„Ich bereue nichts“, sagt Schwester Gunhild mit Blick auf ihren Lebenslauf als Nonne. Noch immer ist sie voller Hingabe.
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„Ich bereue nichts“, sagt Schwester Gunhild mit Blick auf ihren Lebenslauf als Nonne. Noch immer ist sie voller Hingabe.

Nonne aus Attenkirchen blickt auf ihr Leben

Ordensschwester Gunhild: „Frausein ist ein Geschenk“

  • Andrea Beschorner
    vonAndrea Beschorner
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Wenn Ordensschwester Gunhild (81) auf ihr Leben zurückblickt, sagt sie: „Ich bereue nichts.“ Dass sich das Bemühen um Gleichberechtigung oft zu einem Kampf der Geschlechter auswächst, beobachtet sie mit Sorge.

Attenkirchen - In der Rückschau ist der Weg, den Schwester Gunhild gegangen ist, ein anderer als der, den sie sich als junges Mädchen erträumt hatte, und dennoch ist sie im Frieden mit sich und dem Weg, den Gott ihr gewiesen hat. „Ich heirate mal und bekomme sechs Kinder“, hat sie immer gesagt, als sie selbst noch ein Kind war. Dass sie Jahre später die Braut Christi sein würde und in die Mutterrolle für viel mehr als sechs Kinder schlüpft, ahnt sie damals noch nicht.

Zunächst ist es ein Zufall, der die damals 13-jährige Gertraud an die Klosterschule Maria Medingen bei Dillingen führt. „Meine Schwester ging dort hin, ich dann auch.“ Das wurde von ihren Eltern ganz pragmatisch gehandhabt. Der tägliche Gottesdienst, das regelmäßige Gebet gehören für sie zum Alltag. Dort, im Gebet, hört die damals 14-Jährige ihren Ruf: „Geh in deinem Leben zu Kindern, die keine Mutter haben.“

Schwester Gunhild: „Der Herr hat mir keine Ruhe gelassen“

Diese Botschaft Gottes kommt ganz klar in dem Mädchen an, eine Botschaft, die zur Richtschnur für ihr Leben werden soll. Der Gedanke, ins Kloster zu gehen, lässt sie nicht mehr los. Dennoch: „Das war ein Prozess und stand nicht von heute auf morgen fest“, sagt sie und fügt lächelnd an: „Der Herr hat mir keine Ruhe gelassen.“ Als Gertraud 16 Jahre alt ist, steht fest: Sie möchte Nonne werden.

Braut Christi: Im Alter von 21 Jahren trat Schwester Gunhild ins Kloster der Dillinger Franziskanerinnen ein – der Beginn einer Berufung.

Ihre Eltern tragen diese Entscheidung mit. Allerdings stellt ihr Vater die Bedingung, dass sie erst volljährig (damals war man das mit 21) sein muss, bevor sie sich endgültig entscheidet. Sie macht eine Ausbildung zur Erzieherin, arbeitet danach zwei Jahre in verschiedenen Internaten. Dann ist sie 21 und stellt sich ein letztes Mal die Frage: „Soll ich ins Kloster gehen?“ Eine schwierige Phase sei das gewesen. Doch nichts bringt sie von ihrem Weg und ihrer Berufung ab.

Auch, wenn sie selbst das nie so empfindet, das nie so beschreiben würde: Schwester Gunhild macht Karriere als Ordensschwester. Dabei ist sie nie weit weg von ihrem Traum, den sie als kleines Mädchen geträumt hat: Sie widmet ihr Leben – neben Gott – vielen Kindern. Mit 21 Jahren tritt sie ins Kloster der Dillinger Franziskanerinnen ein, nach einem Jahr Noviziat, einer Art Probezeit, erfolgt die feierliche Profess. An diesem Tag ist sie die Braut Christi, trägt ein wunderschönes weißes Brautkleid und legt ihr Gelübde ab: Armut, Keuschheit, Gehorsam.

Aus der jungen Frau namens Gertraud wird Schwester Gunhild. Und ohne, dass sie mit der Provinzoberin jemals darüber gesprochen hat, wo sie ihre Bestimmung sieht, ist ihre erste Wirkungsstätte als Ordensschwester das Kinderheim Bascheneck bei Augsburg. „Das war die erfüllende Bestätigung dafür, dass der Weg, für den ich mich entschieden habe, der absolut richtige ist.“ Die Schwester lebt ihr Frausein über mütterliche Fürsorge

Die Ordensschwester lebt ihr Frausein

Sehnsucht nach dem weltlichen Leben habe sie nie verspürt, erzählt sie. Ihr Ja zu Gott sei von Beginn an unverrückbar gewesen. „Ich habe mein Leben Gott geweiht, und das ist unwiderruflich“, betont sie. Dass das ein besonderes Lebensmodell ist, sieht sie dennoch. „Es ist was anderes, ein anderer Weg als der gewöhnliche.“

Wer denkt, sie als Ordensschwester würde ihre Weiblichkeit nicht leben können, der irrt sich. „Ich lebe das Frausein über die Mütterlichkeit.“ Die habe sie ein Leben lang zelebriert – auch ohne eigene Kinder, zuerst acht Jahre im Kinderheim. „Ich habe die Kinder immer so behandelt, als wären es meine eigenen“, blickt sie auf diese Zeit zurück. Abend für Abend trägt sie jeden ihrer zwölf Schützlinge ins Bett. „Sie haben noch was erzählt bekommen und ihr Kreuzchen auf die Stirn gekriegt, ehe sie friedlich eingeschlafen sind.“

Manchmal wird die Schwester Gunhild zornig

Sie hätte da nie weg wollen, aber Gott hatte andere Pläne: Sie kommt als Erzieherin in einen Kindergarten in Buchloe. Vier Jahre später wird sie zur Provinzrätin gewählt, ist zwölf Jahre lang die mütterliche Ansprechpartnerin für 800 Ordensschwestern, ehe sie ihr Weg zurückführt in ein Kinderheim. Dieses Mal als Leiterin, dieses Mal in ein Heim für Kinder aus zerrütteten Familien. Und wieder ist die mütterliche Fürsorge der Ordensschwester gefragt. Manchmal bekommt die Ordensschwester „einen Zorn“.

Als „Schock“ bezeichnet Schwester Gunhild ihren nächsten Ruf: Sie wird Oberin im Mutterhaus der Franziskanerinnen in Dillingen. Und wieder heißt es: Abschied nehmen von ihren Kindern. Auch wenn sie sich diesen Ruf nie gewünscht hat, sei sie ihm mit Hingabe gefolgt.

Hingabe: Etwas, das sie allen Frauen ans Herz legen möchte. „Frausein ist ein Geschenk.“ Wenn sie beobachtet, dass der Kampf um Gleichberechtigung in einen Kampf der Geschlechter ausartet, könne sie das nicht verstehen. „Gleichberechtigung ist mir wichtig“, sagt Schwester Gunhild. „Aber das schlägt ja oft ins Gegenteil um, sodass Männer von Frauen unterdrückt werden.“

Frauen sollen das Mütterliche als Geschenk und nicht als lästige Aufgabe ansehen. „Wenn ich sehe, dass Frauen oft nicht mehr die Mütter für ihre Kinder sind und die ganz Kleinen schon in die Krippe stecken, auch wenn es nicht nötig ist, bekomm’ ich einen Zorn“, gesteht Schwester Gunhild.

Doch was ist die Lösung? „Die Frau soll die Priesterin in der Familie sein.“ Dass nun Frauen auch nach hohen Ämtern in der Kirche streben, befremdet sie. „Damit kann ich persönlich nichts anfangen, das würde ich nie wollen.“ Sie sei da ganz den Traditionen verbunden. „Die Frau hat eine andere Bestimmung, nämlich das Mütterliche.“ Wie sie das heute, mit 81 Jahren, lebt? Sie lebt bei Pfarrer Stephan Rauscher, kümmert sich um ihn, kocht und erledigt die Hausarbeit. Wieder wie eine Mutter. Immer noch voller Hingabe.

Frauen und Karriere

Schwester Gunhild ist eines von vielen weiblichen Vorbildern, die wir in unserer Beilage „Frauen und Karriere“ vorgestellt haben. Das Heft ist in der FT-Geschäftsstelle erhältlich. Auch online kann geschmökert werden: Ein Blick auf Frauen im Landkreis Freising.

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