Passanten betrachten eine Freiluft-Kunstausstellung bei Attenkirchen
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Bilder von besonderen Bäumen im Landkreis von Elke Rittaler und Hans Helmut Holzner zogen die Blicke am Wegesrand auf sich.

„Kickstart“-Projekt

Attenkirchens Künstlermeile lockt viele Besucher an und bietet Ausstellern endlich wieder eine Bühne

  • Andreas Beschorner
    VonAndreas Beschorner
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Eine Kunstgalerie unter freiem Himmel gab es am Wochenende zwischen Attenkirchen und Thalham zu bestaunen. Für viele Aussteller und Besucher ein Befreiungsschlag.

Attenkirchen – Eine Meile hat etwas Magisches an sich. Nicht nur für Leichtathleten. Und nicht nur, wenn es um die „sündige Meile“ geht. Die magische Meile in Attenkirchen ist die „Künstlermeile“. Am Wochenende war das groß angelegte Kunst- und Kulturprojekt von Tutuguri zu erleben – 58 Künstler auf dem 1,6 Kilometer langen Bockerlradweg zwischen Thalham und Attenkirchen. Ein „Kickstart“ nach den Lockdowns.

Eine kleine, aber feierliche Eröffnung des Zwei-Tage-Events wollte man sich am Samstag dann doch nicht entgehen lassen: Heiko Lange vom Kulturverein Tutuguri betonte, schon seit vielen Monaten sei man genervt gewesen, weil kulturell nichts möglich war. Und so sei die Idee der „Künstlermeile am Bahndamm“ entstanden, die dann wiederum als „Kickstart“-Projekt von der Uferlos GmbH und der Freisinger Bank ausgewählt worden sei. Dank finanzieller Unterstützung mussten die Künstler keine Standgebühren und die Besucher keinen Eintritt zahlen. Deshalb, so Langes Wunsch an die Gäste: „Habt Spaß und genießt es!“

Weg zurück in normales gesellschaftliches Leben

Dass die Kunst nicht die Sahne auf dem Kuchen, sondern die Hefe im Teig ist – diese Aussage von Johannes Rau wandelte Attenkirchens Bürgermeister Mathias Kern in ein Lob für Tutuguri um: „Der Teig ist aufgegangen.“ Der Verein habe mit der Künstlermeile einen Startpunkt gesetzt für den Weg zurück in ein normales gesellschaftliches Leben. Kultur verbinde die Menschen, die beiden Tage verbinden die gesamte Gemeinde, so Kern.

Pepito Anumu war auch im Lockdown kreativ.

Und die Eröffnung war noch gar nicht richtig vorbei, da pilgerten schon ganz viele Interessierte zwischen Attenkirchen und Thalham, schauten nach rechts und links, wo Bilder, Fotografien, Skulpturen und Keramiken ausgestellt waren, plauderten mit den ausstellenden Künstlern und freuten sich einfach des Lebens – auch am Getränkestand, im Klangbad im Tunnel oder vor den beiden Bühnen. Ziemlich in der Mitte der Meile – die Nummer 31 – war Pepito Anumu zu finden: Er sei gekommen, weil sein Freund Enno Messerschmitt (auf Nummer 39) gerufen habe. Der Freisinger Künstler hatte unter anderem ein Werk mit nach Attenkirchen gebracht, das 2020 im ersten Lockdown entstanden ist. Titel: „Lockdown oder Knockdown“. Im Gespräch mit Besuchern gab Anumu die Antwort: „Es war ganz klar ein Knockdown“. Auf dem Bild zu sehen ist eine Mutter, alleine. Ihre Kinder – versteckt im Bild. Ob er der Pandemie etwas Positives abgewinnen könne? „Ich habe viel gearbeitet, sehr viel“, sagt Anumu. Und so sind viele wunderbare Bilder entstanden.

Kunst am Bauzaun: Emanuel Maxstadt ist froh, seine Werke wieder einem Publikum zeigen zu können.

Für Gertraud Wagner, eine Künstlerin aus Nandlstadt, war es Balsam für die Seele, ihre Bilder endlich wieder an die frische Luft zu bringen. Denn: „Ein Bild muss gesehen werden.“ Ihre Sehnsucht danach, dass ihre Bilder gesehen werden, sei während der Lockdowns immer größer geworden. Ihre Art, damit umzugehen? „Ich habe die Bilder fotografiert und per WhatsApp verschickt.“ Und obwohl sie vor der Pandemie nie darauf aus gewesen sei, alles an Darstellungsmöglichkeiten zu nutzen, spüre sie nun ganz deutlich, „dass ich jede Chance, meine Bilder zu zeigen, ergreifen will“. Ihr persönliches Fazit nach mehr als eineinhalb Jahren Pandemie und drei Lockdowns: „Ich bin durch Corona als Künstlerin lebendiger geworden.“

Endlich wieder Bilder präsentieren zu können – darüber freute sich auch Emanuel Maxstadt: In München hätte er eigentlich vor Kurzem eine Ausstellung haben sollen, die sei aber auch der Pandemie zum Opfer gefallen. Jetzt also Attenkirchen – und Maxstadt ist froh darüber.

Peter Fischer schützte seine Kunst vor Regen.

Nun ist so eine Ausstellung unter freiem Himmel immer auch eine Sache des Wetters. Doch die Künstler waren auf Regenschauer vorbereitet, praktisch alle hatten großen Plastikplanen mitgebracht, die im Fall des Falles schnell über die Kunstwerke gezogen wurden, um sie so vor Nässe zu schützen. Doch nicht nur schauen konnte man auf der Künstlermeile – man konnte auch hören, mitmachen und selbst singen.

Annemarie Hagn spielte Lieder zum Mitsingen.

Annemarie Hagn zum Beispiel hatte nicht nur ihre Ziehharmonika, sondern auch Helmut Pokorny und „Brückenlieder zum Mitsingen“ mitgebracht, in dem Tunnel auf Attenkirchener Seite ließ Andy Hermann immer wieder Klangwelten entstehen, es gab Weltmusik von Chakulou und Operngesang von Michael Waldenmaier, Streetsamba mit Safado, Ohrwürmer vom Trio Grantl und Vorträge wie den von Hans Helmut Holzner über Bäume und Wald, und und und.

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