreis war vor gut zwei Jahren auf ihn zugekommen, hatte gefragt, ob er bereit wäre, dass Flüchtlinge bei ihm arbeiten dürfen. Hagl hat sofort Ja gesagt – auch wenn es anfangs etwas schwierig war wegen fehlender Sprachkenntnisse. Doch die Flüchtlinge – beide kamen waren aus Nigeria – besuchten fleißig alle Deutschkurse, waren, so erzählt Hagl, stets pünktlich, immer zuvorkommend, machten, wenn es notwendig war, Überstunden. Kurz: Nach zwei Jahren hatten die beiden Asylbewerber fast schon das Niveau von Facharbeitern erreicht.

Doch dann das böse Erwachen: Irgendwann, so erinnert sich Hagl, kam der Anruf aus dem Landratsamt. Den Anträgen der beiden Nigerianer sei nicht stattgegeben worden, ihre Pässe seien eingezogen worden, beide würden abgeschoben, dürften nicht mehr für und bei Hagl arbeiten. Alle Versuche von Hagl, die beiden inzwischen voll integrierten Flüchtlinge behalten zu dürfen, waren vergebens: Landrat Josef Hauner habe lediglich gesagt, er halte sich an die Gesetze, MdB Erich Irlstorfer war Anfang August vor Ort, hatte angeboten, zu helfen. Gehört habe Hagl aber nichts mehr – auch nichts mehr von den beiden Nigerianern.

Doch bei allem Unmut und Unverständnis lässt sich Jürgen Hagl von seiner Linie nicht abbringen: Acht Azubis beschäftigt die Firma Hagl derzeit, drei haben gerade neu begonnen. Einer von ihnen ist Mostafa Hosseini (17), ein Flüchtling aus Afghanistan. Er hat sich erfolgreich beworben, hat auch schon ein kurzes Praktikum bei der Firma Hagl absolviert, wird jetzt drei Jahre lang zum Karosseriebauer ausgebildet. Wenigstens das ist sicher, denn Hosseini ist ein geduldeter Auszubildender, der in den kommenden drei Jahren nicht abgeschoben werden darf. Hagl kann nur hoffen, dass der junge Afghane, der jetzt schon ganz gut Deutsch spricht und sich sehr gut mit seinen Azubi-Kollegen versteht, danach in Deutschland bleiben darf und weiter in Attenkirchen bei der Hagl GmbH arbeitet.

So wie ein Senegalese, der es „geschafft“ hat, wie Hagl stolz erzählt. Seit eineinhalb Jahren arbeitet der für Hagl, hat und bezahlt seine eigene Wohnung, ernährt seine Familie, besitzt ein Auto und spielt Fußball. Ein Schicksal, wie es es ohne bürokratische Hürden viel öfter geben würde, ist sich Jürgen Hagl sicher.

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