Ein Windrad dreht sich hinter einer Siedlung.
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Windkraft oder Solarenergie: In Attenkirchen will man die Umstellung auf erneuerbare Energien weiter vorantreiben. Symbolbild

„Wir haben ein massives Problem“

Photovoltaik oder Windkraft: Attenkirchen gründet Arbeitskreis für Energiewende

  • Andreas Beschorner
    vonAndreas Beschorner
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Um die Energiewende noch zu schaffen, wird in Attenkirchen ein Arbeitskreis eingerichtet. Er soll die Umstellung auf Strom aus erneuerbaren Energien weiter vorantreiben.

Attenkirchen – Photovoltaikanlagen auf den Dächern der gemeindeeigenen Liegenschaften und Windkraft: Das ist laut Andreas Henze von der BürgerEnergieGenossenschaft Freisinger Land (BEG) der Weg, um die Energiewende doch noch zu schaffen. Auch in Attenkirchen. Dort wird man nun einen Arbeitskreis einrichten, der die Umstellung auf Strom aus erneuerbaren Energien weiter vorantreiben soll.

Nur 0,1 Prozent der Flächen für PV genutzt

Die Zeit dränge: „Wir haben ein massives Problem“, sagte Henze über die Klimakrise. 84 Prozent der CO2-Emissionen seien auf fossile Energien zurückzuführen. In Deutschland müsse die Umstellung auf erneuerbare Energien jeweils rund zur Hälfte durch Sonnen- und Windenergie bewerkstelligt werden. Um zehn Millionen Kilowattstunden Strom zu erzeugen, brauche man bei Biogas 400 Hektar Fläche, bei PV-Freiflächenanlagen zehn Hektar, bei PV-Dachanlagen 5,6 Hektar und bei Windenergie 0,3 Hektar, erklärte Henze. Und die Lage im Landkreis? Jeweils 0,1 Prozent der Flächen würden derzeit für PV-Freiflächenanlage und PV-Anlagen auf Dächern genutzt. Windräder gebe es im Landkreis zwei.

Attenkirchen erzeugt seit 2011 mehr Strom als verbraucht wird

Attenkirchen erzeuge seit 2011 mehr Strom aus erneuerbaren Energien als man im Gemeindegebiet selbst verbrauche. Derzeit seien es 132 Prozent, lobte Henze. Weil aber Städte ein Problem hätten, ebenfalls auf solche Werte zu kommen, müsse das Ziel 200 Prozent sein, so Henze. Das gelte auch für den gesamten Landkreis. Um das zu erreichen, müssten bei einer Verteilung von 50/50 auf Solar- und Windenergie im Landkreis 55 Photovoltaik-Freiflächenanlagen mit einer Größe von jeweils zehn Hektar und 36 Windräder errichtet werden.

Kommunen hätten drei Möglichkeiten, erneuerbare Energien zu forcieren: PV-Anlagen auf den Dächern der eigenen Liegenschaften errichten, Sondergebiete für PV-Freiflächenanlagen ausweisen oder auch für Windräder, womit man die in Bayern geltende 10H-Regelung für Windkraftanlagen umgehen und den dann geltenden Mindestabstand von 700 bis 900 Meter zur nächsten Wohnbebauung als Vorgabe wieder in Kraft setzen könne.

Sondergebiet für Windenergie?

Zusammen mit Bürgermeister Mathias Kern habe man sich sämtliche Liegenschaften der Gemeinde angesehen, so Henze. Nach einer ersten Einschätzung könnten PV-Dachanlagen mit einer Gesamtleistung von rund 620 000 Kilowattstunden installiert werden. Oder man weise ein Sondergebiet für Windenergie aus. Ob das sinnvoll sei, müsse noch geprüft werden. Doch da die Gemeinde hoch liege (auf über 500 Meter), kann das laut Henze möglich sein.

Aber da trat Kern etwas auf die Bremse: Für Windkraftnutzung brauche man „große Akzeptanz in der Bevölkerung“. Wolle man ein Sondergebiet für Windräder ausweisen, benötige man die Bürgerbeteiligung und „die klare Mehrheit der Bürger“. So oder so: Kern empfahl, einen Arbeitskreis einzurichten, der die von Henze aufgezeigten Fakten, Ziele und Potenziale weiter bearbeiten solle.

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