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„Mit verbissener Zielstrebigkeit werden hier Bäume und Büsche gefällt, zersägt und zerstückelt“: Viele Anwohner von Thalham sehen mit Entsetzen, wie in ihrem Ort Grünpflege betrieben wird. foto: Eser

Grünpflege in Thalham sorgt für Entsetzen

Aufstand im Paradies

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Immer wieder sorgt die Grünpflege in Thalham für Konflikte. Etlichen Anwohnern gehen die Maßnahmen viel zu weit. Nun hat ein Radikalrückschnitt am Birkenwald für einen Aufstand im Paradies gesorgt.

Thalham – Bei diesem Geräusch schreckt sie hoch. Wenn Monika Thalhammer hört, wie in Thalham die Kettensägen aufheulen, schrillen bei ihr sämtliche Sirenen. „Dann habe ich Angst, dass der Wald vor meiner Tür gleich weg ist.“ Denn mehr als einmal hat sie, und nicht nur sie allein, erlebt, dass Flächen in dem Attenkirchener Ortsteil großflächig zurückgeschnitten werden. Erst vor einer Woche wieder, auf einem 30 Meter langen Abschnitt. Dort am Birkenwald, wo vorher noch Bäume und Büsche standen, sind nun nur noch Baumstümpfe und Äste übrig, die wie abgeschnittene Kabelstränge aus dem Boden ragen. „Früher sind viele Bekannte aus München gekommen, weil es in Thalham so schön war“, berichtet Renate Rachl. „Jetzt gehe ich nicht mal mehr selbst spazieren, weil alles so greislig ausschaut. Mit verbissener Zielstrebigkeit werden Bäume und Büsche gefällt, zersägt und zerstückelt.“

Der Umgang mit der Natur in dem ursprünglichen Erholungsgebiet ist für viele, die hier leben, ein hochemotionales Thema. Das hat auch damit zu tun, dass dieser Konflikt schon seit Jahrzehnten gärt und immer wieder ausbricht. Ein kleines Kompendium der Aufreger aus den vergangenen Jahren: eine Birke, die weggeschlagen wurde mit samt des Baumhauses, in dem die Kinder immer gespielt haben. Hecken auf Gemeinschaftsgrund, die mit elektronischen Sensen abgemäht wurden – zu Beginn der Schutzperiode. Eine Großaktion an einem der Landschaftsseen, bei der Weiden am Ufer radikal zurückgeschnitten wurden. „Da waren die Mitarbeiter der von der Gemeinde beauftragten Firma mit Motorsägen auf dem Eis. Der große laute Häcksler stand direkt daneben und lief auf Hochtouren“, berichtet Edith Hopf. „Als das Eis wieder aufgetaut ist, sind Hunderte von toten Fischen obenauf geschwommen.“ Sie vermutet, dass die Wassertiere durch den Lärm aus dem Winterschlaf aufgeweckt wurden und dann verendet sind. Die Kinder im Ort hätten sich gar nicht beruhigen können: „Warum, Mama, sind die Fische tot?“ Auch die Enteninsel im See sei zerstört worden. „Die Enten wurden somit ihres Aufenthalts, Schutzes und ihrer Brutflächen beraubt.“

Auch prägende Bäume würden immer wieder aus dem Ortsbild verschwinden, erzählt Edit Hopf. Eine monumentale dreistämmige Esche etwa oder die Birke am Ortseingang Thalham, die mehr als 50 Jahre alt gewesen sei. Dabei gebe es einen Grünordnungsplan, in dem diese Straßenbäume als Gebot dargestellt seien. „So aber verliert Thalham seinen Flair.“

Inzwischen haben die Betroffenen eine Unterschriftenliste herumreichen lassen – mit der Bitte an die Gemeinde Attenkirchen um eine behutsame Grünpflege. Über 150 Personen haben darauf unterzeichnet. Das einzige Feedback, das es bisher gab: die Aktion vor einer Woche am Birkenwald.

Wie erklären sich die Thalhamer diesen Radikaleifer? Renate Rachl vermutet zum einen ökonomische Interessen. Schließlich lasse sich das Holz gut an den Mann bringen. Zum anderen sieht sie einen falsch verstandenen Ordnungsfanatismus am Werk. Nur, ein schönes Bild gibt das gerade bearbeitete Areal nicht ab. Das sieht auch Landschaftsarchitekt Thilo Mittag so. „Ich bewahre ein Landschaftsbild, indem ich es behutsam pflege. Aber hier wird rabiat gepflegt.“ Der Landschaftsarchitekt räumt ein, dass die Gemeinde auf öffentlichen Grund das Recht hat, Bäume zu legen, solange es in der Fällzeit geschieht. Üblicher Weise aber werde bei Aktionen in dieser Größenordnung das Landratsamt informiert, das für den Arten- und Biotopenschutz zuständig ist. Das aber ist nicht geschehen, wie Klaus Tschampel vom Amt für Naturschutz und Landesplanung dem FT bestätigt. „Wir haben vorab von diesem konkreten Einzelfall nichts gewusst.“

Das mit der Kommunikation ist auch so ein Problem indiesem Konflikt. „In Thalham sprechen immer zuerst die Sägen, dann die Menschen“, sagt Mittag. Dabei sei es doch ein Einfaches, auf der Homepage der Gemeinde über geplante Aktionen im Vorhinein zu informieren. Nur wie soll das geschehen, wenn selbst der Bürgermeister nicht über die Pläne der beauftragten Firma informiert ist? So zumindest berichten es die Thalhamer. „Das stimmt nicht“, entgegnet Bormann auf Anfrage gegenüber dem Tagblatt. Man habe ihm berichtet, dass der Wald abgeholzt werde. „Und von so etwas habe ich logischer Weise nichts gewusst.“ Denn so etwas habe ja nicht stattgefunden: Es habe sich um eine ganz normale Pflegemaßnahme gehandelt. Ein Anwohner habe darum gebeten, weil er sonst im Dunkeln sitzen würde.

Selbst hat sich der Bürgermeister noch kein Bild gemacht. Das will er am Dienstag nachholen – im Beisein von Vertretern des Freisinger Landratsamts und des zuständigen Unternehmens. Von den Thalhamern hat er für den Schnitt schon mal eine klare Botschaft erhalten: „Bei solchen Maßnahmen sollte das Gemeinwohl und nicht das Einzelinteresse ausschlaggebend sein.“

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