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Via Internet in Kontakt mit den Gläubigen: Attenkirchener Pfarrer will ein Stück Normalität schenken

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Von: Andrea Hermann

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Trotz Corona-Krise: Pfarrer Stephan Rauscher wird am Sonntag die Osterkörbe segnen. Um die Gläubigen zu erreichen, lässt er sich einiges einfallen: Er steht auch via Internet in Kontakt mit den Gläubigen. © privat

Um die Gläubigen zu erreichen, lässt sich Pfarrer Stephan Rauscher in der Corona-Krise einiges einfallen: Im Interview spricht er über Online-Gottesdienste, Instagram-Botschaften und was die Resonanz aus der Gemeinde.

Attenkirchen/Nandlstadt – Die Corona-Krise macht auch vor der Katholischen Kirche nicht Halt: Seit drei Wochen dürfen keine Gottesdienste mehr gefeiert werden, und im Gebet sind die Gläubigen derzeit nur gedanklich vereint. Doch Pfarrer Stephan Rauscher hat sich für den Pfarrverband Attenkirchen-Nandlstadt etwas einfallen lassen, wie er trotz Ausgangssperre die Gläubigen erreicht: Er feiert Online-Gottesdienste, veröffentlicht Hoffnungsworte in den sozialen Medien und lädt am Ostersonntag zur Drive-Through-Osterkorbweihe ein, wie er im FT-Interview erzählt.

Sie sind in den vergangenen Wochen sehr kreativ geworden, um die Gläubigen zu erreichen.

Ich versuche es . . . (lacht) Ich hatte ja am Anfang gemeint, dass es während der Krise etwas ruhiger wird, ich im Büro ein paar Sachen wegarbeiten und vielleicht sogar ein Buch lesen kann. Das hat aber nicht funktioniert. Denn wir haben uns – gerade am Anfang – viel und oft mit der Frage beschäftigt, wie wir damit umgehen, wenn wir zu einem Corona-Fall gerufen werden. Somit war das Thema für mich sehr präsent. Das war für mich dann aber auch der Auslöser, dass ich gesagt habe: Ich kann jetzt nicht einfach nur Büroarbeit machen. Mir war es wichtig, irgendwo Präsenz zu zeigen. Und da habe ich mir dann verschiedene Sachen einfallen lassen.

Zum Beispiel Online-Gottesdienste oder Instagram-Botschaften . . .  Wie sind Sie darauf gekommen? Gab’s da Vorschläge von der Diözese?

Nein – von der Diözese gab’s keine Vorgaben oder Vorschläge. Bei den Online-Gottesdiensten bin ich quasi wie die Jungfrau zum Kind gekommen. Die Bild-Zeitung hat angerufen und gefragt, ob ich einen Online-Gottesdienst halten könnte. Und da hab ich mir gedacht: Wenn jemand von der Bild-Zeitung fragt, ob ich einen Gottesdienst halten könnte, dann wäre ich ja blöd, wenn ich nicht mitmachen würde, weil ich da Leute erreiche, die ich sonst nicht erreiche. Und das war auch wirklich so: Ich habe viele E-Mails und Facebook-Kommentare bekommen, wo sich die Leute bedankt haben.

„Die Reaktionen waren sehr gut“

Und dadurch sind Sie auf die Idee gekommen, eigene Online-Gottesdienste abzuhalten?

Wir haben ein Angebot von einer örtlichen Veranstaltungstechnik-Firma bekommen. Die hat uns vorgeschlagen, uns ihr Equipment kostenlos zur Verfügung zu stellen, die Internetseite einzurichten und den Gottesdienst zu übertragen. Darauf haben wir uns dann geeinigt, und das war gleich eine gute Zusammenarbeit.

Wie war die Resonanz auf Ihren Online-Gottesdienst?

Beim Gottesdienst am Palmsonntag gab’s so um die 1800 Klicks – zirka 400 bis 500 Leute waren dauerhaft dabei. Ich finde das ganz gut. Und auch die Reaktionen waren sehr gut. Was aber das Schönste war: Es haben einige Leute geschrieben: „Danke für den schönen Gottesdienst und vor allem für ein Stück Normalität.“ Da habe ich mir gedacht: Eigentlich ist das die schönste Rückmeldung. Wenn man die Leute in dem ganzen Hin und Her, in der Zeit der Unsicherheit und zum Teil Hysterie ein Stück weit Normalität schenken kann, und das im Gottesdienst, dann hat’s gepasst.

Wie viele Leute dürfen bei den Online-Gottesdiensten dabei sein?

Es gibt ja von der Diözese und vom Gesundheitsamt Vorschriften. Darin heißt es: Es darf nur ein kleiner Kreis dabei sein – und der muss gut begründet sein. Das heißt, es dürfen die Leute, mit denen man zusammenwohnt (meine Schwestern) und mit denen man beruflich engen Kontakt hat, (mein Verwaltungsleiter, meine Sekretärinnen und mein Seelsorgeteam) dabei sein. Somit sinddie Schwestern, der Verwaltungsleiter, vier Ministranten und ich vom Seelsorgeteam dabei.

„Nicht rumjammern, sondern das Beste daraus machen“

Gerade bei den Ministranten dürfte es nicht leicht sein, jemanden auszuwählen, oder?

Das stimmt. Man muss aufpassen, wen man von den Ministranten fragt, ohne dass gleich jemand eingeschnappt ist. Im Moment ist es so, dass die Kinder der Pfarrsekretärinnen ministrieren – weil sie quasi zum engeren Kreis gehören. Und das hab ich auch allen meinen 200 Ministranten so als Begründung geschrieben.

Wie ist es für Sie selbst, einen Gottesdienst nur vor einer Kamera und nicht vor einer gefüllten Kirche zu halten?

Ganz komisch. Mittlerweile habe ich mich schon daran gewöhnt, aber am Anfang war es sehr ungewohnt. Aber ich mache mir keine Gedankten, ob einer oder 20 Leute zuschauen. Ich bin so, wie ich bin: Ich bereite mich auf den Gottesdienst vor und entscheide dann doch spontan, was ich sage. Natürlich ist es schöner, wenn die Kirche voll ist, aber es ist halt jetzt die Situation so. Ich sag immer: Nicht rumjammern, sondern das Beste daraus machen.

Erreicht man mit den Online-Gottesdiensten auch die ältere Generation?

Einer meiner Jugendlichen hat mir ein Bild geschickt und dazu geschrieben, dass er seiner Oma den Laptop hingestellt hat, damit sie live dabei sein konnte. Und sie war ganz glücklich danach. Überhaupt habe ich von vielen Familien mitbekommen, dass sie den älteren Leuten den Computer eingerichtet haben, damit die den Gottesdienst schauen konnten.

„Ich merke, dass viele Leute zum Nachdenken kommen“

Und was ist mit denen, die keine Möglichkeit haben, via Internet den Gottesdienst zu verfolgen?

Für die haben wir gleich am Anfang ein Heft rausgebracht – 6000 Stück haben wir drucken lassen und an alle Haushalte im Pfarrverband verteilt. Darin war ein Hausgottesdienst für diese Zeit mit einer geistigen Kommunion abgedruckt. Zudem haben wir im Pfarrverband täglich um 15 Uhr das Glockenläuten eingeführt, um gemeinsam im Gebet vereint zu sein. Und für die Karwoche habe ich ein eigenes Heft gemacht – darin ist auch ein Corona-Gebet des Papstes. Die Heftchen haben wir wieder verteilt, und die Leute haben sich darüber sehr gefreut. Wenn man diese positive Resonanz bekommt, dann lohnt sich der Aufwand auch, und es ist einfach schön.

Neben dem Online-Gottesdienst am Palmsonntag haben Sie auch Palmbuschen gesegnet, oder?

Ja. Wir haben zu den Gläubigen gesagt, dass sie die Palmzweige in die Kirche legen dürfen. Das haben die auch gemacht – mit Namensschild dran. Ich hab diese dann in allen meinen Kirchen gesegnet. Das war total schön: Über alle Bänke verteilt sind die Buschen gelegen. Und es hat auch gut geklappt, dass nicht alle auf einmal in die Kirchen gekommen sind.

Wie wichtig ist den Leuten der Glaube in dieser Zeit?

Ich merke, dass viele Leute durch diese Zeit zum Nachdenken kommen. Viele besinnen sich wieder darauf, was wichtig für sie ist und was sie tatsächlich brauchen. Wichtig ist auch immer, was man aus dieser Zeit macht: Ich kann jetzt mit dem Schicksal hadern oder einfach schauen, wie ich die Zeit sinnvoll nutzen kann. Wenn da einige darüber nachdenken, ist das nicht schlecht. Ich habe mal einen Spruch gelesen, der begleitet mich immer: „Der Mensch lernt durch den Engel des Leides mehr als durch den Engel der Freude.“ Das merkt man in der Seelsorge schon: Die Menschen werden erst fürs Leben dankbar, wenn sie eine Krise durchstehen, weil sie dann wieder schätzen, was sie haben. Man kann sich wieder an einer Blume freuen, die blüht, an einem Bach, der fließt, oder über eine schöne Sternennacht, die man nicht mehr gesehen hat, weil dies in unserem Alltag untergegangen ist. Vielleicht hat die Corona-Krise in diesem Sinn einen Sinn.

Wie geht’s Ihnen persönlich in dieser Ausnahmesituation?

Ich denke schon oft darüber nach. Aber ich bekomme keine negativen Gedanken, die mich irgendwann depressiv machen würden. Ich bin eher der Typ, der sagt: Jetzt machen wir das draus, was wir können.

„Wenn alte Leute die Online-Gottesdienste annehmen, finde ich das eine gute Geschichte“

Es wird auch eine Zeit nach Corona geben: Werden Sie die Online-Angebote weiterhin aufrecht halten?

Da muss man schauen. Bei den Online-Gottesdiensten muss man sehen, wie sich die Zeit entwickelt. Wenn das die alten Leute – gerade die, die nicht mehr in die Kirche kommen können – annehmen, dann finde ich das eine gute Geschichte. Auf der anderen Seite möchte ich schon, dass die Leute wieder kommen. Dass ich nur noch online einen Gottesdienst halte, das würde ich schade finden. Aber dass man versucht, das zu erweitern oder einmal einzubauen, das fände ich schon gut. Es ist jetzt auf jeden Fall eine Zeit, in der man wieder kreativ wird und über Sachen nachdenkt, über die man nach der Krise sicherlich nachdenken muss, ob man es beibehält oder sie weiterentwickeln kann.

Und die Hoffnungsworte auf Instagram?

Die mache ich im Moment täglich. Ob ich das weiterhin jeden Tag schaffe, weiß ich nicht. Aber vielleicht kann man einen bestimmten Tag in der Woche aussuchen – vielleicht zum Wochenende hin –, um so einen Impuls zu geben.

Wie kommen die Instagram-Nachrichten an?

Ich hab immer zwischen 50 und 100 Likes – ich denke, das passt schon. Aber ich versuche nicht immer deshalb was zu machen, damit es ankommt, sondern oft auch einfach nur, um ein Zeichen zu setzen. Das mit Instagram ist bestimmt nicht für jeden was, aber man kann die neuen Medien nutzen, um viele Leute zu erreichen.

Für Ostern haben Sie sich auch etwas Besonderes einfallen lassen . . .

Wir dürfen ja eigentlich keine Osterkorb-Segnung machen. Auch in die Kirche dürfen die Körbe nicht gestellt werden, weil dann am Sonntag 30 bis 40 Leute kommen, um die Körbe wieder abzuholen. Aber ein persönlicher Segen wäre schon schön – für die Gläubigen und auch für mich. Deshalb ist uns die Idee mit der Drive-Through-Osterkorbweihe gekommen. Das läuft dann so ab wie bei einer Fahrzeugsegnung: Die Fahrzeuge können an uns vorbeifahren und ich segne die Körbe. Da hat dann auch das Gesundheitsamt nichts dagegen. Osterwasser und Osterkerzen gibt’s ganz normal zum Mitnehmen.

„Die Leute wissen: Der Pfarrer denkt an uns“

Mit wie vielen Leuten rechnen Sie da?

Ich weiß es nicht. Und wenn keiner kommt, dann kommt keiner. Aber die Leute wissen: Der Pfarrer denkt an uns und er hätte uns die Möglichkeit gegeben. Da ist für mich jetzt nicht der Erfolg das Wichtige, sondern dass ein bisschen was Menschliches zum Tragen kommt. Wir haben uns an Ostern gesehen – mit dem nötigen Abstand –, und um das geht’s. Es soll einfach ein schönes Zeichen sein.

Was ist Ihr Wunsch für Ostern – für sich selber, und für die Gläubigen?

Friede im Herzen, ein bisschen Ruhe, dass man in der ganzen Situation den Blick fürs Wesentliche zurückgewinnt, und dass wir für die wichtigen Dinge im Leben wieder dankbar sind. Für das bete ich auch die ganze Zeit.

Gut zu wissen

Die Osternacht wird am Samstag ab 21 Uhr live im Internet übertragen – unter www.gottesdienst-live.com. Am Ostersonntag, 12. April, können die Gläubigen um 9.30 Uhr ebenfalls die Messe mit Pfarrer Stephan Rauscher via Internet feiern. Auch die Gottesdienste der Karwoche sind auf der Internetplattform abrufbar.

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